Eigentlich sollte die Inbetriebnahme nicht zu Unrecht an die große Glocke gehängt werden. Wegen Corona geschah nun alles quasi heimlich still und leise: Auf dem Fürstenberger Marktplatz unmittelbar gegenüber der Rathaustür ist eine Elektro-Ladesäule in Betrieb genommen – lange Zeit von verschiedener Seite gefordert und seit geraumer Zeit auch im Kreise der Stadtverordneten diskutiert.
Möglich machte den Epochenwandel freilich weniger die Kommune, abgesehen davon, dass sie Grund und Boden zur Verfügung stellte. Die Energie Mark Brandenburg (EMB) hat die Ladesäule installieren lassen. Und zwar noch vor Weihnachten, seit vergangenem Mittwoch ist sie nun auch einsatzbereit.
Somit könnten auch in Fürstenberg Elektroauto-Fahrer ordentlich „Gas geben“ – mit Energie der EMB: Die Elektro-Ladesäule verfügt über zwei Ladepunkte mit einer Leistung von jeweils bis zu 22 Kilowatt. Damit hat die EMB über 20 Ladesäulen in ihrem Netz, das nach Eigendarstellung seit Ende 2017 in West- und auch Nord-Brandenburg aufgebaut werde.

Effektives Tanken möglich

Um an der Ladesäule zu „tanken“, kann unter anderem eine Ladekarte der EMB genutzt werden, die die EMB in mehreren Varianten für Privat- und Gewerbekunden anbietet. Diese sogenannten RFID-Karten ermöglichen durch Vorhalten nicht nur jederzeit einen einfachen Zugang zu den Ladesäulen der EMB, sondern auch zu den Ladepunkten der über 220 Ladenetz.de-Partner sowie vielen Roaming-Partnern, beispielsweise New-Motion, in Deutschland und Europa.
Aber auch das spontane Laden ohne eine spezielle Karte ist möglich. „Dazu scannt der Elektro-Automobilist über sein Smartphone einen an der Ladesäule befindlichen QRCode ein und startet den Ladevorgang online“, erläutert Jochen-Christian Werner, Sprecher der EMB. Abgerechnet wird jeweils der tatsächliche Verbrauch. Die Leistung von 22 Kilowatt ermöglicht ein schnelles Beladen der Elektroautos – soweit diese darauf vorbereitet sind. „Die Batterien eines Smart forfour eq wären, einen entsprechenden Bordlader vorausgesetzt, so beispielsweise in weniger als einer Stunde gefüllt“, heißt es in einer Pressemitteilung. Wie es inzwischen Standard sei, sind die Ladepunkte in Fürstenberg mit dem Stecker Typ 2 ausgestattet.
Die Ladesäule der Firma Mennekes wurde von der Firma Thomas Stange Elektrik aus Gransee errichtet, die auch die Wartung und die technische Betreuung übernimmt.

Heimtankstelle im Trend

Auf Nachfrage betonte Thomas Stange, diese E-Tankstelle sei „schon durchaus sehr sinnvoll“, weil die zwei mal 22 Kilowatt genug Power bieten würden, etwa für Fahrzeuge, die von Berlin zur Ostsee unterwegs sind und in Fürstenberg einen Tankstopp einlegten. „Das ist dann sehr effektiv, mit dieser Ladung käme der Autofahrer schon fast bis zur Ostsee“, was freilich auch vom Autotyp und Fahrverhalten abhängig sei.
Die Überwachung der Ladesäule wird durch die NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg abgedeckt, die über ihre Netzleitstelle täglich rund um die Uhr erreichbar ist. Zusätzlich zum Aufbau öffentlicher Ladeinfrastruktur bietet die EMB Privatkunden und Gewerbebetrieben „Heimbetankungsanlagen“, so genannte Wallboxen, an. Beim Angebot EMB Mobil-Paket stehen Modelle unterschiedlicher Ausstattung zur Wahl, die in der heimischen Garage oder auf dem Firmengelände angebracht werden. Bezieht der Nutzer zusätzlich Strom von der EMB, weil er ihr Kunde ist, erhalte er einen Mobilbonus von einmalig 200 Euro auf den Kauf der Wallbox.

E-Autos und Klimawandel


Das Wirtschaftsministerium des Landes Brandenburg betont in einer Stellungnahme: Die Zukunft der Mobilität wird elektrisch sein. Davon seien viele Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik überzeugt. Elektromobilität schone Klima und Umwelt, fördert technologische Innovationen und ermöglicht neue Geschäftsmodelle. Elektromobilität zu etablieren sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert den Ausbau erneuerbarer Energien. Die Bundesregierung stellt dafür finanzielle Mittel zur Verfügung, darunter auch für den Ausbau privat genutzter Ladeinfrastruktur im Rahmen des Zuschusses 440.

Das Förderprogramm KfW 440 unterstützt den Erwerb und die Errichtung von Ladestationen an Stellplätzen und in Garagen, die zu bestehenden Wohngebäuden gehören und nur privat zugänglich sind: Gesamtkosten (Ladestation und Installation) müssen mindestens 900 € betragen.

im Innern des Fahrzeuges befindet sich eine aufladbare Batterie. Beim Fahren verbraucht sich die darin gespeicherte Energie. Ist sie leer, muss sie wieder aufgeladen werden. Um diese Prozesse zu optimieren, wird aktuell stark an schnell-aufladbaren, energieeffizieten und kostengünstigen Batterien geforscht. Außerdem muss ein Netz an Stromtankstellen ausgebaut werden. Das Ministerium für Wirtschaft und Energie fördert die Ladeinfrastruktur.

Seit 2017 steht die Ökobilanz von Elektroautos immer wieder in der Kritik, weil die Produktion der Batterien einen hohen CO₂-Ausstoß verursacht und Bestandteile für die Batterie in Ländern der dritten Welt wie in Afrika unter teils menschenunwürdigen Bedingungen gewonnen werden sollen. Vor allem die Herstellung der Batterie verbrauche viel Energie und kann mit einem grösseren Ausstoss von CO2 verbunden sein.