Am 6. August wird an dieses epochale Ereignis, das einer Initialzündung für die Stadtentwicklung gleichkommt, gleichwohl mit der Eröffnung einer Ausstellung im Rathaus am Markt erinnert – einer Schau, die den Titel trägt: "25 Jahre Truppenabzug".
Weil sie bereits vor einem Jahr erstmals öffentlich zugänglich war und nun als Wanderausstellung im gesamten Land gezeigt wird. Freilich vor allem an Orten, wo die Nachnutzung der ehemaligen Militärflächen der sowjetischen Truppen, offiziell "Westgruppe der Truppen" (WGT), zu einer Überlebensfrage für die Kommunen wurde.
Hoher Besuch wird erwartet
So auch in der Wasserstadt, umzingelt von Militärbrachen, Kasernengeländen und ehemals geheimen Bereichen, in denen sogar strategische Kernwaffen lagerten. Immerhin war Fürstenberg zu DDR-Zeiten eine Garnisonsstadt mit mehr als 30 000 sowjetischen Soldaten.
Die Ausstellung ist Teil des diesjährigen Konversionssommers und steht wie bereits in den Vorjahren unter der Schirmherrschaft des brandenburgischen Wirtschaftsministers. Auch in dieser Legislatur ist es Jörg Steinbach (SPD). Erwartet wird in Fürstenberg der Staatssekretär des Ressorts, Hendrik Fischer.
Es soll aber laut den Veranstaltern von der Arbeitsgemeinschaft Konversion (Arge Konver) nicht bei der Eröffnung der Ausstellung im Rathaus belassen werden. Geplant ist zudem ein Rundgang durch die historische Altstadt und die "innerstädtischen Konversionsflächen". Dass allerdings außerhalb des Ortskerns Flächen mit Entwicklungspotenzial und zugleich auch entsprechenden Problemen zu finden sind, zeigte sich erst vor wenigen Wochen. Die Mitglieder des Bauausschusses des Fürstenberger Stadtparlaments unternahmen einen Rundgang über das ehemalige Faserstoffgelände.
Stolpersteine im Erdreich
Mit viel Tam-Tam war das vor 20 Jahren beräumte und ehrgeizig einer zivilen Nachnutzung zugeführte Gelände während der Expo 2000 als Erfolg der Konversion gefeiert worden. Seit mehr als zwei Jahren verwandeln Martin Richter-Sinnig und seine Frau Kristin das Areal in den Naturcampingplatz Wilde Heimat. Dabei stoßen sie auf viele Stolpersteine, Hinterlassenschaften einer aus Sicht vieler Beobachter nicht gründlich genug vorgenommenen Konversion. Im Erdreich lagern zum Beispiel kolossale Reste von Betonfundamenten der einstigen Nutzer des Geländes, entweder vom einstigen Faserstoff-Werk oder den sowjetischen Besatzern.

Anfänge und Erfolge der Konversion


Die Ausgangssituation im Land Brandenburg nach der Wende war nicht ermutigend: Zwei von fünf Armeen der WGT waren stationiert: Die 20. Armee mit ihrem Stab in Eberswalde, die 2. Panzerarmee mit ihrem Stab in Fürstenberg. Sowjetische Truppenübungsplätze befanden sich unter anderem in Jüterbog, Heidehof, Lieberose, Döberitzer Heide, in der Kyritz-Ruppiner Heide, aber auch in der Tangerdorfer Heide.

1993 wurde im brandenburgischen Wirtschaftsministerium das Referat Konversion angesiedelt. Vornehmlich mit Geld aus dem Strukturfonds der EU sowie Bundes- und Landesmitteln wurden Projekte zur Konversion realisiert.

Vorzeigeprojekt in Fürstenberg ist nach wie vor die Umwandlung der Röblinsee-Siedlung, zu DDR-Zeiten von den Besatzern genutzt, zu einer prächtigen Villensiedlung. pilz