„Wir wollen kein Straftäterheim“, „Straftäter rein, Gäste raus, Existenz weg!“ – Deutlich sichtbar machen einige Seilershofer ihrem Ärger über das Vorhaben des Vereins Gesellschaftliche Integration von Menschen mit Behinderungen (GIB) Luft.
14 Menschen mit straffälligem Hintergrund in dem 200Seelen-Dorf neben dem Kinderspielplatz, einer Gaststätte, dem Badestrand mit Campingplatz und Wohn- und Erholungsgrundstücken unterzubringen sei unverantwortlich, erneuerte Ortsvorsteher Jörn Preugschat auf Nachfrage seine Kritik. Er engagiert sich in der Interessengemeinschaft Seilershof. Ein Protest-Transparent hat er auch an seinen Zaun angebracht. „Welche Touristen werden dann zukünftig in Seilershof durch ständiges lautstarkes Gebärden und dauerhafte Geräuschemmissionen angelockt?“, fragt er. Passanten mit denen er zu dem Thema ins Gespräch gekommen sei, hätten ihn darin bestärkt, weiterzumachen, so Preugschat..
Dass die Seilershofer mit den Transparenten Sympathien gewinnen, glaubt der Vorstandsvorsitzende des GIB e.V., Erik Boehlke, indes nicht – im Gegenteil. „Damit manövrieren sie sich selbst ins Aus“, sagte er angesichts der neuen Protestwelle. Unter Umständen schadeten sie ihrem eigenem Dorf mit der Aktion ob deren Unsachlichkeit. „Ich habe mehrfach erklärt, dass das keine Straftäter sind“, sagte Boehlke mit Blick auf das Klientel des geplanten Wohnheims. Gleichwohl hatte er früher eingeräumt, dass einige Bewohner wegen geringfügiger Delikte strafrechtlich in Erscheinung getreten sind, aufgrund ihrer verminderten Intelligenz aber nicht strafmündig seien. Er begegne dem Protest jedenfalls gelassen. Das Projekt sei von den zuständigen Behörden einer umfangreichen Prüfung unterzogen worden. Der Landkreis gab grünes Licht, auch die Stadt Gransee befürwortet das Konzept. Die Bauvoranfrage sei immerhin erst nach anderthalbjähriger Abwägung positiv beschieden worden.
Wann mit dem Bau begonnen werden kann, hänge nun davon ab, wie zügig der Bauantrag genehmigt wird. Ende Juni ging er beim Landkreis ein. Das bestätigte Sprecherin Irina Schmidt. Boehlke zeigte sich flexibel. Liege die Baugehmigung zeitnah vor, werde noch vor dem Winter begonnen. Andernfalls falle der Startschuss im Frühjahr kommenden Jahres.
Klein beigeben wollen die Seilershofer bis dahin nicht. „Meiner Ansicht nach ist die Protestaktion und die Plakatierung erst der Anfang“, so Preugschat kämpferisch.