Mit offenem Wintermantel und einladenden Gesten wird der Besucher von Museumsleiter Thomas Steller auf Schloss und Gut Liebenberg begrüßt. Nicht persönlich und schon gar nicht per Handschlag, sondern virtuell.
Kurz vor Weihnachten ist der digitale Rundgang über das historische Gelände mit seinen denkmalgeschützten Liegenschaften online gegangen. Da Besuche in echt und analog derzeit nicht möglich sind, „bringen wir kurzerhand das Museum zu den Menschen! So machen wir kulturelle Teilhabe auch in Pandemiezeiten möglich“, teilt Sonja Erb, Sprecherin der DKB Stiftung für gesellschaftliches Engagement mit. Schloss und Gut Liebenberg und das dazugehörige Museum werden heute von der DKB Stiftung betrieben.

Rundgang übers Gut

Knapp elf Minuten dauert das Video mit dem Rundgang. 800 Jahre Geschichte können da nur angerissen, aber nicht wirklich erlebbar gemacht werden. Doch immerhin: Neugierde wird geweckt. Der Museumsleiter nimmt den virtuellen Besucher zunächst mit auf einen Turm, der sonst Gästen versperrt bleibt. Aber es geht nicht um den Turm, sondern um den seltenen Rundumblick über das große Schloss- und Gutsgelände.
Kurz wird auf das Inspektorenhaus, das älteste Fachwerkhaus auf diesem Gelände, geschwenkt, dann zur schmucken Feldsteinkirche mit ihrem Fundament aus dem 13. Jahrhundert. Schließlich wird das Auge auf den Hof, das Kutscherhaus und den weitläufigen Schlosspark gelenkt.

DDR-Vergangenheit

Dann geht es in die Gruft der Schlossbesitzer und zu den drei Sarkophagen. Der Museumsleiter geht kurz auf das Gebäude und einige Ornamente ein. Dass Kaiser Wilhelm II. mit dem Liebenberger Gutsherren Philipp Fürst zu Eulenburg-Hertefeld gut befreundet und oft zu Besuch war, Theodor Fontane dem Schloss ein Buchkapitel widmete, wird nur kurz erwähnt. Ganz weggelassen wurde im Video der Widerstand gegen die Nationalsozialisten von Libertas Schulze-Boysen, die das heimatliche Gut als Rückzugsort nutzte.
Erzählt wird online auch nichts über die DDR-Vergangenheit, als Liebenberg Mustergut und Erholungsort der SED war. Aber es gibt zahlreiche Publikationen über die Geschichte des Schlosses und auch auf der Internetseite steht etwas mehr Stoff zum Vertiefen.

Stolz auf die Alexanderschlacht

Sichtlich stolz war der virtuelle Führer auf den Kunstschatz vor Ort: das Fliesenbild der Alexanderschlacht. Nach einem letzten Blick in den von dem Landschaftsarchitekten Peter Joesph Lenné gestalteten Park endet der kurzweilige virtuelle Rundgang schon. Das Gute daran, der Park kann auch in Corona-Zeiten besucht werden, wenn das Wetter nicht allzu garstig ist.

Info: Das Video auf facebook ist barrierearm, und Untertitel können ganz einfach zugeschaltet werden.

www.dkb-stiftung.de/kulturelleserbe

13.930 Objekte werden vorgestellt


Schon nach dem ersten Lockdown im März 2020 gab es virtuelle Angebote für historisch Interessierte in Brandenburg.

Unter der Internetadresse www.brandenburg.museum-digital.de werden 95 Museen, 327 Sammlungen und 13.930 Objekte präsentiert und erklärt.

Darunter auch das Fliesenmosaik und der Waffensaal im Schloss und Gut Liebenberg.