Die Erschließung des Wohngebietes an der Falkenthaler Chaussee, Ecke Straße des Friedens in Zehdenick entwickelt sich zunehmend zum finanziellen Fiasko für die Stadt Zehdenick. Am Donnerstag haben die Mitglieder des Hauptausschusses zähneknirschend einer außerplanmäßigen Ausgabe in Höhe von 50 000 Euro zugestimmt, damit Baufreiheit auf den sechs Eigenheimgrundstücken geschaffen werden kann.

Auch Alt-Anwohner zahlen die Zeche

Unbewohnte Bauten sowie ein massiv unterkellertes Wohnhaus inklusive Anbau, Nebengebäude und Holzschuppen müssen zunächst abgerissen werden, bevor die Stadt mit dem Verkauf der Eigenheimgrundstücke beginnen kann. Nachdem die Stadt zuvor bereits eine neue Straße bauen ließ, an deren Kosten sich die Alt-Anwohner beteiligen müssen, steigen die Kosten für die Erschließung der Wohnsiedlung abermals.

Kosten deutlich höher als der Ertrag

Der Stadtverordnete Waldemar Schulz (CDU) kritisierte, dass sich wegen der steigenden Ausgaben das Vorhaben für die Stadt nicht rechnen wird. Am Ende werde die Kommune mindestens 70 Euro für den Quadratmeter ausgegeben haben, tatsächlich ließe sich aber nur ein Preis von 55 Euro pro Quadratmeter am Markt erzielen. Die Stadt zahle also drauf, zumal die Kosten für Planung und Vermessung noch nicht berücksichtigt wurden.

Bürgermeister rechtfertigt teures Bauvorhaben

Dennoch rechtfertigte Bürgermeister Bert Kronenberg (parteilos) das Vorhaben. Man müsse bedenken, dass mit der Ansiedlung von Familien die Stadt höhere Schlüsselzuweisungen erhalten werde, also die Einnahmen steigen würden. Auch wolle man Familien aus Zehdenick die Möglichkeit bieten, in ihrem Ort wohnen zu bleiben. „Wir haben halt auch keinen Investor gefunden“, erinnerte Kronenberg daran, dass es im Vorfeld nicht gelungen sei, dass sogenannte Filetgrundstück zu verkaufen. So recht glauben wollte das der Abgeordnete Bernd Halle (WG Schorfheide) allerdings nicht: „Wir hätten das Grundstück im Ganzen verkaufen sollen, dann hätten wir noch Gewinn gemacht.“

Stadt will künftig erst Wirtschaftlichkeits-Berechnung anstellen

„Wir sollten Lehren für die nächsten Bauvorhaben ziehen. Jetzt aber ist es dafür zu spät, das Kind ist in den Brunnen gefallen“, sagte Elke Knorr (AfD). Sie macht sich zudem Sorgen um die Sicherheit und fragte sich, ob das abrissreife Haus vor illegalem Zutritt gesichert sei. Das gesamte Areal sei eingefriedet und noch durch einen Bauzaun gesichert, hieß es.
Die Verwaltung will aus der Misere lernen: „Bei neuen Projekten sollten wir vorher WirtschaftlichkeitsBerechnungen anstellen“, sagte Kronenberg. Noch vor seinem Amtsantritt im Juli 2019 waren die Weichen für die Erschließung der Wohnsiedlung gestellt worden. Die Fraktion „Gemeinsam für Zehdenick“ forderte in der konstituierenden Sitzung der Stadtverordneten sogar eine beschleunigte Erschließung des Areals, damit die Stadt dringend benötigte Wohngrundstücke anbieten kann.