Es dauerte vielleicht zehn Minuten, da sprossen zwischen den Ziegeln des Ringofens zarte Baumwollpflänzlein – bildlich gesprochen. „Welcome to the Blues“, riefen sie den rund 20 Besuchern zu, die zu einem Konzert des Blues-Gitarristen Bad Temper Joe gekommen waren. Und sie waren mehr als zufrieden mit dem, was sie im zugigen Ringofen zwischen den Exponaten der aktuellen Ausstellung hörten. Der Gitarrero aus der Stadt in Ostwestfalen, die es angeblich nicht gibt, in der aber ein weltbekannter Doktor seine Puddings anrührt, zählt zu den bedeutendsten deutschen Blues-Interpreten, erhielt zahlreiche Preise als bester Sänger, bester Solo-Künstler und für das beste Album des Jahres 2019. Mit dem in Ostwestfalen eigenem knorrig-trockenem Humor erzählte er, dass er im Frühjahr in Memphis „einige Dinge zu erledigen hatte“ – denkste.

In Memphis einer Jury gestellt

Er nahm zu Jahresanfang am Internationalen Blues-Wettbewerb in Elvis‘ Geburtsstadt teil, kam ins Finale und wurde zu einem der acht besten Blues-Künstler des Jahres 2020 gewählt. Und weiter: Er habe ein wenig Zeit gehabt und sei ins Studio (die Sun-Studios, in denen schon Elvis aufgenommen wurde!) gegangen, habe sein neuestes Album aufgenommen. „Das gibt es aber nur auf Vinyl“, sagt er, fügt schnell hinzu „Ich wollte schon immer was für alte Leute machen!“ Da war er wieder, der Ostwestfale! Im Gegensatz zu seinem Künstlernamen „der schlechte-Laune-Hans“ (ganz wörtlich übersetzt) zeigte sich Bad Temper Joe gut gelaunt, schnappte sich seine Steel-Gitarre, eine Gitarre, die auf den Knien gespielt wird und in Deutschland so richtig erst nach dem Zweiten Weltkrieg als „Hawaii-Gitarre“ bekannt wurde.

Hinter Mark Knopfler muss sich der Musiker nicht verstecken

Seine zweite Gitarre ist eine Resonatorgitarre; beim Spielen versetzen die Saiten in der Gitarre eingebaute Resonatoren in Schwingung, die den Klang wie eine Membran verstärken. Im Vergleich zu einer akustischen Gitarre klingen die Resonatorgitarren leicht blechern. Die bekannteste Abbildung einer solchen Gitarre ziert das Cover des Dire-Straits-Albums „Brothers in Arms“. Hinter Mark Knopfler muss sich der Bielefelder nicht verstecken, auch wenn er damit kokettiert, er könne nicht richtig Gitarre spielen und bevorzuge deshalb die „Offene Stimmung“. Da werden die sechs Gitarrensaiten zu einem Akkord gestimmt, der dann mit einem Röhrchen – dem Bottleneck - verändert werden kann. Das jault dann so schön. Gleichzeitig zupfen die Finger die Saiten.
Neben vielen Eigenkompositionen spielte Bad Temper Joe Klassiker von Robert Johnson oder den absoluten Blues-Klassiker „Spoonful“ von Willie Dixon. Ihn gibt’s in unzähligen Varianten und gehört zu den 500 wichtigsten Songs aller Zeiten. Bad Temper Joe haute eine Version aus seiner Steelgitarre, dass es eine reine Freude war und die Baumwollpflänzlein im Boden des Ringofens weiter sprießen ließ. Schade ist es, wenn zu solch relativ unbekannten, aber bedeutenden Künstlern nur einige Besucher den Weg zum Veranstaltungsort finden.