Am Ende war es eine Sache von etwa einer viertel Stunde. Am Donnerstagmorgen gegen 8 Uhr wurde die Turmspitze der Menzer Kirche per Kran in Richtung Erdboden bewegt, die Glocken gleich hinterher. Entsprechende Vorbereitungen waren bereits am Vortag erfolgt. „Das war Maßarbeit. Es hat wie am Schnürchen geklappt“, freut sich Pfarrer Mathias Wolf. Damit könne die eigentliche Sanierung der oberen zwei Etagen des Kirchturms nun beginnen.
Dessen komplexe Konstruktion hatte sich wie berichtet erheblich auf die Vorbereitungen und die Sanierung im Allgemeinen ausgewirkt: Im Inneren offenes Fachwerk, das den Glockenstuhl umgibt, gefolgt von dem maroden eingemauerten Fachwerk, außen noch eine dünne Ziegelmauer. „Es war ein langer Streit darum, wie kaputt es eigentlich ist“, erinnert sich Wolf. Seitens des Architekten wurde geraten, das Fachwerk großzügig auszuwechseln. Die Denkmalpflege bestand stattdessen darauf, behutsam Stück für Stück vorzugehen. Wegen des beengten Glockstuhls konnte das nur von außen geschehen. „Letztlich stellte sich aber heraus, dass es tatsächlich so vergammelt war, wie der Architekt vermutete“, so Wolf weiter. Die Denkmalpflege habe schließlich grünes Licht für das Auswechseln des Gebälks gegeben, mit der Maßgabe, es hinterher so einzumauern, wie es war.

Fachwerk wird ausgetauscht

Das Problem, so Wolf, was auch die denkmalrechtliche Erlaubnis nicht lösen konnte: Das Dach des Kirchturms ruhte nicht zuletzt auf der dünnen Außenmauer, die entfernt werden muss, wollen die Fachleute an die Balken ran. Allein das vergammelte Fachwerk hätte dem Druck aber wohl nicht standgehalten. Zwischenzeitlich ist laut Wolf die Baustelle sogar gesperrt worden, aus Sorge, die Holzkonstruktion könnte kollabieren und das Dach hinunterstürzen.
Nun sei der ursprüngliche Plan wieder aufgenommen worden. Ohne das Dach werden die oberen Etagen des Kirchturms zunächst zurückgebaut. Viele Balken werden ausgetauscht. „Aber was noch gut ist, wird wiederverwendet“, betont der Pfarrer. „Hinterher sieht es dann so aus wie vorher, nur das wir 360 000 Euro ausgegeben haben“, schiebt er mit einem Augenzwinkern hinterher. Gut, auf abgeblätterten Putz und fehlende Ziegel an der Außenseite müssen die Menzer künftig verzichten, aber das tun sie wohl gerne.

Baustart verzögerte sich mehrfach

Mit Prognosen zum zeitlichen Bauablauf möchte sich der Pfarrer, angesichts des langwierigen Genehmigungsverfahrens im Vorfeld, eher zurückhalten. Er weiß, dass auch viel schief gehen kann. Wiederholt mussten etwa Prognosen zum Baustart immer weiter nach hinten korrigiert werden. So war man in Menz schon im Frühjahr 2019 davon ausgegangen, bald die Bauleistungen ausschreiben zu können.
Aber Ende Oktober oder Anfang November soll das Dach dann wieder auf den Turm gesetzt werden. „Es wird schon kräftig gearbeitet“, sagte Wolf, den diese Zeitung am Donnerstagnachmittag zu den Arbeiten befragte, mit zuversichtlichem Unterton. „Die Jungs von der Baudenkmalpflege Prenzlau sind auch Profis, was solche Sanierungen und Kirchen betrifft.“ Daher könnten allerhöchstens unliebsame Überraschungen in der Bausubstanz das Vorhaben noch verzögern, wovon derzeit aber nicht ausgegangen wird, schließlich wurde alles detailliert untersucht.
Die Kirchturmspitze war es übrigens nicht allein, was am Donnerstagmorgen aus luftiger Höhe hinunterschwebte. Auch die Glocken wurden per Kran aus ihrem Stuhl gehoben. Eine soll zur Reparatur zu einer Fachfirma in die Niederlande transportiert werden. Aber auch um Baufreiheit im Inneren des Turms zu haben, musste das Geläut weichen.

Weitere Sanierungsarbeiten


Die Zifferblätter der Kirchturmuhr und eine historische Bronzeglocke will die Kirchengemeinde Menz im Zuge der Bauarbeiten am Kirchturm ebenfalls sanieren.

Da jene Dinge nach Überzeugung der Fördermittelgeber aber nicht zum Kirchturm sondern zum Inventar der Kirche zählen, kann dafür keine finanzielle Unterstützung von dieser Seite fließen. Die Gemeinde war daher auf Spenden angewiesen.

Dem buddhistische Institut Karma Tengyal Ling gebühre laut Pfarrer Mathias Wolf besonderer Dank, da dessen Mitglieder sich bereiterklärten, die gesamten Kosten für die Zifferblätter zu tragen und einen entsprechenden Betrag zu überweisen.

Übrige, für diesen Zweck eingegangene Spendengeldern wollte die Gemeinde daraufhin für die Bronzeglocke verwenden. Bei der Glocke sind Schweißarbeiten notwendig und es müssen Kronenhenkel nachgegossen und aufgeschweißt werden. Kostenpunkt: mehr als 4 500 Euro. red