Jugendliche zeichnen sich häufig durch spontane Ideen aus. Was ältere Semester, zumeist konservativ gesinnt, häufig irritiert. Die jüngste Idee junger Leute aus Barsdorf, Boltenhof, Fürstenberg, Zehdenick und andernorts dürfte die allermeisten „Alten“ aber mit Freude erfüllen. Gina Fehrmann nämlich, junge Frau aus dem idyllischen Boltenhof, machte im Freundeskreis jüngst den Vorschlag, eine große Müll-Sammelaktion zu veranstalten. Quasi ohne behördliche Federführung, Fördermittel oder großes bürokratisches Brimborium mögen einfach in Privatinitiative Dreckecken aufgespürt werden – entlang den Straßen zwischen Dörfern.
Jonas Kleßny ist einer der Mitstreiter, ebenso wie seine Brüder Hannes und Jakob. Wie Jonas erklärt, sei es den 15 jungen Leuten vor allem darum gegangen, jenen Dreck zu beseitigen, den sie täglich auf dem Weg von der oder zur Schule beziehungsweise zum Gymnasium feststellen. „Und da ist uns so einiges schon auf den ersten, flüchtigen Blick aufgefallen“, betont Kleßny. Was die Reinemache-Truppe dann aber während ihres Subbotniks am vergangenen Sonnabend entdeckte, sprengte alle Erwartungen und übertraf schlimmste Befürchtungen, berichtet der 20-Jährige.

Stadtverwaltung Fürstenberg half

„Zum Glück hat uns die Stadtverwaltung Fürstenberg gut ausgerüstet mit Müllsäcken und Greifern“, sagt Kleßny. Da spielte keine Rolle, dass man sich auf gemeinde-fremdem Territorium nützlich machte. Aber was man zum Beispiel an der Ortsverbindungsstraße zwischen Wentow und Zabelsdorf beziehungsweise Altlüdersdorf fand, stimmte schon nachdenklich. „Es war Hannes, der uns darauf aufmerksam gemacht hatte, dass dort viel Unrat in den Nebenräumen der Straßen liegt“, lobt Jonas. „Der absolute Hammer war aber die unbefestigte Lkw-Raststätte in Dannenwalde.“ Obwohl der Imbiss auf der anderen Straßenseite seit Wochen geschlossen ist, wurde dort laut Jonas Kleßny extrem viel Müll gefunden. „Das hat uns total die Sprache verschlagen, da herrscht eine furchtbare Situation“, beklagt Jonas Kleßny, der weiß, ebenso wie seine Mitstreiter, das wenige Tage nach der Müllaktion vornehmlich von Brummi-Fahrern der alte Zustand wiederhergestellt wird. Was man so alles gefunden hat?

40 Säcke Müll

Straßenschilder zum Beispiel, und man will es nicht glauben: alte Kaffee-Maschinen, Lebensmittel, Kaffee-Plastikbecher sowieso, Lebensmittel, Altreifen und so weiter. „Und völlig bekloppt ist doch, dass einige schwarze Schafe mit Laub prall gefüllte Säcke einfach am Straßenrand entsorgen, so wie es auch im Wald geschieht“, ärgert er sich. Man könne abschließend nur dankbar sein, dass ein Mitarbeiter der Wasserstadt mit Transporter die jungen Leute unterstützte und die Säcke abtransportierte. Da wurde auch nicht gescheut, die Gemarkungsgrenze der Gemeinde zu übertreten, um Müll aus einer Nachbargemeinde mitzunehmen. Immerhin sind bei der Aktion sage und schreibe 40 Säcke Müll zusammengekommen sowie altes und sperriges Zeug, das gar nicht in einen Müllsack passte.
Übrigens, falls diesbezüglich Fragen aufkommen: „Selbstverständlich haben wir uns bei unserer Müll-Sammelaktion an die geltenden Corona-Regeln gehalten, wie zum Beispiel Mundschutz tragen und Abstand halten“, merkt Jonas Kleßny an. Was überdies der Fall gewesen sei, als man sich zu guter Letzt zum geselligen Beisammensein am Haussee bei Barsdorf traf. „Wir haben dort, unter Beachtung der Eindämmungsverordnung, versteht sich, Burger gegrillt und unsere Erlebnisse ausgetauscht“, berichtet Kleßny.

Patenschaften über Bäume

Und alle, „ausnahmslos alle“, seien der Meinung gewesen, das habe einen Riesenspaß gemacht. „Gemeinschaft statt Isolation und gemeinsam nützliches tun“, das Bedürfnis hätten alle verspürt. Guten Gewissens habe man deshalb weitere Pläne geschmiedet: zum Beispiel für eine Dorfaktion speziell von Barsdorfern, bei der die Allee zum Haussee gesäubert wird. Vorstellen könne man sich außerdem, dass Einheimische Patenschaften über die dort stehenden Bäume abschließen. Und der See sowie dessen Badestelle sollten besser geschützt werden, indem eine Schranke die direkte Zufahrt versperrt. „Im Sommer parken dort Autos alles zu“, berichtet der Barsdorfer. Man müsse ja davon ausgehen, dass auch der diesjährige Sommer ein Sommer mit Reise-Einschränkungen ist, in dem die Leute in Deutschland Urlaub machen und auch solche Seen wie den Haussee zur Erholung nutzen.
Mit anderen Worten, die fleißigen jungen Leute wollen am Ball bleiben und werden sich weiter als „die Jäger des wilden Mülls“ etablieren.