Und von dieser Beschlusslage gehe das Land auch aus, das für den Bund als Bauherrn die Planung der Ortsumfahrung vollziehen muss, fügte der Bürgermeister hinzu. Mit anderen Worten, Initiativen wie die Allianz Havelallee, die gegen die Westvariante opponiert, gebe es in der demokratischen Auseinandersetzung zu Sachthemen häufig. "Das muss aber nicht identisch sein mit der Stadtmeinung", betonte Philipp, der jüngst von mehreren Einheimischen wegen einer vermeintlich "neutralen Haltung" in dieser Frage kritisiert wurde.
Gleichwohl schlagen die Wellen derzeit hoch in der Wasserstadt. Vor allem bei der Bürgerinitiative (BI) "B 96 - raus!". BI-Sprecher Gerd Palm erklärte, die Enttäuschung sei schon spürbar, dass von Seiten des Bürgermeisters keine entschiedene Stellungnahme während der Veranstaltung am vergangenen Dienstag geäußert wurde. "Wir erwarten jetzt, dass die Stadt Farbe bekennt und erklärt, wie die Beschlusslage bei dem Thema B-96-Ortsumfahrung ist", sagte Gerd Palm der GZ.
Abgesehen davon: "Während die Allianz im Rathaus forderte, dass Fürstenberg sich vom Vorhaben einer Ortsumfahrung und aus dem Bundesverkehrswegeplan verabschiedet, kämpft unsere BI nach wie vor für die Verlagerung des Durchgangsverkehrs und dann für ein Lkw-Durchfahrtsverbot", so der BI-Sprecher. Daher werde die BI auch nicht der Allianz Havelallee beitreten, trat Palm Gerüchten entgegen.
Es sei allerdings zu erwarten gewesen, dass die Steinhavelmühlener Initiative den Schulterschluss mit Nabu und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sucht, "um im persönlichen Interesse die etwa 400 Meter südlich davon vorgesehene Westumfahrung zu verhindern", betonte der BI-Sprecher.
Nichts spreche freilich dagegen, dass die Belange des Naturschutzes bei der Planung einer Umfahrungsstraße berücksichtigt werden. "Das muss alles ernst genommen werden", erklärte Palm.
Aber erst eine Westumfahrung könne dafür sorgen, dass die von zahlreichen Einheimischen und Urlaubern gewünschte Überführung über die Havel errichtet wird, damit zum Beispiel der Röblinsee umrundet werden könne,
Völlig rätselhaft ist Palm zufolge die Aussage der Havel-Allianz, dass der Lkw-Verkehr auf die Autobahn verlagert werden könne, wenn die Bundesstraßen-Maut eingeführt wird. "Aber auch mit einer Bundesstraßen-Maut werden die Speditionen wohl die über 50 Kilometer Streckeneinsparung zwischen Oranienburg und Neubrandenburg weiterhin nutzen", sei die Überzeugung der BI "B 96 - raus!".
Zugleich erklärte Gerd Palm: "Für eine Ortsumfahrungs-Trasse legten wir uns noch nicht kategorisch fest. Das überlassen wir dem von Frau Ministerin Kathrin Schneider angeregten projektbegleitenden Arbeitskreis."
Dass dies auch die rechtsverbindliche Aussage des Fürstenberger Stadtparlamentes zurzeit ist, ließ der Bürgermeister wissen. Danach gelte zusätzlich zu dem Plädoyer für eine Westumfahrung der Grundsatz, "sollte sich diese Variante einer Umfahrung nicht verwirklichen lassen, sind wir als Kommune bereit, über Alternativen zu sprechen", sagte Philipp.
Der Grund? "Damit wir am Ende nicht völlig mit leeren Händen dastehen", fügte der Bürgermeister hinzu.
Aber zum jetzigen Zeitpunkt sei es aus seiner Sicht noch zu früh, über diese Alternativen zu diskutieren. "Die Planer des Landes müssen erst einmal mit ihrer Arbeit beginnen und alle Informationen zusammentragen", betonte er.