Das syrisch-britische Künstlerehepaar Fritz Best und Nora Darwich haben das Projekt ins Leben gerufen. Einmal die Woche trafen sie sich in zwei Asylbewerberheimen in Gransee und Berlin-Mitte, um den Interessierten mittels der Drucktechnik des Linolschnitts eine Plattform zu geben, sich non-verbal zu äußern. Fritz Best sieht das Angebot jedoch nicht als "Hilfeleistung" an. "Im Gegenteil", sagt er, "die Teilnehmer haben uns geholfen, etwas zu realisieren, was wir schon immer machen wollten. Dafür bin ich sehr dankbar."
Der Zwang zur Flucht ist alt wie die Menschheit. Gerade jetzt ist das Thema wieder Teil einer aktuellen, mitunter hitzigen Debatte. Europäer treffen auf Syrier, Albaner und Menschen aus dem Kosovo. Was macht das mit Europa? Was macht das mit den Flüchtlingen? Welche Erwartungen haben beide Gruppen? "Genau das wollen wir versuchen zu erklären", erläutert Fritz Best die Intention des Projekts. Blanke Zahlen rücken dabei aber in den Hintergrund. "Uns geht es um individuelle Sichtweisen."
Wie die von Hassan Aji. Der 21-jährige flüchtete vor Krieg und Terror aus Syrien. Seine Familie ist noch dort. Seit einigen Monaten lebt er in Berlin. "Für mich war das Projekt eine wichtige Erfahrung", erzählt der junge Mann. "Ich bin kunstinteressiert und hier haben wir alles in Handarbeit gemacht, das hat mir gefallen." Seine Bilder zeigen Hände mit Uhren, einen Schwan aus Swarovski-Steinen, eine junge Frau, die zu weinen scheint, den Eiffelturm. "Da würde ich gerne einmal hin", sagt er. Hassan hat Träume. Der größte ist ein ziemlich ungewöhnlicher. "Ich möchte studieren, um ein richtig guter Uhrmacher zu werden."
Die Hobby-Künstler haben religiöse Motive gewählt, Reiseziele gedruckt, Friedenszeichen, Wunschbilder von Deutschland, Szenen von der Überfahrt aus der alten in eine neue Heimat. Oder eine Waage. So wie Abdel Qader Yousef, der seit einigen Monaten im Granseer Heim wohnt. Die Waage ist für ihn ein Symbol der Gerechtigkeit. "In Deutschland helfen die Menschen den Asylsuchenden", sagt der 45-Jährige. "Das finde ich gut."
Die Bilder, die im Begegnungshaus der Initiative "Willkommen in Gransee" sowie im Elisabethenheim der Caritas in Berlin in Zusammenarbeit mit dem Verein Freedomus entstanden sind, können erworben werden. Ab 25Euro kann jeder ein Bild kaufen. "Die Ausstellung ist ein echtes Highlight", sagt Klaus Pölitz von der Granseer Initiative. Vier Jahre stand das Begegnungshaus leer, jetzt stelle es die Stadt ihnen zur Verfügung und zahle auch noch den Strom.
Diese Hilfsbereitschaft ist nicht das einzige, was Nora Darwich überrascht. "Die Flüchtlinge wollten unbedingt etwas machen trotz der Situation, in der sie gerade leben", sagt sie und bezieht sich auf die unzähligen Behördengänge, Sorgen um die zurückgelassenen Familien, Sprachprobleme und das oftmals vorhandene Gefühl, doch nicht willkommen zu sein. "Sie waren trotz dessen sehr engagiert", lobt sie den Willen ihrer Teilnehmer, sich künstlerisch auszudrücken und verständlicher zu machen.
Die Ausstellung "Heim" im Begegnungshaus, Ruppiner Straße8, ist noch bis Ende August zu sehen. Besichtigt werden kann sie immer von Dienstag bis Freitag zwischen 15 und 17 Uhr.