Noch hat sich der Landesbetrieb Straßenwesen auf keine Priorität einer B-96-Ortsumfahrung für Fürstenberg festgelegt. Im Herbst sollte die Entscheidung über eine Planfeststellung getroffen werden, Corona könnte auch diesem Bestreben einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Der Sprecher des Landesbetriebs Straßenwesen, Steffen Streu, konnte am Dienstag keine verlässliche Aussage darüber treffen.
Bernhard Hoffmann vom Arbeitskreis Lebendiges Fürstenberg hat freilich während der jüngsten Ratssitzung der Fürstenberger Stadtverordneten bereits davor gewarnt, mögliche Investoren, die sich in Fürstenberg betätigen wollen, nicht im Unklaren darüber zu lassen, dass eine Westumfahrung für die Wasserstadt noch keineswegs feststeht. Vielmehr sei es nach Überzeugung von Bernhard Hoffmann denkbar, dass der Bund sich unterm Strich für eine der Mittelvarianten entscheidet.

Sorge um Solarprojekt

Vor allem aber könnte es in Zusammenhang mit den vom Landesbetrieb vorgestellten Optionen durchaus sein, dass die Umfahrung im nördlichen Bereich ein Areal berührt, für das sich derzeit Investoren interessieren.
Der Steinförder Aktivist spielt auf das Projekt der Sybag GmbH an, unmittelbar neben dem bereits bestehenden Solarpark auf dem Jochmontageplatz einen weiteren, wenngleich kleineren Solarpark zu errichten. „Die B-96-Planung müsste folgerichtig den Bebauungsplan für den Solarpark berühren“, lautete der Hinweis von Hoffmann. Seine Schlussfolgerung: Bis zu einer endgültigen und rechtskräftigen Entscheidung über eine B-96-Umfahrung für die Wasserstadt sollte die Kommune alles unterlassen, was Investoren deshalb später in Bedrängnis bringen könnte. Zumindest sollten die Investoren für den Solarpark darüber informiert werden von der Stadt, dass eine B-96-Trasse dort entlangführen kann, falls eine entsprechende Variante bevorzugt werde.

Kein Bremsklotz für Unternehmer

Bürgermeister Robert Philipp (parteilos) erwiderte, es dürfte nicht im Sinne der Kommune und der Bürger sein, alle Vorhaben zurückzustellen, die von einer möglichen B-96-Ortsumfahrung beeinträchtigt werden könnten. „Das Baurecht und wann es kommt, ist noch ungewiss“, gab Philipp zu bedenken. Er nannte das Beispiel Kraftfuttermischwerk.
Auch auf diesem Areal könnte die B 96 künftig entlangführen. Es gibt aber eine Investorengruppe, die dort eine attraktive Marina mit Gewerbe und Fremdenverkehrsstandorten dort errichten möchte, die Hafencity. Seit Längerem werde sie geplant. Den Investoren sei klar gesagt worden vonseiten der Stadt, dass es mögliche Beeinflussungen geben könnte wegen der Bundesstraße. „Die Investoren wissen Bescheid“, betonte der Bürgermeister. Fazit sei, „wir würden uns bremsen“, wenn ständig auf die seit Jahren zu erwartende Entscheidung hinsichtlich einer B-96-Umfahrung Rücksicht genommen wird. Außerdem: Die Stadtverordneten haben vor Jahren eine klare Entscheidung getroffen, die Westvariante zu bevorzugen. Auch wenn dies keine rechtlichen, lediglich politische Auswirkungen auf die Entscheidung des Bundes haben dürfte.

Bürger engagieren sich bei B-96-Konflikt


Der offene Arbeitskreis Lebendiges Fürstenberg möchte nach eigener Darstellung „mit Ideen und Diskussionen das vielfältige Potenzial Fürstenbergs unterstützen um eine lebendige Stadt für Bewohner und Touristen zu entwickeln“.

Der Schaden, der laut dem Arbeitskreis beim Bau der Westumfahrung mit einer 9,5 km langen Schneise durch den Naturpark Stechlin/Ruppiner Land angerichtet werde, sei immens. Deshalb setze man sich für den Bau einer bahnparallelen Ortsumfahrung ein.

Die BI „B 96-raus!“ dagegen vertritt die Überzeugung, es könne nur die auch von der Kommune favorisierte Westumfahrung geben. Dies habe sich auch Ende Juni während der Veranstaltung in der Mehrzweckhalle gezeigt: Noch in diesem Quartal solle über die B96-Ortsumfahrung entschieden werden. „Da die vier Mittelvarianten am 26. Juni durchgefallen waren, bleibt uns nur die für Fürstenberg/Havel im Bundesverkehrswegeplan enthaltene Westvariante“, heißt es.

Zugleich wird gewarnt: „Wenn wie 2004 darüber wieder Streit anfängt, bekommen wir wohl wieder gar nichts!“ Es sei deshalb unverantwortlich, wenn jetzt zum x-ten Mal ein Bürgerbegehren für illusorische Tunnel oder die nicht mögliche Ostvariante in den Briefkästen landet.