Die Langeweile der neuen Bewohner Gransees am Karl-Marx-Platz ist groß. Sie bewegen sich zwischen Deutschkursen, Einkäufe erledigen, Essen kochen, schlafen und langen Spaziergängen durch die Altstadt. Abwechslung muss her, Zerstreuung vom Alltag der vor Krieg und Tod Geflüchteten. Das denkt sich auch die Initiative "Willkommen in Gransee" und wartet in den nächsten Wochen mit mehreren Veranstaltungen, Workshops und Treffen auf, welche auch die Akzeptanz in der Bevölkerung stärken sollen.
Wichtig sei aber in erster Linie ein gutes Sprachverständnis, so Uwe Mietrasch, einer der engagierten Bürger in der Initiative. Seit Ostern geben Ehrenamtliche Deutschunterricht. "Das ist manchmal schwierig gewesen, weil die Kurse zu Beginn so voll waren", informierte Rose Berger. Doch nach und nach leerten sich die Kurse etwas. "Viele kommen leider nicht regelmäßig." Dennoch starteten vor zwei Wochen professionelle Lehrangebote der Volkshochschule im Strittmatter-Gymnasium. Wegen der zurückgehenden Frequentierung überlegt Rose Berger nun, das Konzept des Angebots zu variieren. Sicher ist das aber nicht. Was feststeht: Es werden dringend Materialien für den Unterricht wie preiswerte Wörterbücher oder Schnellhefter benötigt.
Ausnahmslos erfreulich hingegen sei die Fahrrad-Aktion am 9. Mai gewesen, so Viviane Zipperling. 30 Drahtesel konnten auf Vordermann gebracht werden. Noch einmal genauso viele warten noch auf ihre Reparatur. Auf einen WLAN-Anschluss müssen die Bewohner im Heim ebenfalls warten. Der ist nicht geplant. Dafür ist in der Begegnungsstätte in der Ruppiner Straße 8 ein Internetanschluss in Arbeit. "Die Leitungen sind verlegt", so Markus Hoffmann von der Initiative. "Jetzt hängt es an der Telekom."
Das Hospital - ein neuer Name ist noch nicht gefunden -ist derweil in den letzten Zügen der Fertigstellung. Es gibt zehn Tische, die Wände sind fertig gemalert. Möbel für die Küche und Regale für alle müssten noch aufgebaut werden, berichtete Wolfgang Grassl. Das sei auch möglich durch eine großzügige Spende der Stiftung "Demokratie von unten bauen" aus Rheinsberg. Weitere Spenden gingen von Privatpersonen, der Kirchengemeinde Gransee, der Amadeu-Antonio- Stiftung sowie vom SPD-Ortsvereins Gransee-Fürstenberg ein.
Wenn das Hospital bezugsfertig für alle offen steht, solle es nicht ungenutzt bleiben, so Uwe Mietrasch. "Flüchtlinge und Einwohner sind aufgerufen, das Haus mit Leben zu füllen." Es sei dabei äußerst wichtig, die neuen Bewohner aus Syrien, Albanien und Afrika zu involvieren. "Das ist euer Haus", betonte Mietrasch. Dabei könnten selbst kleine Veranstaltungen wie Bastel- oder Spieleabende das Miteinander fördern. Es könne gekocht oder geredet werden. Schön wäre es, wenn immer jemand vor Ort sein könnte, der Deutsch spricht. Eine Sprache lernt sich eben leichter, wenn sie gehört wird. Das wird nicht einfach. "Es braucht seine Zeit", sagte Klaus Pölitz. "Wir machen alles im Ehrenamt, da benötigt es eine gewisse Anlaufzeit, bis alles in die Gänge kommt."
Einige geplante Aktionen stehen aber schon fest. So will der Neuhäsener Künstler Markus Beer ab dem 27. Mai jeden Mittwoch ab 14 Uhr eine Kunststunde geben. Sein Bergsdorfer Kollege Fritz Best, der eine syrische Frau an seiner Seite weiß, wird diesen Sonntag ab 14 Uhr einen Linolschnitt-Workshop anbieten. "Wir wollen Porträts der Menschen, die hier leben, anfertigen", erläuterte er. "Ich möchte die Situation in Gransee dokumentieren." Markus Hoffmann setzt derweil auf einen "bunten Abend" jeden Freitag ab 17 Uhr. Kochen, landestypische Themen austauschen, Kontakte knüpfen. Das könnte am 5. Juni losgehen.
Ein wichtiger Tag für die Initiative ist der 20. Juni. Der Tag der Vereine soll genutzt werden, um sich vorzustellen und damit Vorurteile abzubauen. "Unsere Aktionen werden hier unterschiedlich beäugt", so Uwe Mietrasch. Die Öffentlichkeit sei nicht nur positiv gestimmt, was die Flüchtlinge anbelangt. Viele Vorurteile, falscher bis absurder Neid und oftmals schlichtweg Unwissenheit und fehlende Empathie gebe es nach wie vor. "An diesem Tag wollen wir uns präsentieren und eine positive Message senden."