Für die Freunde des gepflegten Gitarren-Riffs gab es mächtig was auf die Ohren: fünf Bands in fünf Kneipen. Zehdenicks Wirte hatten zur bereits 20. Musikmeile eingeladen. Doch wo anfangen? Vielleicht im Havelschloss? Dort gab es ein Wiederhören mit den Begleitern der Jugend: Neil Young, die Rolling Stones, Gary Moore und weitere wurden von der Neubrandenburger Band "B 96" nah am Original, aber doch individuell interpretiert. Die Band spielte in der klassischen Vier-Mann-Besetzung, der Gitarrero spielte auf seiner Les-Paul-Gibson ein knallhartes Brett, dem die ergrauten männlichen Zöpfe im Publikum zunickend Anerkennung zollten. Der Sänger hatte die Songs angepasst an seine Röhrenstimme. Versichert wurde dem Publikum, das das Havelschloss gefüllt hatte: "Wir machen die Musik als Hobby, wir spielen aus Gaudi." Eine Freude, die sofort übersprang.
Leise Töne im Stadtgarten
Im Stadtgarten nutzten viele Besucher den lauen Frühlingsabend zur ersten Sitzprobe im Biergarten mit Havelblick, während drinnen das dreiblättrige Kleeblatt "Clover" Folkmusik von der grünen Insel spielte. In vielen Liedern verarbeiteten die Iren ihre Geschichte, die Armut, das Auswandern in die USA, die Unterjochung durch den großen Nachbarn im Osten und mit allem verbunden die Liebe um die "Bonnie Lass of Ireland".
Weiter ging es ins "Hotel Klement", wo Burkhard Kühn und Carsten Klassiker aus vier Jahrzehnten Musikgeschichte vorstellten. Eine Fender "Stratocaster" und eine akustische Gitarre interpretierten country-angehauchte US-Songs wie "A Horse With No Name" ebenso wie Ringos "With a little help from my friends" vom Sergeant-Pepper-Album der Beatles.
"Schmackes" hieß es in der Gaststätte "Schröder", doch wer bei dem Bandnamen eine vierköpfige Combo erwartet hatte, der wurde überrascht. Eine Stromgitarre und ein Cajun wies die Besetzung auf, die super spielte. Trotzdem wollte der Funke nicht so richtig überspringen. Vielleicht lag es am Neonlicht oder am späten Beginn (21 statt 20 Uhr), das Publikum saß in den hinteren Räumen und hielt sich an der Gerstenkaltschale fest.
Der letzte Ortswechsel ging in den kleinen Ratskeller, wo es in den Räumen krachte. "M und S unzensiert" brannten ein Feuerwerk an lauter Musik und coolen Sprüchen ab. Gitarrist M., natürlich mit einer "Strat" umgürtet, hatte vor sich auf dem Boden eine ganze Batterie an Effektgeräten, die alle zum Einsatz kamen. Vom Computer kamen Schlagzeug und Bass, während M. sich in Ritchie Blackmore, Gary Moore, Carlos Santana und andere Gitarrero-Helden verwandelte. Sänger S. röhrte und dröhnte sich durch die englischen Texte, improvisierte zwischendurch aber auch auf Deutsch.