Rund einhundert Neugierige
Elegant schwang sich RBB-Moderator Michael Scheibe aus dem Bus und begrüßte die mehr als hundert Neugierigen. Scheibe hatte sich gut präpariert, ließ alle Beteiligten ausführlichst zu Wort kommen. Und so prallte bald die formale Welt der Verwaltung auf die Welt der Betroffenheit, was Amtsdirektor Frank Stege mit einem   – in diesem Zusammenhang missverständlichen  – Statement klarmachen wollte: "Wenn eine Frau bei einer Fernseh-Diskussion sagt, ‚ich habe Angst‘, schwenken sofort alle Kameras auf sie, eine sachliche Argumentation ist dann nicht mehr möglich." Als erste meldete sich BI-Sprecherin Dr. Martina Bauchrowitz zu Wort: "Wir sind für ein Baugebiet, aber in Maßen." Sie möchte den dörflichen Charakter erhalten, doch bei der bestehenden Planung entstehe eine "Stadt im Dorf". Gestärkt sieht sich die BI im Rückhalt bei den Bewohnern, sie habe in kurzer Zeit mehr als 70 Unterschriften – bei 126 Einwohnern in Dagow – gegen die Planung gesammelt. Thomas Fock von der Erbengemeinschaft wies auf seine tiefe Verwurzelung mit Dagow hin, die Familie habe in über einhundert Jahren zwei Förster gestellt. Das Grundstück habe seine Familie 1997 zurückgekauft: "Es ist unser Grundstück, wir werden es Schritt für Schritt entwickeln." Er wundere sich über den Widerstand, denn als das Verfahren vor zwei Jahren in Gang gekommen sei, sei alles ruhig geblieben. Dem hielt die BI-Sprecherin entgegen, dass bei der Sitzung nur zwei Personen anwesend gewesen seien. Sie monierte die fehlende Transparenz des Verfahrens, vermutete gar eine Absicht der Verwaltung dahinter. Erst auf der Gemeinderatsitzung am 1. Juli 2020 habe man erfahren, dass beide Bauprojekte zusammengefasst worden seien. "Da sind wir alle vom Stuhl gefallen." Der Amtsdirektor verwies auf die formalen Vorschriften. Das Amt habe die Verpflichtung, die gesamte Gemeinde zu entwickeln, dazu gehöre es auch, die Kosten in Grenzen zu halten. Deshalb habe man die beiden Projekte – Wohnhäuser und Ferienhäuser – aus Synergiegründen zusammengelegt. Eine fehlende Transparenz mochte der Amtsdirektor nicht erkennen. Befürworter des Projekts sahen darin eine Chance, das Dorf zu entwickeln, Wohnraum für junge Familien zu schaffen, einen Kinderspielplatz zu bauen, während Gegner Autoströme befürchten und Baulärm.
Anstoß für eine Lösung
Gesendet wird der Beitrag am heutigen Sonnabend ab 19.30 Uhr in "Brandenburg aktuell" des RBB. Nach zwei Stunden Diskussion um die Zukunft in Dagow fasste Bauherr Thomas Fock die Situation zusammen: "Eine Fernseh-Diskussion ist wohl nicht der richtige Rahmen, aber wohl die beste Plattform, um eine Lösung anzustoßen."