Wenn Vorurteile überwiegen – oft aus Stress und Unruhe geboren – leidet die Gemeinschaft. Diese Erfahrung machten Schüler an Schulen auch im Land Brandenburg in jüngerer Vergangenheit. So auch an der Drei-Seen-Grundschule in Fürstenberg.
Kinder, Eltern, Lehrer, die Schulleitung, die Vertreter des Fördervereins für die Kindereinrichtungen im Fürstenberger Seenland waren alarmiert. Die Runde machte eine Idee, ein Projekt im Sinne von Toleranz und eines friedlichen Miteinanders zu organisieren.

Vielfalt positiv betrachten

Schon im vergangenen März sollte es stattfinden – Corona machte den Bemühungen einen Strich durch die Rechnung.
Jetzt ist es aber soweit. Am 26. Oktober beginnt die sorgfältig vorbereitete Projektwoche unter dem Titel: „Gemeinsam sind wir vielfältig“ und mit wesentlicher Unterstützung des Landkreises Oberhavel und seines Bildungskoordinators. Ziel des Projektes ist nach den Worten der Sprecherin des Landkreises, Ivonne Pelz, der Abbau von Spannungen und Vorurteilen gegenüber geflüchteten Kindern sowie die Schaffung eines friedlichen Miteinanders und eines wertschätzenden Umgangs miteinander. Angeregt hatte das Projekt nach ihren Worten der Bildungskoordinator des Landkreises, ebenso wurde es vom ihm federführend organisiert. Die Finanzierung hat ebenfalls der Landkreis übernommen.
„Hintergrund sind Auseinandersetzungen zwischen geflüchteten und einheimischen Schülerinnen und Schülern in der Vergangenheit“, heißt es vom Landkreis Oberhavel. Wichtig für das Verständnis der Situation: Diese gingen von beiden Seiten aus.

Eltern werden einbezogen

Projekttage in den Klassen sollen stattfinden, unter anderem zu den Themen „Wer bin ich? Wer bist du?“. Der Fokus liegt an diesen Tagen auf den Themenfeldern Identität, Gemeinsamkeit und Unterschiedlichkeit. Doch damit nicht genug: Besprochen werden auch Kinderrechte sowie Diskriminierung und die Folgen von Ausgrenzung aus Angst und Unwissenheit. „Dabei sollen auch Impulse für eine respektvolle Kommunikation untereinander gegeben werden“, betont die Kreissprecherin. Nicht zuletzt gehöre dazu beispielsweise eine gewaltfreie Sprache.
Wichtig auch: Nichts wird über einen Kamm geschert. Je nach Klasse und den jeweiligen Bedarfen können die Inhalte angepasst werden, so dass auch ein Eingehen auf aktuelle Situationen möglich bleibt. Zum Programm gehört auch eine Weiterbildung für die Lehrkräfte, heißt es vom Landkreis. Die Eltern würden in Form von Informationsabenden eingebunden. Was bereits am 28. September geschah, im Sinne einer sorgfältigen Vorbereitung: Ein Elterninfoabend fand statt.

Experten mit an Bord

Zwei Vereine, die sich auf derlei Konfliktfelder spezialisiert haben, konnten gewonnen werden, die Projekttage für die Kinder zu einem Gewinn zu machen: der Narud e.V. und der Loewenherz e. V.. Loewenherz wurde 2006 ursprünglich für Projekte in Äthiopien ins Leben gerufen. Seinerzeit ging es faktisch um das Überleben: nämlich um Umweltschutz und Nahrungssicherung. Unter anderem in Deutschland rückten andere Probleme in den Fokus: In Anbetracht des demografischen und klimatischen Wandels zielt der Verein nach eigener Aussage auf die Förderung von Projekten zur Entwicklung eines Verständnisses von Nachhaltigkeit. „Nachhaltig zu denken und zu wirtschaften durch effiziente und nachhaltige Ressourcennutzung soll auf die ländliche Transformation übertragen werden“, heißt es in einer Stellungnahme von Loewenherz. In diesem Sinne werden integrative, entwicklungspolitische Bildungs- und Informationsveranstaltungen organisiert.
Das Projekt „Gemeinsam sind wir vielfältig“ wird von dem Loewenherz-Experten Dr. Ermyas Mulugeta bereichert. Für den Verein Narud ist Marieke Schippert dabei. Narud eine seit 2005 tätige Körperschaft, die sich als migrantisch-diasporisch bezeichnet. Der Vorstand und die Geschäftsführung setzen sich vollständig aus Zuwanderern aus Afrika zusammen.

Loewenherz und Narud


– Narud ist eine Abkürzung, die für Network African Rural and Urban Development steht, zu Deutsch: Netzwerk Afrikanische ländliche und städtische Entwicklung.

– Nicht allein die Förderung und sogenannte Selbstermächtigung von Menschen in den afrikanisch-migrantischen Communities etwa in Deutschland steht im Mittelpunkt der Vereinsarbeit. Die Öffnung der Zivilgesellschaft für den interkulturellen Dialog soll gefördert werden, ebenso soll afrikanische Kultur vermittelt werden.

– Der Verein Loewenherz strebt mehr Nachahltigkeit in der Gesellschaft an – in Anbetracht des demografischen und klimatischen Wandels. Nachhaltig zu denken und zu wirtschaften durch effiziente und nachhaltige Ressourcennutzung stehen im Mittelpunkt.