Voraussichtlich noch in diesem Monat, spätestens aber Anfang November sollen die Arbeiten an der Westseite des Turms der Stadtkirche Fürstenberg abgeschlossen werden. Schon Ende August wurde dort ein Gerüst aufgebaut. Nachdem bei einer Begutachtung einige schadhafte Stellen im Traufbereich des Turms festgestellt worden waren, werden diese nun von Fachleuten ausgebessert. Durch Salzausblühungen waren schon früher einmal einzelne Steine abgefallen.

Detaillierte Diagnose mit Hilfe eines Restaurators gestellt

Der Diagnose vorausgegangen war eine ausführliche Begutachten des gesamten Turms. Dazu wurde ein Kran aufgefahren und eine Gondel dran gehängt. Mindestens ein Dutzend schadhafter Stellen konnte dabei lokalisiert werden. „Es sah sehr dramatisch aus“, so Holger John als Baubeauftragter für die Propstei Neustrelitz der evangelischen Kirche in Mecklenburg-Vorpommern nach der Vor-Ort-Begutachtung.

Zum Gerüst gab es keine Alternative

Eine Alternative zur Aufstellung eines Gerüstes erschien aufgrund der notwendigen Arbeiten als unrealistisch. Der Einsatz von Industriekletterern beispielsweise zur Ausbesserung der Schäden schied daher aus. Unter anderem werden abgesplitterte Ziegelsteine ersetzt, schadhafte Zierelemente ausgetauscht sowie diverse Steinzwischenräume neu verfugt. So wird diese Seite des Turms wieder optisch ansprechender aussehen. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde kommt damit aber auch ihrer Verkehrssicherungspflicht nach.

Viele Arbeiten werden gleich mit erledigt

Das Gerüst wird aber auch dazu genutzt, um andere Arbeiten an der Kirche gleich mit auszuführen. So wird ein Ziffernblatt der Kirchturmuhr abgenommen, weil die Farben abgeblättert sind. Die Spitzen der Ecktürmchen werden zudem neu mit Blei ausgelegt. „Es sind viele Kleinigkeiten zu machen“, so John. Das demontierte Ziffernblatt wird in einer Fachwerkstatt neu gestrichen und die Ziffern neu vergoldet.
Zu DDR-Zeiten fehlten Geld und Material, um sich der notwendigen Restaurierung zu widmen. Mit katastrophalen Folgen für das Mauerwerk der einzigartigen Backsteinkirche, in das Wasser eindringen konnte. Dadurch seien die Salze nach außen gedrückt worden. Selbst nach der Restaurierung Anfang der 1990er-Jahre konnte dieser Prozess nicht endgültig gestoppt werden. „Das Austrocknen dauert eben doch sehr lange“, führt John als Grund für den neuerlichen Reparaturbedarf an.

Salze drücken in den Steinen nach außen

„Die Salze werden nach außen gedrückt, es kommt zu Ausblühungen, zum Kristallisieren. Das führte in der Folge zu den Absprengungen an den Formsteinen. Wir hoffen, dass dieser Prozess aufhören wird“, verbindet John mit der Reparatur die Hoffnung, dass die Arbeiten jetzt den gewünschten Erfolg für viele Jahre haben werde. Deshalb finden die Arbeiten auch unter der Aufsicht des Restaurators Andreas Starke statt. Darüber hinaus müssen Gerüstbauer, Maurer und Klempner beschäftigt werden. Das summiert sich auf zirka 45.000 Euro. Kosten, die sich mehrere Parteien teilen. Zum einen gebe es dafür Patronatsmittel aus Brandenburg, aber auch die Nordkirche, zu der die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Fürstenberg gehört, der Kirchenkreis Mecklenburg und Eigenmittel der Kirchengemeinde.
Die Stadtkirche Fürstenberg ist ein kreuzförmiger Backsteinbau, der in den Jahren 1845 bis 1848 in einem italianisierenden Rundbogenstil durch den Schinkel-Schüler Friedrich Wilhelm Buttel errichtet wurde.