Sie geraten nicht unbedingt ins Schwärmen, die Assoziationen wandern bei ihnen vom Wald der Romantik zum Wald der Brüder Grimm und auch zum Waldsterben, eines der jüngsten Wortexporte in andere Sprachen. Und wer schon einmal in der Nacht im stockdunklen Wald nur einige Minuten verbracht hat, weiß, wie unheimlich der deutsche Tann sein kann und wird Hänsel und Gretel verstehen.
Dem "Deutschen Wald" will die Fotografin Solveig Faust an die Wurzeln gehen, in einer Ausstellung in der Kirche am Weg in Dannenwalde zeigt sie seit dem Wochenende rund 50 Bilder aus und vom deutschen Wald. "Der Wald", so erzählt sie nach der Vernissage, "ähnelt heute ja eher einem Spargelfeld. Kiefern, Fichten, Buchen und Eichen stehen fast militärisch forstmaschinengerecht in der Reihe, sehen aus wie Streichhölzer".
Ursprünglicher Wald
Viele Förster, so fügt sie schmunzelnd an, dächten ihren Wald nur noch in Festmetern, der zerspant als Schrank, Tisch oder Stuhl in den Möbelhaus-Ketten angeboten werde. Dem will sie entgegentreten mit ihren Fotografien in Farbe und meistens Schwarz-Weiß.
Ein Besucher schwärmte von ihren Bildern, sie erinnerten ihn an Zeichnungen von Caspar-David Friedrich. Mit ihren Fotos will sie dem ursprünglichen Wald nachspüren. Sie bezeichnet sich als "Wolkenfotografin", zieht den bewölkten Tag der Sonne vor, geht zu unterschiedlichen Tageszeiten los, "ich wandere gerne im Wald". Dabei überlässt sie es sehr oft dem Zufall, bis der Blickwinkel, bis die Einstellung stimmen, wie sie sich es vorgestellt hat. Das könne schon mal dauern.
Die ausgestellten Fotos hat sie überall in Deutschland aufgenommen, sie war im Harz, in Sachsen, im Bayerischen Wald und natürlich auch vor der Berliner Haustür, in Brandenburg. Mit ihren Fotos möchte sie die Vielfalt zeigen, die im "Deutschen Wald" möglich wäre. Besonders gelungen ist eine Aufhängung: In der Kirchenwand ist deutlich zu sehen, wo und wie eine Elektroleitung verlegt wurde. Sie platzierte nun ein düsteres Bild einer grauen Eiche so, dass es aussieht, als ob der Baum die Leitung sei.
Solveig Faust erhielt ihre fotografische Ausbildung an der bekannten Ostkreuzschule für Fotografie. Pro Jahr nimmt sie sich maximal zwei Projekte vor, deren Ende dann in einer Ausstellung mündet. So hat sie in den vergangenen Jahren über ein halbes Jahr Schiffer auf der Elbe fotografisch begleitet.
Musikalische Offenbarung
Eine musikalische Offenbarung war das Duett mit den jungen Musikern Kaora Kobayayshi (Violine) und Wolf Hassinger (Cello), die die Vernissage-Besucher zu wahren Begeisterungsstürmen hinrissen. Die Ausstellung "Deutscher Wald" ist in der Kirche am Weg Dannenwalde bis zum 30. August mittwochs bis sonntags von 13 bis 17 Uhr zu sehen.

Das Fach von der Pike auf gelernt


Solveig Faust wurde 1970 in Kleinmachnow bei Berlin geboren. Seit 1993 lebt und arbeitet sie in Berlin. Zurzeit ist sie im Beuth-Verlag tätig.

Ihr Handwerk lernte sie an der Ostkreuzschule für Fotografie, Berlin, und zwar im Seminar von Sybille Fendt.

Sie besuchte außerdem die Neue Schule für Fotografie und studierte an der Abendakademie der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

Zahlreiche Ausstellungen mit strikter thematischer Orientierung erarbeitete Solveig Faust. Zum Beispiel widmete sie eine Foto-Serie der linken Politikerin und Frauenrechtlerin Rosa Luxemburg, Titel: Rosa – eine individuelle Annäherung.

In einer weiteren Fotoserie über Luxemburg beschäftigte sich Solveig Faust ausführlich mit den Briefen der 1919 ermordeten Politikerin. Titel: "Und ich lächle im Dunkeln". wg