Die Corona-Pandemie kann einem Gedenktag nichts anhaben, wohl aber dem Brauchtum, der mit ihm verbunden ist. Auf die Geschichte vom Heiligen Martin in der Kirche lauschen und womöglich einem kleinen Anspiel folgen, in einem langen Umzug zusammen mit vielen weiteren Kindern und Erwachsenen, ausgestattet mit Fackeln und Lampions, durch die Stadt laufen, Hörnchen miteinander teilen, sich eng beieinander ums Feuer scharen – daran ist dieses Jahr am 11. November, dem Martinstag, in Gransee nicht zu denken.
Eine entsprechende Veranstaltung wurde abgesagt, worauf Katechetin Susanne Meißner jüngst noch einmal aufmerksam machte.

Ein kleines Zeichen setzen

„Aber den Kern der Geschichte, ein Zeichen zu setzen, ein Licht weiterzugeben, muss deswegen ja nicht ausfallen“, so Meißner weiter. „Tun wir es doch ähnlich wie zu Halloween: Gehen wir in Familie mit einer Laterne durch die Straßen der Dörfer und Städte. Stellen wir ein Licht in unsere Fenster oder eines auf das Fensterbrett unseres Nachbarn. Ein kleines Zeichen, das zeigt: ich sehe dich.
Das kann ein Anfang sein, sich wahrzunehmen und zur Hilfe bereit zu sein“, so die Katechetin, die in diesem Zusammenhang einen Bogen zur Martins-Geschichte spannt. Martin habe dem Bettler einst das gegeben, was dieser Mensch in seiner größten Not brauchte. Dieser habe das dankbar angenommen. Für Martin änderte sich sein Leben, da er erkannte, wie nötig und gut es ist auch die am Rande stehen, zu beachten. Der anonyme Bettler stehe für viele, die sich aus Scham für eine traurige oder ängstliche Lage verbergen. Auch die vielen, die allein sind, gerade Ältere. Und die gebe es auch heute noch.

Quiz für Kenner der Geschichte

Ferner hat die Katechetin sich anlässlich des Martinstages ein kleines Quiz ausgedacht, das Kinder von fünf bis zwölf Jahren lösen sollen. Auch junge Leser der Gransee-Zeitung sind angesprochen. Für sie besteht die Möglichkeit, zum Beispiel die richtigen Antworten auf die Fragen am Ende des Textes zu markieren, das ganze auszuschneiden und an die Gemeinde (Klosterstraße 2a in Gransee) zu schicken oder auch die Antworten auf einem Zettel zu notieren. Am 11. November selbst werde dafür von 17 bis 18 Uhr die Marienkirche offen sein (anlässlich einer Andacht zur Friedensdekade). Am Eingang im Turmgebäude werde ein Briefkasten bereitstehen, in den die Lösungen gesteckt werden können.

Richtige Antworten werden belohnt

Jede richtige Einsendung gewinne. Darunter werden auch kleine Gutscheine sein, kündigt die Katechetin an. Wer die Ziehung übernimmt, sei noch eine Überraschung. Wichtig sei nur, dass Name, Alter und Adresse des Absenders nicht vergessen werden. Die Auflösung und Hauptgewinner werden nach dem Martinstag seitens der Gemeinde veröffentlicht.
Quizfragen:
  • 1. Was hatte der Heilige Martin für einen Beruf? A) Soldat, B) Römer, C) Wächter
  • 2. In welcher Stadt spielt die Martinsgeschichte? A) Amiens, B) Rom, C) Bethlehem
  • 3. Was teilte Martin mit dem Bettler? A) Brot, B) Mantel, C) Wasser
  • 4. Was tat Martin, als er aus der Armee austrat? A) Er ließ sich taufen und wurde Mönch, B) Er ging zurück in seine Heimatstadt, C) Er wurde Gänsehirte
  • 5. Um wen kümmerte sich Martin fortan? A) Blumen, B) Tiere, C) Hilfsbedürftige
  • 6. Wo versteckte sich Martin laut Legende, weil er nicht Bischof werden wollte? A) Pferdestall, B) Gänsestall, C) Entenstall
  • 7. Was war der 11.11. für ein besonderer Tag? A) Geburtstag, B) Sterbetag, C) Beerdigungstag

Brauchtum am Martinstag


Als Brauch ist heute vor allem das traditionelle Martinsgansessen verbreitet. Ein historischer Erklärungsversuch für dieses Brauchtum geht davon aus, dass in Zeiten des Lehnswesens eine am Martinstag fällige Abgabe der Ursprung war.

In vielen Regionen Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, in Luxemburg sowie in Ostbelgien, Südtirol und Oberschlesien sind Umzüge zum Martinstag üblich. Bei den Umzügen ziehen Kinder mit Laternen durch die Straßen der Dörfer und Städte. Begleitet werden sie häufig von einem auf einem Schimmel sitzenden Reiter, der mit einem roten Mantel den heiligen Martin als römischen Soldaten darstellt. Zum Abschluss gibt es häufig ein großes Martinsfeuer. Gebäck wird geteilt.

Im Anschluss an den Martinszug oder auch an einem leicht abweichenden Termin wird vielerorts auch das Martinssingen praktiziert, bei dem die Kinder mit ihren Laternen beziehungsweise Lampions von Haus zu Haus ziehen und mit Gesang Süßigkeiten, Gebäck, Obst und andere Gaben erbitten.

Vor allem in Ostösterreich segnen die Pfarrer den neuen Wein, der dann nach diesem „Martiniloben“ von den Heurigenwirten zur ersten Verkostung ausgeschenkt wird.

In manchen überwiegend protestantischen Gegenden Süddeutschlands, so etwa im Donau-Ries, auf der Schwäbischen Alb und in Mittelfranken, bringt der Pelzmärtel, auch Pelzmartin oder auch Nussmärtel am Martinstag Geschenke.

Die verschiedenen Bräuche wurzeln in zwei verschiedenen Anlässen. In der von Byzanz beeinflussten Christenheit lag der Martinstag am Beginn der Fastenzeit. Daneben war der Martinstag das Ende des bäuerlichen Wirtschaftsjahres. Aber erst im 19. Jahrhundert bekam das Brauchtum seinen inhaltlichen Bezug zur Gestalt des heiligen Martin. (Quelle: wikipedia)