Landrat Ludger Weskamp (SPD), der während seiner Sommertour am Freitag der Agrar GmbH einen Besuch abstattete, freute sich über diese Ankündigung. Und noch mehr über die klare Ansage von Andreas Schmidt: "Wir sind Verfechter der Kreislaufwirtschaft und realisieren sie auch künftig", erklärte der Geschäftsführer. Liegt da nicht das Bio-Siegel nahe? Ein leichtes Lächeln huscht über Schmidts Gesicht: Es werde so viel Schindluder mit dem Begriff  "Bio" getrieben, man nehme nur die Produkte etwa aus Spanien oder anderen Ländern, die unter "Bio" verkauft werden, "so etwas wollen wir uns und den Kunden nicht antun", betont Schmidt, der sichtlich Freude hatte an dem Gespräch mit dem Landrat. Weskamp kennt sich nämlich sehr gut aus in der Landwirtschaft, nicht zuletzt wegen der familiären Herkunft.
Rechnet sich zum Beispiel so eine Milchtankstelle? wollte Weskamp wissen. "Eigentlich nicht, wir verkaufen 50 bis 80 Liter  täglich, das deckt nicht die Herstellungskosten", antwortete Andreas Schmidt. Wenngleich die Nachfrage nach Frischmilch während Corona zunahm. Die Direktvermarktung sei nicht viel mehr als ein gut laufendes Hobby, "aber sehr gut für die Werbung und Kommunikation mit den Bürgern", betont Schmidt.
Insgesamt produzieren die 200 Kühe des Unternehmens rund 6 500 Liter Milch – wohlgemerkt täglich. Wobei der Liter derzeit sage und schreibe nur 29,75 Cent einbringt. Was Kreislaufwirtschaft bedeutet, lässt sich an der Agrar GmbH sehr gut studieren: Das Unternehmen verfügt  über eine eigene Biogasanlage, zudem werden – um Futter zu gewinnen – 1 450 Hektar Feld- und Wiesenflächen bewirtschaftet, auf denen Gärreste der Biogasanlage ausgebracht werden. Mit anderen Worten: Tier- und Pflanzenproduktion sind in dem Unternehmen vereint.
Bemerkenswert: Melker, die beschäftigt werden, kommen vor allem aus Polen. "Grundsätzlich haben wir große Nachwuchsprobleme", erklärt Andreas Schmidt, der in der Agrar GmbH rund 20 Mitarbeiter angestellt hat, unter ihnen allerdings auch zwei Lehrlinge.
Mit gewissem Stolz blickt der Firmenchef auf die Sparte des Verkaufs jener Tiere, die für die Produktion nicht benötigt werden, etwa Bullenkälber. "Der Verkauf läuft sehr gut und auf hohem Niveau", betont Schmidt. Was aber auch der Agrar GmbH schwer zu schaffen macht, sind die klimatischen Veränderungen, Trockenperioden und Spätfröste  etwa. Inzwischen aber wird die Direktvermarktung immer wichtiger: Kunden sogar aus Berlin würden inzwischen die Angebote der Kraatzer Agrar GmbH schätzen – wie während Corona deutlich zu bemerken war.

Zapfsäule für Milchwird gern genutzt


Vor rund sechs Jahren ging die Tankstelle für Frischmilch aus dem Stall, die lediglich pasteurisiert ist, ans Netz. Seitdem erfreut sie sich wachsender Beliebtheit.

Im Frühjahr 2016 erweiterte die Agrar GmbH ihr Angebot mit frischen Eiern. Nach der Landpartie 2016 kamen Wurst und Rindfleisch hinzu.

Geschäftsführer Andreas Schmidt spielt mit dem Gedanken, einen Hofladen zu gründen. pilz