Kein Hehl machten die Initiatoren der Veranstaltung aus ihrer Forderung, die Westvariante der Ortsumfahrung möge fallen gelassen werden. Unter ihnen auch Michael Wittke, Tourismus-Experte und Betreiber der "Alten Reederei" in Fürstenberg. "Ich kenne niemanden, der die Westumfahrung gut findet", betonte Wittke und verwies darauf, jahrelang wegen seiner Haltung "totgeschwiegen und ausgegrenzt" worden zu sein. Zehn Jahre Stagnation, ohne Alternativen zu diskutieren, seien genug. Es sei zu begrüßen, dass nun die Steinförder Initiative "Havelallee" ins Leben gerufen wurde. "Denn die haben Recht", sagte Wittke. Ortsverträglicher Verkehr spiele für den Bund keine Rolle. Auch mit der neuen Bundesverkehrswegeplanung (BVWP) werde lediglich eine Verbesserung des Güterverkehrs und die schnellere Anbindung an die Ostsee-Häfen angestrebt.
Dass sich die anerkannten Naturschutz-Verbände ohnehin mit dem Plan nicht anfreunden können, machte der brandenburgische Landesvorsitzende des Bundes Umwelt und Naturschutz (BUND), Axel Heinzel-Berndt, deutlich. "Wir beabsichtigen, eine EU-Beschwerde gegen den BVWP einzureichen", kündigte er an. Grund sei, dass die Bundesregierung bei der Erarbeitung des Plans aus Sicht der Umweltverbände EU-Recht verletzt habe. Es gebe zudem einen Verstoß gegen das Bundesgesetz zur Umweltverträglichkeitsprüfung. Immerhin seien 24 000 Stellungnahmen zum BVWP-Entwurf abgegeben worden. Zu bezweifeln sei, dass die Planer alles erschöpfend berücksichtigten. Auch habe man keine Alternativprojekte geprüft, zum Beispiel keine Alternative zur B-96-Westumfahrung für Fürstenberg, sagte der BUND-Vertreter. "Der BUND bietet der Allianz Havelallee an, der Beschwerde beizutreten", erklärte Heinzel-Berndt.
Auch Dr. Claus Doll vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe kritisierte den Plan. "Das ist keine Strategieplanung." Nachhaltigkeit und Ökologie spielten kaum eine Rolle. Lediglich einzelne Projekte der Bundesländer würden dargestellt. "Das Hauptproblem ist die fehlende Qualität", erklärte Doll. Kosten der Vorhaben würden heruntergerechnet, ein möglicher Zeitgewinn aufgebauscht.
Der Fürstenberger Planer Tim Lehmann rechnete vor, dass im Rahmen der Realisierung des Projektes aus zwei Kilometern Ortsdurchfahrt zehn Kilometer Umfahrung werden würden. Das Problem seien für alle die Lkw. Daher sei zu fordern, dass die Brummi-Fahrer die Alternativen nutzen müssten, die beiden Autobahnen A11 und A20. Wenn dies mit einer Änderung des Maut-Gesetzes gesichert wäre, benötige man keine Umfahrung. Dann müsste man keine Sorge haben, dass in Fürstenberg Einzelhandelsgeschäfte und Supermärkte schließen müssten.
Fürstenbergs Bürgermeister Robert Philipp (parteilos) lenkte den Blick auf die aktuelle Situation. Nachdem Jahrzehnte diskutiert wurde, Fürstenberg aber nie in Entscheidungen eingebunden gewesen sei, gebe es nun eine Westumfahrung, die geplant werden soll. "Ich denke, wie man dazu steht, ist eine Frage der persönlichen Betroffenheit", so Philipp. Gegner und Befürworter sollten so diskutieren, dass eine gute Lösung für alle entsteht.
CDU-Bundestagsabgeordneter Uwe Feiler betonte, dass sowohl die brandenburgische als auch die mecklenburgische Wirtschaft seit langem eine Ertüchtigung der B 96 fordern. 2015 habe es in puncto B-96-Umfahrung für Fürstenberg einen Durchbruch gegeben. Das dürfe nun nicht in Frage gestellt werden.
Dass die Autobahn A 20 zwischen Prenzlau und Neubrandenburg als die am schlechtesten ausgelastete Autobahn in Deutschland gilt, erklärte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn. Auf ihr könne also der Güterverkehr verstärkt rollen - zumal für Lkw ab 2018 sämtliche Bundesstraßen maut-pflichtig würden. Für die Wasserstadt empfehle er lediglich eine Verbesserung der Ortsdurchfahrt mit kleinen Maßnahmen, keine Umfahrung.
Gerd Palm, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) "B 96 - raus!" erinnerte daran, dass vor längerer Zeit schon eine große Mehrheit für die Westvariante gewesen sei. "Wo sind die Initiatoren der Allianz gewesen, als der damalige Oberhavel-Landrat Karl-Heinz Schröter 2012 eine Mittelvariante prüfen ließ", fragte Jochen Kühn von der BI. Er habe keinerlei Verständnis für einen großen Kreisverkehr, wie ihn die Allianz Havelallee befürwortet. Wenn das so weitergehe, dann habe er keine Hoffnung mehr, dass die Wasserstadt irgendwann staatlich anerkannter Erholungsort wird.