Die gedankenschwere, ausweglose, recht deprimierende Geschichte – die heute genauso passieren könnte – ist schnell erzählt: Während der Inflation im Deutschen Reich will ein Kunsthändler einem alten Kunden „alte Meister“ zu günstigen Kursen abgaunern. Der Sammler, ein erblindeter Forstrat, freut sich über den Besuch, um endlich einem Kenner seine wertvolle Sammlung zeigen zu können. Doch es herrscht Inflation, und Mutter und Tochter haben aus Überlebensnot bereits alle Bilder vertickt, sich dabei von Kunsthändlern über den Tisch ziehen lassen; statt echter „alter Meister“ stecken in den Passepartouts nur ausgeblichene schäbige Reproduktionen. Sie beichten dem Kunsthändler ihren Frevel, bitten ihn mitzuspielen. Das funktioniert aber nur, weil der alte Kunstsammler blind ist. Ein raffinierter Kunstgriff des österreichischen Dichters, der dadurch der Novelle einen ungeahnten „Dreh“ gibt: Der kapitalistisch denkende Kunsthändler entdeckt in sich menschliche Züge, macht den Betrug mit und verlässt den Sammler als „glücklicher Mensch“.
Eine Moral der Geschichte gibt Zweig dem Leser nicht mit – es ließen sich aber einige aus der über 90 Jahre alten Kurzgeschichte ziehen.  Die Novelle sei ihr von einer Dramaturgin am Berner Theater empfohlen worden, sagte Katharina Matz nach der Lesung. Die Schauspielerin unterstütze, so berichtet es Jana Grubert und Johanna Paliege vom Traumschüff, das Projekt des Theaterschiffs sehr, so sei auch der Auftritt in Zehdenick zustande gekommen. Und so wie laut dem römischen Dichter Horaz der erste griechische Tragödiendichter Thespis mit einem Karren seine Stücke unter das Volk brachte, so reist die Truppe vom Traumschüff mit einem Katamaran und zwei Mal 25 PS auf der Havel kreuz und quer durch Brandenburg, legt wie jetzt in Zehdenick an. Jana Grubert und Johanna Paliege stellten nach der Lesung den Zuschauern ihr Boot – ihr Zuhause und ihr Theater – vor. Grubert hat im April den Bootsführerschein gemacht und steuert den zwölf Meter langen Katamaran mit Hilfe zweier erfahrener Skipper. Eine der wichtigsten Antreiberinnen des Projektes sei die Oma des Vorstandsvorsitzenden David Schellenberg gewesen. Ihr zu Ehren heißt das Schiff nun „Genossin Rosi“. Die „Genossin Rosi“ nimmt am Wochenende Kurs auf den Ziegeleipark Mildenberg und führt dort am heutigen Sonnabend, 7. Juli, um 16.30 Uhr die Eigenproduktion „Bibergeil“ von Nikola Schmidt auf. Wie (fast) immer bei Gastspielen des Traumschüff, ist der Eintritt frei, allerdings werden Spenden erbeten.