Eine außergewöhnliche Künstlerehe bringt außergewöhnliche Briefe hervor. Die Zeilen, die Theodor Fontane und seine Frau Emilie wechselten, gewähren intime Einblicke in die Höhen und Tiefen einer Dichterexistenz und zeichnen das lebendige Bild einer starken Frau, die aus dem Schatten ihres Mannes tritt.
Rainald Grebe und die Schauspielerin Kratochwil haben überraschende, schmerzliche wie schöne Briefe des Ehepaars zusammengestellt, ihre Auswahl umspannt ein halbes Jahrhundert. Lange Phasen der Trennung, bedingt durch dienstliche und schriftstellerische Verpflichtungen, aber auch durch die schwierige wirtschaftliche Lage der Familie, werden durch Briefe überbrückt. Wie das Gespräch in Zeiten der Nähe, so gehört der briefliche Austausch zum Wesen dieser Künstlerehe.
In der Lesung geht es um Liebe, Einkommen und Kinder in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ehe man sich versieht, versinkt man regelrecht in dem Briefwechsel, wird mitgenommen in die Zeit Fontanes. Das bei dieser Lesung aber nicht nur vorgelesen, sondern auch tatsächlich vorgelebt wird, ist zu erwarten. Immerhin haben sich Rainald Grebe und Tilla Kratochwil schon länger mit Fontane beschäftigt und im vergangenen Jahr an der Berliner Schaubühne Fontanes Frauenbild und seine Ehe genauer unter die Lupe genommen.
Es werden also zwei Experten lesen. Aber ein Fan Fontanes scheint zumindest Grebe nicht zu sein. Der Kabarettist und Autor hat ein Lied über Brandenburg geschrieben, insofern ließe sich eine Seelenverwandtschaft mit dem Autor der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ konstruieren – aber Grebe räumt offen ein, bis zur Vorbereitung des Programms habe er bis auf das „Birnengedicht“ nichts von Fontane gelesen. Inzwischen habe er sich nicht nur durch die Romane gearbeitet, sondern auch Fontanes Kriegsberichterstattung gelesen, seine Theaterkritiken und den Briefwechsel. „Das war durchaus schwer und ermüdend. Das ist mir nicht so leicht gefallen. Das waren 1 500 Seiten Ehebriefe, da muss man erst mal durch.“
Einem Freund würde er kein Werk empfehlen, aber es gebe immer mal wieder Auszüge, die ihm gefallen hätten, so der 46-Jährige. Das Mühlenhaupt-Museum ist am Sonntag  ab 13 Uhr geöffnet, die Lesung beginnt um 15 Uhr, der Eintritt kostet zwölf, ermäßigt zehn Euro. Unter karten@muehlenhaupt.de oder 033088 50550 können Karten vorbestellt oder an der Tageskasse erworben werden.