Käfer lebt nur wenige Monate
An einem warmen, sonnigen Tag im Juli oder August bekommt man ihn mit etwas Glück zu Gesicht: den Eremiten. Nur wenige Monate lebt er als ausgewachsener Käfer, nachdem er drei bis vier Jahre im Larvenstadium verbracht hat. Normalerweise muss man sich also an seinen Spuren orientieren. "In der Nähe der Brutbäume kann man zum Beispiel Reste toter Käfer, leere Puppenhüllen und die markanten Kotpillen der Käferlarven finden. Im Gegensatz zu denen anderer Käfer sind diese oval und so ein gutes Erkennungsmerkmal", beschreibt Petra Möhl, Rangerin der Naturwacht Brandenburg und tätig im Natura-2000-Umsetzungsprojekt der Stiftung. Sie und Thomas Hahn, ebenfalls Ranger der Naturwacht, sind vor Ort für die Auswahl der Habitatbäume des Eremiten zuständig.
Langfristige Planung
"Der Eremit lebt vor allem in den Mulmhöhlen alter Eichen. Mulm ist ein organisches Material, das beim Zersetzungsprozess eines Baumes anfällt und dient den Käferlarven als Nahrungsquelle", erklärt Petra Möhl. Als Beispiel: Besiedlungsfähige Höhlen in Eichen haben sich frühestens nach 150 bis 200 Jahren entwickelt. Es ist also eine langfristige Planung nötig, um sicherzustellen, dass sich immer genügend Altbäume im Gebiet befinden. Dazu wurde von den Rangern überprüft, an welchen im Zuge der Managementplanung markierten Bäumen noch Eremiten vorkommen beziehungsweise welche Bäume weiterhin ein potenzielles Habitat darstellen. Einige sind zum Beispiel Stürmen zum Opfer gefallen und so nur noch bedingt geeignet. "Es sollten möglichst zehn Brutbäume in geringem Umkreis beieinanderstehen, damit eine Population erhalten werden kann, denn die Käfer haben normalerweise nur einen geringen Bewegungsradius", so Petra Möhl. Folglich sollen besiedelte Bäume bis zum natürlichen Zerfall stehen bleiben. Ebenso sind Neupflanzungen geplant. Als nächstes folgen Gespräche mit den zuständigen Förstern, um diese und weitere geplante Maßnahmen gemeinsam abzustimmen. Laut Thomas Hahn würde man mit dem Erhalt der Lebensräume der Eremiten hier im Gebiet zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: "Der Käfer gilt als Schirmart. Sein Lebensraum ist auch der vieler anderer Arten, die durch den Erhalt der Altbäume ebenso geschützt werden könnten."

Die Schutzgebiete

Das Schutzgebietsnetz Natura 2000 dient dem Erhalt von Lebensräumen und Arten innerhalb der EU.

Es umfasst rund 27 000 Gebiete, davon 600 in Brandenburg.

Für Natura-2000-Gebiete werden Schutz-und Bewirtschaftungspläne, die sogenannten Managementpläne, erstellt.

Ziel ist es, die Umsetzung konkreter Naturschutzmaßnahmen vorzubereiten. red