"Die Stadt Zehdenick hat vom Grundsatz her keine Bedenken", wird die Verwaltung dem Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) im Rahmen der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange bis zum 30. Juni mitteilen, nachdem Heike Wegener von der Stadtverwaltung Zehdenick die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses am Donnerstagabend über das neu aufgelegte Verfahren informiert hatte. Eine Stellungnahme werde erst auf der Grundlage konkreter Antragsunterlagen erfolgen.
Schon einmal hatte die Stadt ein Votum abgegeben, und zwar im November vergangenen Jahres mit einem identischen Wortlaut. Die positive Zustimmung begründete Wegener damit, dass es zunächst nur um die Lizenzierung des Unternehmens gehe und erst in einem zweiten Schritt um die konkrete Suche nach Kohlenwasserstoffvorkommen. Dafür müsse ein Hauptbetriebsplan vorgelegt werden, der eine neue Trägerbeteiligung vorsehe.
Der erste Versuch der Niederländer, die Lizenz zu erhalten, war am Widerstand der Naturschützer gescheitert, die erhebliche Bedenken vorgebracht hatten. Von den 21 Trägern öffentlicher Belange hatten sich sieben kritisch geäußert. Nach einem Gespräch mit dem LBGR entschied sich das Unternehmen, einen neuen Antrag einzureichen. Statt auf 908 soll nur noch auf 368 Quadratkilometern nach Kohlenwasserstoff-Vorkommen gesucht werden. Die Fläche werde nun um 60 Prozent verkleinert. Basierend auf Probebohrungen zu DDR-Zeiten werden in dem Gebiet nördlich der Zehdenicker Innenstadt große Erdgasvorkommen vermutet. Auch Spuren von Erdöl ließen sich bereits nachweisen, dieses zu fördern, wäre vermutlich zu aufwändig, hatte ein Mitarbeiter des LBGR kürzlich bei einer Informationsveranstaltung durchblicken lassen. Gebohrt werden soll künftig außerhalb der Schutzgebiete und nur auf Waldwegen. Außerdem soll sich das Unternehmen zum Rückbau der Bohrlöcher verpflichten. Das umstrittene Fracking soll als Fördertechnologie nicht zum Einsatz kommen, es sei nicht Gegenstand des Antrages, so Wegener.
Dass die Stadt Zehdenick im November eine positive Stellungnahme zum Lizenzantrag abgegeben hat, überraschte Ausschussmitglied Reiner Merker: "Es gab dazu keine Abstimmung, es gab kein Votum, es war nur eine Information der Verwaltung." Bernd Reinicke (Bürger für Zehdenick) machte deutlich: "Wir wollen ausdrücklich beteiligt werden." Am Donnerstag gab es dazu keine Informationsvorlage für die Mitglieder des Ausschusses, sondern lediglich eine mündliche Unterrichtung. Für Wesendorfs Ortsvorsteher Rainer Lenz wäre es eine Horrorvorstellung, wenn mitten in Wesendorf nach Kohlenwasserstoffen gebohrt werden würde. Die Landesregierung hatte bereits in der Beantwortung einer Kleinen Anfrage der Landtagsabgeordneten Isabelle Vandre (Linke) deutlich gemacht, dass sie eine Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen zur Rohstoffsicherung befürworten wird.