Das bestätigte stellvertretend für die Investorengruppe die Künstlerin Ziska Riemann, die eine der Projektbeteiligten ist. Wobei die Gruppe ständig größer werde, mithin die Anzahl der Leute, die an diesem gemeinsam und demokratisch geplanten Vorhaben interessiert seien. Gleichgesinnte könnten als Anteilseigner eine Summe ihrer Wahl in einen Fonds einlegen. "Jeder der möchte, kann Geld bei uns anlegen. Das Geld wird mit ein bis zwei Prozent verzinst. Besser als bei jeder Bank. "Damit unterm Strich für den Kauf der Immobilie genug Geld vorhanden ist", erläutert Franziska Riemann das Geschäftsprinzip.
Hotelprojekt gescheitert
Das Ganze laufe gleichsam auf ein Genossenschaftsmodell hinaus. Unterste Grenze, damit es sich auch für beide Seiten rentiert, seien 500 Euro. "Wobei wir eine Obergrenze von mehreren zehntausend Euro einplanen, damit nicht einzelne reiche Personen über das demokratisch orientierte Projekt entscheiden können", erklärt die Künstlerin.
Was aber soll mit dem Schloss geschehen? Investor Gerd Schulz hatte die leer stehende Immobilie vor mehr als 14 Jahren von der Kommune erworben. Lange Jahre diente sie davor als Lazarett und Krankenhaus und bis 2004 als Alten- und Pflegeheim. Für rund 20 Millionen Euro wollte der Hotelier Gerd Schulz von der Insel Usedom das Fürstenberger Prunkstück an der Bundesstraße in ein anspruchsvolles Wellness-Hotel verwandeln. Die Finanzierung des Vorhabens scheiterte aber an der Zurückhaltung der Banken.
Ziska Riemann zufolge geht es den vielen Berliner Klein-Investoren nun um ein anspruchsvolles Wohnprojekt, auch mit Ateliers und Proberäumen für Künstler. Familien sollen dort eine Heimat finden können, Künstler und Gewerbetreibende ebenso. Die bislang 40-köpfige Mehrgenerationen-Wohngruppe will "erschwinglichen Wohnraum mit stabilen und fairen Mieten für alle" schaffen. "Wir können uns das Schlossareal aber auch in partnerschaftlicher Kooperation mit der Kommune als Austragungsort für Kulturveranstaltungen und -programme vorstellen", erläutert Riemann. Überhaupt solle es so sein, dass man sich nicht abkapsele von der Öffentlichkeit. "Im Gegenteil, der Ort soll ausdrücklich offen sein für die Gemeinde und Vereine", erklärt Riemann.
Fürstenberger mit im Boot
Denkbar wäre beispielsweise, dass für die älteren Semester Tanztee-Veranstaltungen angeboten werden, Malkurse ebenso, Yoga wäre willkommen und die Durchführung von Konzerten. Bestens Bescheid über solche Wohn- und soziokulturellen Projekte weiß die Berliner Architektin Gunhild Reuter. Mehr noch, ein solches Leben in Fürstenberg kann sie sich ebenso wie Ziska Riemann gut vorstellen. Vor allem aber, Reuter hat einschlägige Erfahrung mit ähnlichen Projekten. Sie steht dem gemeinnützigen Verein "Wohnen mit Kindern Berlin-Brandenburg" vor und ist Ansprechpartnerin für jene, die das Projekt unterstützen möchten. Zu denen, die sich der künftigen Wohngruppe bislang angeschlossen haben, gehören Filmemacher und Musiker, sie sind in sozialen und künstlerischen Berufen tätig. Nicht ganz unwichtig: Auch Fürstenberger engagieren sich in dem Vorhaben.
Letztlich entscheidet aber die Finanzierung über diese Vision – die Kosten belaufen sich auf etwa sechs Millionen Euro, so die Schätzung der Wohngruppe. Ein Großteil davon würde über einen Bankenkredit finanziert werden.
Ob aber die Berliner für den jetzigen Eigentümer als Käufer infrage kommen, ist derzeit unklar, merkt die Künstlerin an. Eigentümer Gerd Schulz habe sich aufgeschlossen gezeigt, "wenn wir die erforderliche Summe bezahlen", erklärt sie. Seit gut einem Jahr sei man im Gespräch mit dem Hotelier. "Wobei wir inzwischen auch schon über eine Bank verfügen, die uns finanzieren will."
Riemann stammt übrigens aus München, lebte lange in Berlin, ist aber in Schulzendorf bei Gransee beheimatet. Fürstenberg kennt sie nach eigenem Bekunden sehr gut. "Ein sehr schöner Ort für eine derartige Vision", merkt sie an. Erfreut zeigt sich unterdessen der Bürgermeister der Wasserstadt, Robert Philipp (parteilos): "Als Kommune begrüßen wir das Vorhaben." Die Idee klinge sehr positiv.

Ursprünglich der Ruhesitz einer Herzogin

Herzogin Dorothea Sophie (1692-1765) von Mecklenburg-Strelitz ließ zwischen 1741 und 1752 das Schloss in Fürstenberg von dem herzoglichen Hofgärtner und Hofbaumeister Julius Löwe  errichten. Gedacht war es als ihr als Witwensitz.

Knapp 100 Jahre gehörte das Schloss der Stadt Fürstenberg: von 1910 bis 2006. Es war Lazarett, Klinik und zuletzt ein Altenheim. pilz