"Es ist alles gut gelaufen seit April", berichten sie. Gleich am Anfang stellte die Stadt der Initiative das alte Hospital zur Verfügung. Viele Hände hatten es binnen kurzer Zeit renoviert. Mittlerweile ist das Haus zum Herzstück der Aktivitäten geworden. Hier wird gemeinsam gekocht, getanzt, erzählt und gelernt. Zwei große Druckgrafiken von Fritz Best aus Bergsdorf an den Wänden des Saales erinnern an die Linolschnitt-Werkstatt, die der Künstler vor einigen Wochen gemeinsam mit seiner Frau Nora Darwich leitete. Der Neuhäsener Maler Markus Beer führt regelmäßig einen Malzirkel. 14-tägig kommt der Musiker Jens Seidenfad aus Grüneberg mit seinen Instrumenten ins Haus, um zusammen mit Tilman Sautarius eine etwa 10-köpfige Trommelgruppe anzuleiten.
"Ist das denn auch für uns?", fragen Granseer Bürger. Aber gerade diese Kontakte zwischen Einheimischen und Flüchtlingen sind wichtig für deren Akzeptanz, so Klaus Pölitz: "Das Beste ist, mit ihnen zu sprechen, dann sieht man auch, wo man helfen kann." Dafür gebe es hier die Möglichkeit. Gerade übergibt ein Ehepaar ein Fahrrad, und eine junge Frau wartet darauf, Kleidung spenden zu dürfen. "Das Bedürfnis zu helfen ist groß", ergänzt Pölitz, "man muss das nur koordinieren".
Freitags ist das Haus generell geöffnet - und dieser Tag hat sich zu einer festen und illustren Instanz entwickelt. Denn seit zehn Wochen ist es der "Bunte Abend", der sowohl die Bewohner des Heims wie auch Einwohner aus Gransee und Umgebung anlockt. Nicht nur im Computerzimmer drängeln sich junge Männer aus Afrika oder Pakistan, um das Internet kostenlos zu nutzen. Aus der Küche schweben köstlichste Düfte durch sämtliche Räume. Es war die Idee von Markus Hoffmann und drei Mitstreitern, einmal in der Woche gemeinsam zu kochen. Inzwischen sind die Gerichte nach Nationalitäten ausgerichtet.
Dass Sprache kein Hindernis ist für eine Verständigung, betonte Ines Richter. Auch Englischkenntnisse seien dafür nicht zwingend nötig. Gleichwohl ist es für die Asylbewerber wichtig, die deutsche Sprache zu erlernen. Dafür gibt es in Gransee drei Formen. Einen Kurs bietet die Volkshochschule im Strittmatter Gymnasium an. Zudem gibt es einen vom Land Brandenburg finanzierten Intensiv-Kurs Deutsch für Flüchtlinge. Den Test dafür haben 18 Bewerber aus Eritrea, Pakistan, Iran, Tschad und Kenia bestanden. Der Unterricht findet zunächst in Altlüdersdorf statt und wird von Rose Berger durchgeführt. Überdies geben Irmelin Streffer, Doris Schuppert und Hannah Schubach an drei Tagen in der Woche Deutsch-Stunden ehrenamtlich.
Den Montag haben die Laienschauspieler vom Job Act für sich zum Proben. Und donnerstags gibt die Tafel im Hospital für Bedürftige Essen aus. Klaus Pölitz organisierte für die Heimbewohner eine Verkehrsteilnehmerschule. Und Eintracht Gransee organisierte Spielberechtigungen für drei Asylbewerber aus Namibia, Kamerun und Kenia, die nun fest integriert sind in den Fußballsport. Im August gab es zum ersten Mal ein Frauen-Café, in dem sich eine beachtliche Truppe mit vielen Granseerinnen zum Handarbeiten zusammen gefunden hat. Das nächste Treffen ist am 10. Oktober. Am 28. September treffen sich im Haus alle Paten und die, die eine Patenschaft für Flüchtlingsfamilien übernehmen wollen. Im Rahmen einer bundesweiten Aktion wählte die Koordinierungsgruppe "Tolerantes Brandenburg" der Landesregierung die Granseer Willkommen-Initiative aus, um am 18. September eine Spielzeugkiste zu übergeben.
"Unsere Initiative hat Erfahrungen, und das Haus ist beispielhaft", sagte Ines Richter. Deshalb werde dort von 10 Willkommen-Initiativen ein Runder Tisch vorbereitet, an dem auch Landrat Ludger Weskamp teilnehmen will.