Wovon an diesem kühlen und windigen Donnerstagvormittag am Ufer des Stolpsees in Himmelpfort freilich nichts zu spüren ist. Rege Betriebsamkeit herrscht bei Naturpark-Fischer Klaus-Peter Gensch und seinem Team. Tausende winzige Glas-Aale im Wert von rund 20 000 Euro hatte Gensch am frühen Morgen in Brandenburg an der Havel erhalten – von Mitarbeitern der Fischereischutzgenossenschaft "Havel Brandenburg".
Drei Jahre alte Tiere
Wohl verpackt in Styropor-Kisten sind die Winzlinge. Eine stabile Temperatur kann dadurch gewährleistet werden. Am Ufer des Stolpsees wird die kostbare Fracht zügig entladen und mitsamt den Kisten zu einem langen und schmalen Boot gebracht. Eines, mit dem die Binnenfischerei professionell betrieben werden kann. Mehrere Helfer packen mit an, auch der Nachbar von Fischer Gensch lässt sich das Schauspiel nicht entgehen, Stolpsee-Bootshaus-Betreiber Thomas Weinreich. "Eigentlich will ich mit meinem Handy nur Aufnahmen für Facebook machen, aber ich helfe gerne auch mit", erklärt Weinreich und schnappt sich eine Kiste.
Fischer Mathias Winkler hat die Ruhe weg: "Der Besatz mit Glas-Aalen ist für uns Routine inzwischen", merkt er an. Auch Winkler ist gut verpackt. Er steckt in einer überdimensionalen wasserdichten Latzhose. Seit den 90er-Jahren arbeitet er bei Fischer Gensch. Ob an der Blumberger Mühle in Angermünde oder im Weihnachtsort.
Heute obliegt es ihm, mit dem Boot auf den See zu fahren und tausende Glas-Aale behutsam in den See gleiten zu lassen. "Damit die Tiere sofort in die Tiefe gelangen können", betont Klaus-Petere Gensch.  Man müsse sich das einmal vergegenwärtigen: "Von den zigtausenden Glas-Aalen, die jährlich auch in Brandenburg ausgesetzt werden, überleben höchstens fünf Prozent.
Gensch kennt sich gut aus. Als zertifizierter und vor allem ökologisch orientierter Naturpark-Fischer kann er ein Lied von den natürlichen Fressfeinden junger Aale singen. An erster Stelle ist neben Raubfischen und dem Kormoran der Mensch zu nennen. In Asien gelten Glas-Aale als Delikatesse.
Hitze-Sommer mit Folgen
Aber auch die viel zu heißen und trockenen Sommer der letzten beiden Jahre hätten insbesondere Fischen schwer zu schaffen gemacht. Mithin auch den Fischern. Weil die Wasserspiegel sinken und der Sauerstoffgehalt der Gewässer drastisch zurückgeht.
Beinahe ruiniert habe ihn, dass tonnenweise Jungstöre aus seiner Zucht an der Blumberger Mühle vergangenen Sommer verendeten, so Gensch. "Leider sind wir Fischer aber auf uns allein gestellt, was eine finanzielle Kompensation etwa wie in der Landwirtschaft betrifft", fügt er hinzu.  Umso mehr freut es den engagierten Fischer, dass Kollegen von Nachbargewässern, etwa in Lychen und Fürstenberg, beim Aussetzen der Glas-Aale mitmachen. Um den natürlichen Kreislauf zu erhalten. Gensch trägt seinerseits dazu bei, dass der Familienbetrieb, den er in der vierten Generation führt, eine Zukunft hat: Paul Klemer, der Sohn des Fischers, arbeitet bereits in der Firma mit. Wenngleich Paul heute nicht in See stechen wird. Das erledigt der "alte Hase", Mathias Winkler. Soeben hat er die Leinen losgemacht und am Bowdenzug des Motors kräftig gezogen.  Das Boot surrt leise los.

Aale verfügen über eine große Ausdauer


Der in hiesigen Gewässern lebende europäische Aal hält sich dort auf, wo Flüsse, Gräben und Bäche mit dem Atlantik verbunden sind.

Nach dem Verlassen der Süßgewässer, wenn sie zur Saragossa-See streben,  fressen Aale nicht mehr. Und nach der Ei- beziehungsweise Spermienabgabe sterben die Tiere.

Der eigentliche Laichvorgang wurde noch nicht beobachtet. pilz