700 Euro Förderung pro Hektar

Genug geschwärmt. Jetzt kommt das Land Brandenburg ins Spiel. Ende 2019 wurde eine Richtlinie geschaffen: "Förderung naturbetonter Strukturelemente im Acker­bau". Anders ausgedrückt: Blühstreifen. Seit November können Landwirte Förderanträge für den Anbau von Blühflächen auf ihren Äckern stellen. Immerhin 700 Euro gibt es pro Hektar.
Insgesamt 30 Millionen Euro hält das Land Brandenburg in den kommenden fünf Jahren in seinem Fördertopf dafür bereit. Die ersten Millionen wurden bereits beantragt. Wie das Umweltministerium in Potsdam mitteilt, sind in Brandenburg aktuell 424 Anträge mit einer Fläche von rund 10 000 Hektar eingegangen. Macht summa summarum rund sieben Millionen Euro Förderung.
Doch wer Richtlinien erlässt, macht das nicht ohne Vorgaben, Einschränkungen, Reglements. Seit März 2020 darf nur noch Saatgut für heimische Pflanzen verwendet werden. Auch was zum Blühen gebracht werden soll, wird festgelegt. Bei den einjährigen Blühstreifen sind das 17 Wild- und Kulturarten wie Klatschmohn, Kornblumen, Spitzwegerich, Dill, Buchweizen und Sonnenblumen. Für die Anlage mehrjähriger Blühstreifen werden 34 Wildarten empfohlen, in denen mindestens 27 Pflanzen wie Wiesenkerbel, Feldbeifuß, Johanniskraut und Hasenklee vorkommen müssen.
Was die Landwirte aber viel mehr nervt, sind zwei Dinge: einmal die Mindestgröße der Blühstreifen und dann die Begrenzung der Laufzeit bis Ende 2024. "Da hat jemand nicht mitgedacht", ärgert sich Landwirt Andreas Kleßny aus Altlüdersdorf. "Der Streifen soll mindestens zehn Meter breit sein, aber meine Drillmaschine ist entweder sechs, neun oder zwölf Meter breit." Da verliere oder verschenke er bei der Aussaat zu viel Fläche. "Und nach fünf Jahren soll ich alles wieder unterpflügen, weil sonst aus Ackerland Grünland wird." Das gehe an der Realität vorbei. Auch so betreibe er als Bauer Naturschutz. "Ich habe meine eigenen Blühstreifen angelegt, rund 20 Hektar, ganz ohne Förderung. Das ist eine Freude, was sich da alles tummelt, sogar die schwarze Biene", sagt Kleßny stolz.
Andere Landwirte reagieren ähnlich. "Wir haben von uns aus ökologisch wertvolle Bereiche angelegt", sagt Timo Schiemann von der Liebenwalder Agrar GmbH – und das alles ohne Landes-Richtlinie und "dem Theater mit der Mindestbreite", so Schiemann weiter. Ähnlich bienenfreundlich agiert auch die Agrar GmbH Neuholland-Freienhagen, die freiwillig nachhaltige Blühstreifen anlegt, ohne nach dem Geld aus Potsdam zu schielen.

Zu viele Regeln

Seit acht Jahren, also schon weit vor der ersten Brandenburger Förderrichtlinie, sorgt auch der Kremmener Landwirt Malte Voigts für blühenden Landschaften. 20 Hektar beackert er nur für Hummel, Hase und Co. "Das ist ein erfreulicher Anblick", sagt Voigts. Er gehört zu denjenigen, die die neue Förderung beantragt haben. "Ich finde das nicht zu kompliziert und halte es für eine sinnvolle Sache." Ein Aber schwingt bei Voigt dennoch mit. Dass nach fünf Jahren die Blühstreifen verschwinden müssen, "ist in der Tat dämlich". Man müsse den Landwirten schon ein bisschen mehr Verstand zutrauen, so Voigts. Reglementierungen an der falschen Stelle sorgten nur für Kopfschütteln über die Entscheider auf ihren Bürostühlen.