In Zeiten von Corona und Lockdown haben selbst gute Ideen ein rasches Verfallsdatum. Vor allem die so genannten weichen politischen Themen sind betroffen, etwa Bildung und Jugendarbeit. Was im Großen der Digitalpakt des Bundes darstellt, dessen Realisierung zähflüssigem Sirup gleicht, wenn auch nicht so süß, das ist zum Beispiel im Kleinen die zugegeben aufwendige Sanierung des Jugendklubs auf der Festwiese.
Gleichwohl haben sich Fürstenbergs Stadtverordnete während ihrer jüngsten Sitzung darauf geeinigt, das in die Jahre gekommene Haus endlich zu erneuern. Fragt sich nur, was ist zu tun? Weil das „Was“ auch nach gut drei Jahren noch nicht so richtig klar ist, einigten sich die Ratsmitglieder darauf, für eine gewisse Vor- und Rahmenplanung plus Bestandsaufnahme 30.000 Euro bereitzustellen.

Offene Jugendarbeit findet trotz Corona statt

Ina Kuhlmann, die Leiterin des Klubs und zugleich parteilose Stadtverordnete, votierte trotz allgemeiner Ernüchterung ebenfalls dafür. Nach ihren Worten, sei das nun einmal die Realität und in jedem Fall besser, als die nach ihrer Überzeugung dringend gebotene Sanierung des Treff-Gebäudes auf den Sankt-Nimmerleinstag zu verschieben, weil man sich im Schmollwinkel verkrochen hat.
Duldsamkeit zeichnet die Klubchefin ohnehin aus, so wie jeden guten Pädagogen. Zum Beispiel der seit November andauernde Lockdown. Der sorgt für Irritationen bei manchen Eltern und Schülern, ob offene Jugendarbeit stattfinden darf: „Die Jugendlichen wissen anscheinend nicht, dass wir ungeachtet der allgemeinen Einschränkungen den Klub geöffnet haben“, merkt Ina Kuhlmann an. Offene Jugendarbeit dürfe erfolgen, freilich müsse man strikt an die geltenden AHA-Regeln einhalten. Und dennoch mussten die Verantwortlichen des Treff ’92 und das Stammpublikum auch 2021 einige Kröten schlucken. Am vergangenen Sonnabend sollte eigentlich der Tag der Vereine veranstaltet werden, den der Klub organisiert.

Familientag an Christi Himmelfahrt abgesagt

Bei seiner Premiere im Mai vor zwei Jahren konnten trotz mieser Witterung dutzende Interessengemeinschaften begrüßt werden, die kräftig die Werbetrommel rührten. Ein Riesenspaß trotz Kälteschauer und stürmischen Böen. Allmählich dürfte sich 2021 zwar der Frühling durchgesetzt haben, gleichwohl war es dem Klub nicht möglich, den Tag der Vereine durchzuführen. So wie den für kommenden Donnerstag, Himmelfahrt, eigentlich beabsichtigten Familientag auf der Festwiese. Einst auf die Beine gestellt, übrigens mit großem Erfolg, um die Tradition des mitunter einfältigen Herrentags-Gedöns zu brechen, wird der Familientag auch dieses Jahr nicht stattfinden. „Das bedauern wir von der Klubleitung, aber wir haben schon jetzt die feste Absicht, dass wir beide Veranstaltungen im Herbst durchführen, also, sobald wir feiern dürfen“, betont Ina Kuhlmann.
Sozialarbeiter Mike Gutschmidt unterstützt sie bei diesem realistischen Blick auf die Probleme. Obwohl er ebenfalls zu spüren bekommt, dass die Familien im Lockdown ängstlicher reagieren und die Kinder lieber zu Hause bleiben. Zum Beispiel die Gören auf den Dörfern. Bredereiche hat dank Mike Gutschmidt und seiner Tatkraft seit Oktober nagelneue Klubräume.

Das Prinzip Hoffnung gilt für den Jugendklub in Fürstenberg

„Zurzeit ist aber tote Hose, lassen sich nur wenige Kinder bei uns blicken, und das obwohl der Klub täglich nachmittags geöffnet hat.“ Unverdrossen hält der Jugendklub aber seine Angebote aufrecht. In der Hoffnung, wenn die Witterung schöner ist, finden sich die Jugendlichen von selbst auch wieder ein.
Wenn es einige auch nicht geschnallt haben: Der Jugendklub hat täglich geöffnet. Und es wird, sofern es die Umstände erlauben, die Tätigkeit von Arbeitsgemeinschaften aufrechterhalten: Etwa die AG Medien, die nach wie vor am Start ist und deren Teilnehmer sich „in begrenzter Anzahl“ wöchentlich treffen. Inline-Hockey aber, die beliebte AG, die normalerweise freitags stattfindet, befindet sich weiter in der Warteschleife. „Wir dürfen laut Eindämmungsverordnung keinen Sport- und Spielbetrieb in geschlossenen Räumen durchführen, also auch nicht in der alten Turnhalle.“
Das Prinzip Hoffnung dürfte seine Bedeutung noch eine Weile behalten. „Wir hoffen zum Beispiel erst einmal auf schönes Wetter“, merkt Ina Kuhlmann an und lacht. Die Hoffnung hat sich zumindest für zwei Tage erfüllt. In Bezug auf das Klubgebäude und dessen dringend gebotene Sanierung lässt sich in Abwandlung eines Films durchaus sagen: „Und täglich hofft das Murmeltier“.

Jugendarbeit im Seenland


Der Treff ’92 e.V. wurde im Oktober 1992 als gemeinnütziger Verein gegründet und ist stark engagiert in der Jugendarbeit in der Stadt Fürstenberg/Havel und in den Ortsteilen.

Das Vereinsgebäude befindet sich am Freibad neben der Festwiese am Röblinsee in der Schützenstraße in Fürstenberg/Havel.

Die Kommune machte sich das zunutze und schloss mit dem Klub einen Vertrag, der es dem Treff erlaubt, die gesamte Festwiese samt Badestelle, Umkleiden und Bistro zu betreiben.

Zurzeit wird aber wieder ein Bademeister oder eine Bademeisterin gesucht. Stefan Rusch arbeitet nicht mehr für die Stadt Fürstenberg.