Auf Einladung der Berliner Nichtregierungsorganisation (NRO) "Democracy Reporting International" weilen die Nordafrikaner derzeit in Deutschland. Um Projekte im Bereich Demokratieförderung näher kennenzulernen, deren Fokus auf der Arbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren und der Stärkung der Bürgerbeteiligung liegt.
Was aber führte die tunesischen Gäste nach Zehdenick? Wie es vonseiten der NRO heißt: "Akteure aus der tunesischen Kommunalverwaltung, zivilgesellschaftliche Aktivisten, und Wissenschaftler sowie Wissenschaftlerinnen setzen sich zurzeit mit lokalen Demokratiestrukturen in Tunesien auseinander – und sie wollten in Deutschland, also auch in der ländlichen Region, etwa in Zehdenick, etwas darüber lernen." In Tunesien werde zurzeit  an einer "großen Gesetzesreform zum Thema Dezentralisierung" gearbeitet.
Um Vorurteile abzubauen
Gudrun Lomas erläuterte die Idee des Nachbar-Projektes, wonach angestrebt werde, dass Einheimische zusammenkommen, nicht zuletzt mit Flüchtlingen, und das vor allem, um Vorurteile abzubauen. "Wir wollen wirklich alle erreichen, also auch diejenigen, die bislang skeptisch waren", erklärte Lomas. Sprachencafé. Nachhilfe für Schüler, Kunstaktionen, Musikveranstaltungen und vieles mehr werde angeboten.
Petra Delport ergänzte, die Einrichtung solle ein wirklich offener Laden sein, "die Bürger sollen durch die Schaufenster beobachten können, was hier gemacht wird". Vielleicht würden sie neugierig und stoßen hinzu. Unterm Strich könne man sagen, der Verein übernehme als juristische Person Aufgaben, die die Kommune nicht erledigen kann.
Dirk Wendland, der stellvertretende Bürgermeister, erläuterte Projekte wie "Zehdenick leben" oder den Laternenzauber, bei denen es auch darum gehe, dass die Politik und Verwaltung nicht alles für die Bürger machen könnten. "Und beim Weihnachtsmarkt hat sich überwältigend positiv gezeigt, wie viele Menschen sich engagieren wollen, es waren mehr als 200 am vergangenen Sonnabend", merkte Wendland an. Lomas und Delport würdigten bei der Gelegenheit, dass man sich mit Vertretern der Stadtverwaltung regelmäßig zusammensetze.
Die tunesischen Gäste schienen beeindruckt, stellten aber zahlreiche Fragen. Wie sei es mit den Dörfern um Zehdenick bestellt, wie könnten sie einbezogen werden? lautete eine Frage. Dies sei durchaus noch ein Schwachpunkt, räumte Gudrun Lomas ein. Hier müsse mehr geschehen.
Eine Tunesierin lobte derweil das Engagement in der Havelstadt. "Zehdenick ist vielleicht eine kleine Stadt, aber eine mit großen Ideen", sagte sie. So könne man Berge versetzen.

Besuchsprogrammder Delegation


Die Gäste aus Tunesien weilten aber auch in der Gemeinde Stechlin. In Menz besuchten sie auf Einladung von Mario Ledderhose vom Dorfverein Menz das Projekt Heimatschule. Sie machten sich mit diesem soziokulturellen Projekt vertraut.

Einblicke in die Arbeit des Berliner Senats, von Bezirksverordnetenversammlungen und Bürgerinitiativen werden den Gästen in der Hauptstadt vermittelt. Weil eine der Partnerkommunen sich aber im ländlichen Raum Tunesiens befindet, war es den Gästen wichtig, Orte wie Zehdenick und Menz kennenzulernen. pilz