Aus heiterem Himmel kommt die Idee nicht, in der Wasserstadt unweit des schon bestehenden Solarparks eine weitere Fläche mit Photovoltaik-Anlagen zu bebauen. Nicht allein dass die deutsche Solarindustrie der Krise allmählich entkommen ist – der Klimawandel lässt die Nachfrage nach regenerativen Energien sprunghaft anwachsen. Auch wenn das die Netzkapazitäten auszureizen droht in Norddeutschland.
Die Sybac Solar GmbH aus Kehrig bei Koblenz in Rheinland-Pfalz ist auf freie Flächen zwischen Jochmontageplatz und Waldstraße in Fürstenberg aufmerksam geworden. Rund 2,8 Hektar möchten die Mitarbeiter der Sybac in einen Solarpark verwandelt werden. Notwendig ist dafür ein Bebauungsplan, den müssen die Stadtverordneten in Fürstenberg beschließen. Geschehen soll das am kommenden Donnerstag im öffentlichen Teil der Ratssitzung, die wegen Corona wieder in der Feuerwache stattfindet und um 18.30 Uhr beginnt.
Aus der Beschlussvorlage geht hervor, dass die gesamte Anlage, es werden rund 10.000 Module installiert, eine Leistung von 3.223 kWp (Kilowattpeak) aufweisen kann. Zur Versinnbildlichung: Damit könnten zirka 1.000 Haushalte mit elektrischem Strom versorgt werden. In welchem Zeitraum geht aus den Informationen aber nicht hervor. Peak ist ein englischer Begriff, er bedeutet Spitze und im Zusammenhang mit Kilowatt bezeichnet er bei Solaranlagen per Definition „Spitzenleistung unter genormten Testbedingungen“. Die Leistung kann also auch schwanken.

Rund um die Uhr nach Süden ausgerichtet

Wie die Bauverwaltung informiert, handelt es sich bei der Liegenschaft, die mit der neuen Photovoltaik-Anlage bestückt werden soll, um einen Standort, der ursprünglich ebenfalls für einen Paradigmenwechsel stand: freilich in der Bauwirtschaft. Einst befand sich auf dem Grundstück, Waldstraße 3, ein Betrieb zur Erzeugung von Lehmputz. Die vorhandenen, maroden Altgebäude sollen beseitigt werden, nach dem Rückbau erfolgt laut Sybac die Baufeldfreimachung. Mit der vorteilhaften Option, die gewonnene elektrische Energie, wenn eines Tages die Anlage in Betrieb genommen wurde, ohne Umwege in das Mittelspannungsnetz der E-dis einspeisen zu können. Möglicherweise wichtig beim Thema Gewerbesteuer: „Die Betreibergesellschaft teilte außerdem mit, dass der Dienstsitz in Fürstenberg/Havel angemeldet werden soll“, heißt es in der Beschlussvorlage.
Klare Sache außerdem: Die Module werden starr und unbeweglich nach Süden ausgerichtet, so wie es bereits auf dem Jochmontageplatz der Fall ist. Der dortige Solarpark war vor neun Jahren errichtet worden, genauer gesagt, im August 2011 war der Solarpark von Investor Olaf Greshake, Geschäftsführer der Firma Solar-Art, ans Netz gegangen, übrigens mit einer respektablen Größe von 10,6 Hektar. Rund 16.000 Module hatten damals das Leistungsvermögen von etwa 3.200 Kilowatt, was den technologischen Wandel in den vergangenen neun Jahren verdeutlicht. Damit konnte das Unternehmen nach den Worten Greshakes rund 2.000 Fürstenberger mit Strom versorgen. Erworben hatte Solar-Art den Jochmontageplatz von der Neuruppiner Firma Immo-Projekt in Neuruppin, die das Vorhaben seinerzeit planerisch entwickelte.

Modelle der Finanzierung

Und es gab damals ein interessantes Modell der Vermarktung: Zum einen konnten Bürger aus Fürstenberg und Umgebung durch den Erwerb eigener Solarmodule auf dem Jochmontageplatz direkt von der Produktion des Sonnenstroms profitieren. Greshake erläuterte damals: Dies geschehe im Rahmen eines genossenschaftlichen Modells. Zugleich räumte er ein: Der Hauptteil der Anlage sei aber bereits von der Energie-Genossenschaft einer Volksbank erworben worden. Zum anderen können Interessenten Firmen-Anteile ab 1000 Euro zeichnen. „Die Verzinsung ist garantiert über das Gesetz zur Energie-Einspeisung, allerdings ist sie naturgemäß abhängig von der Stromerzeugung“, erläuterte der Geschäftsführer. Ob und wie viele Fürstenberger auf die Angebote eingingen, ist freilich nicht bekannt.
Doch auch Sybac offeriert Bürgern und Unternehmen Finanzierungsmodelle. Interessenten sollten sich im Internet informieren unter www.sybac-solar.de.
Laut der Fürstenberger Stadtverwaltung hat die Sybac Solar GmbH bereits versichert, alle mit der Planung verbundenen Kosten zu tragen.

Sybac ist weltweit aktiv


– Seit 2004 errichtet das Unternehmen laut Eigendarstellung Solaranlagen, seit 2009 ist das Team aus „Finanzfachleuten, Ingenieuren und Technikern“ in Deutschland, Frankreich, England, Japan, Chile, Ungarn und der Türkei aktiv tätig. Von Planung und Bau über Finanzierung und Vermarktung seien auf diese Weise auf Photovoltaik-Freiflächen und Dachanlagen Leistungen von mehr als 700 kWp geschaffen worden.

– Das bisher größte realisierte Einzelprojekt ist der Solarpark Pferdsfeld in Rheinland-Pfalz mit einer Leistung von 28,5 MW.

– Wie der Stromversorger e.on erläutert, lassen sich mit einem kWp pro Jahr rund 1.000 kWh Solarstrom erzeugen. Notwendig seien dafür zum Beispiel sieben bis zehn Quadratmeter Dachfläche. Ein Haushalt mit vier Personen benötigt laut e.on beispielsweise eine Photovoltaikanlage mit 4 bis 5 kWp Leistung und dementsprechend 30 bis 50qm Platz für die Solaranlage. Grob gesagt entspricht diese Fläche rund 20 Solarmodulen. (pilz)