Komödie über Spießertum
Der Täter drückt einem Diener ein Pamphlet in die Hand: "Frei die Gewissen! Frei die Rede! Auf du mein deutsches Volk! Hasse, morde alle, die sich in frevler mutwilliger Gesinnung so sehr überheben, dass sie des Göttlichen in dir vergessen." Das Attentat auf den weltoffenen Schriftsteller erregte Aufsehen in ganz Europa und gilt als erster politischer Mord. Schon zuvor waren seine Schriften und Komödien Ziel von Verfolgung, sie kamen häufiger auf die Bühnen als die zeitgleichen Goethes und Schillers. 1817 wurden Kotzebues Bücher symbolisch auf dem Wartburgfest verbrannt. Als Kosmopolit war ihm die deutschtümelnde Kraftmeierei der Studenten und Turnvereine ein Gräuel.
Diesen fast vergessenen Komödienschreiber brachte das Theater 89 am vergangenen Freitag auf die selbst gezimmerte Bühne im Granseer Klosterhof. "Die deutschen Kleinstädter" heißt Kotzebues Lustspiel, vier Akte in zwei Teilen zu je 90 Minuten.
Sie erschienen zunächst als harte Kost. Zumal die Sprache auch 200 Jahre auf dem Buckel hat. Wer versteht schon auf Anhieb die Verwandschaftsbeziehungen von "Oheim", der "Muhme", oder den Satz "habe ihn als Schwiegersohn erkieset".
Die Handlung ist klassisch: Sabine, junge Frau aus Bürgermeisters gutem Hause, muss verheiratet werden. Doch sie will den Bau-, Berg- und Weginspektorensubstitut Sperling nicht. Weil sie in ihrem – man muss es wohl Freiheitsjahr nennen – in der Residenzstadt einen andern kennen- und lieben gelernt hat. Nun wird es fast aktuell: Die Stadt Krähwinkel lässt ihre Straßen verlottern, denn jeder Kutschenunfall ist ein Gewinn für die örtlichen Handwerker, kassiert aber ein deftiges Wegegeld. Die Straßenlaternen werden nach dem Mondkalender angezündet. Geht der Mond laut Kalender um 5 Uhr auf, Pech gehabt. Kommt einem irgendwie schon bekannt vor.
Happy End im Klosterhof
Komödien ziehen ihren Humor aus dem Missverstehen der Pro­tagonisten auf der Bühne, während der Zuschauer im Saal bereits mehr weiß, so auch in "Die deutschen Kleinstädter". Dass der im Steinbruch Verunfallte nicht der König ist, wie Sabine vorgibt, sondern ihr Schwarm aus der Residenzstadt, zieht eine Kette von Missverständnissen nach sich.
Dabei skizziert Kotzebue die Bewohner seines Städtchens Krähwinkel als zutiefst spießig. Der Mann aus der Residenz besitze keine Sitten, krümele das Brot zu Kugeln, kleckere den Wein auf die Damastdecke, begrüße die Herrschaften nicht mit ihren Titeln, sondern nenne sie "Madame", bemäkeln die Verwandten.
Natürlich wird am Ende alles gut, Sabine bekommt ihren Schwarm aus der Residenzstadt mit dem Segen der Familie.

Denkmal des Monats in Gransee

Im Jahr 2019 schaut die Arbeitsgemeinschaft unter dem Motto "Stadtwärts! Zu Gast in der Mark" auf jene historische Stadtkerne und Denkmale, die Orte der Gastfreundschaft, Orte der Mobilität und Orte der Kommunikation darstellen.

Das Ruppiner Tor wurde am Freitag zum Denkmal des Monats erklärt. Eine Ausstellung widmet sich dem Wahrzeichen.

Die Vielfalt kultureller Tradition sei durch das Denkmal erlebbar, es stärkt die Verbundenheit der Bürger. red