Seit sechs Jahren pflegt sie diese Art von modernem Tagebuch, um ein Feedback für ihre Arbeit zu erhalten. Wobei die Blog-Einträge keineswegs nur in der Region gelesen werden: "Sonderverwaltungszone Hongkong, vier Abrufe", zeigt ihr ein Analysetool an, wo überall ihr Blog Schorfheidewald gelesen – von China bis Nordamerika versammelt sich die halbe Welt auf der Seite. "Das sind wohl alles Migranten, also Deutsche, die im Ausland leben", vermutet sie.
Vor etwa drei Jahren startete sie ihre Morgenkolumne: "Einfach um die Leute teilhaben zu lassen an meiner Arbeit, um ihnen zu zeigen, wie meine Bilder und Texte entstehen", erklärt sie ihre Motivation, sich fast jeden Tag in ihrem Atelier vor den Computer zu setzen, um Alltägliches zu veröffentlichen. Und tatsächlich weckt sie damit das Interesse der Internet-Gemeinde weltweit. "Und ich will einen anderen Umgangston im Internet anschlagen", erinnert sie an die vielen feindseligen, zum Teil menschenverachtenden Einträge in den sozialen Medien, wo auch Petra Elsner ihre Blog-Leser abholt, um sie in ihren "Schorfheidewald" zu ziehen. "Ich will mich einbringen und von der Schönheit des Lebens erzählen", sagt die Künstlerin. "Mir geht es aber nicht darum, mein Inneres nach außen zu kehren", ergänzt sie. "Es ist ein Fenster zur Welt für jemanden, der sich wie ich in einem Alterungsprozess befindet." Normalerweise erreiche sie in den Lesungen aus ihren unzähligen Büchern nur zwei Zielgruppen: entweder sind es Grundschulkinder oder Rentner. "Dazwischen gibt es wenig", bedauert sie. Das habe wohl damit zu tun, dass das Leseverhalten der Erwachsenen im mittleren Alter ein anderes ist", sucht sie nach Gründen. Dass das Konzept aufgeht, beweisen ihr die vielen Kommentare: "Feedback braucht man, das ist sehr wichtig". Bei insgesamt 1 312 Blogeinträgen hat sich da einiges an Leserreaktionen angesammelt. "Es läppert sich."
"Es geht mir eigentlich nur um Kommunikation. Wir haben in Kurtschlag schließlich keine Kneipe mehr. Aber es gibt weiterhin das Bedürfnis, miteinander zu reden", weiß die Journalisten aus Gesprächen mit ihren Nachbarn, denen es nicht anders ergeht. Wobei Petra Elsner nicht nur ihre Bücher in Sprechsprache schreibt, sondern auch ihre Blogeinträge. "Das bringt eine Leichtigkeit in die Geschichten", sagt sie. Bei der technischen Umsetzung half ihr Bernd-Michael Paschke, ein Freund aus Berliner Tagen. "1994/95 wunderte ich mich über die großartige Wahrnehmung im Netz und staunte, dass man sehen konnte, wer, wo las und auch wann jemand das Lesen abbrach. Welch‘ bemerkenswerten Wege sich auftaten: Beispielweise stellte eine Kanadische Uni unter ,German for Beginners’ ,Kens Traumbaum’ als eines von 20 empfehlenswerten Büchern online vor, gleich unter ,Der Schatz im Silbersee’ – ein schönes Gefühl. Nur in Deutschland nahm das außer Paschke kaum  einer wahr. Die Verlage waren noch nicht online. Vielleicht habe ich deshalb so lange nicht mehr auf Virtuelles gesetzt. Das ändert sich gerade wieder", begründete Petra Elsner in einem ihrer allerersten Blogeinträge, warum sie mit dem Internet keineswegs auf Kriegsfuß steht, sondern die Möglichkeiten des weltumspannenden, elektronischen Netzwerks für ihr Zwecke zu nutzen weiß. Bernd-Michael Paschke hatte Mitte der 90er-Jahre eine kleine Plattform für Künstler aus dem Prenzlauer Berg geschaffen. Petra Elsners Großstadtmärchen "Kens Traumbaum" alias "Wallos seltsame Reise" stand seither auf seiner inzwischen verschwundenen Internet-Seite.
Obwohl Petra Elsner bereits Altersrentnerin ist, ans Aufhören denkt die 66-Jährige keineswegs. "Zur Ruhe setzen? Warum sollte ich? Ich bin ein stiller Einzeltäter." Und so lange ihr Kopf mitmache und ihr Geschichten einfallen, so lange schreibe und male sie weiter. Und lässt die Welt daran teilhaben.

Von der Redakteurinzur Künstlerin


Petra Elsner (Jahrgang 1953, geboren in Wildau) beginnt ihren Berufsweg als Schrift- und Grafikmalerin. 13 Jahre lang arbeitet sie im Verlag Junge Welt als Redakteurin. Daneben Fernstudien für Journalistik und  Philosophie.

Von 1994 bis 2008 lebte und arbeitete sie als Malerin und Autorin in Berlin. 2008  zog sie mit ihrem Mann in die Schorfheide. red