Das Aufatmen dürfte wohl bis ins benachbarte Tornow zu vernehmen gewesen sein: Der Tierschutzverein Oberhavel muss nicht um seine kürzlich gewonnene Futtermittelspende bangen. Der Europäische Tierschutzverband hat zugesichert, trotz der zweiten Corona-Welle und des Lockdowns in zahlreichen europäischen Staaten würden das Futter sowie andere benötigte Hilfsmittel für die Versorgung in Not geratener Tiere ausgeliefert werden. Wie in den Vorjahren pünktlich im Januar, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes.
Ellen Schütze, die Vorsitzende des Tierschutzvereins ist froh darüber. Alles andere wäre eine zusätzliche Erschwerung gewesen, die nicht leicht zu bewältigen sein würde.
Vor allem zeichnet sich die aktuelle Situation in der Pandemie dadurch aus, dass paradoxerweise die Nachfrage nach Hunden zugenommen hat, berichtet die Vorsitzende des Vereins. Andererseits war der Aufwind bei der Nachfrager lediglich ein Strohfeuer.

Manche Hunde sind verhaltensauffällig

Viele Leute, die erst in Quarantäne oder seit März im Homeoffice arbeiten und ihrer Familie, speziell den zu Hause ausharrenden Kindern, etwas Gutes tun wollten, hatten gar kein Verständnis für Hunde. Es habe sich gezeigt, dass sie zwar Tiere haben wollten, die kuschelig sind, aber keineswegs verstehen, dass diese Lebewesen eine eigene Persönlichkeit und daher Zuwendung benötigten. „Inzwischen haben wir einen sogenannten Interessenten-Fragebogen, der erst mal ausgefüllt werden muss“, erklärt Ellen Schütze. Falls aus ihm hervorgeht, dass es ein weitergehendes Interesse gibt, kommt es zu einer Einladung ins Tierheim. Dort entscheide die Chemie, ob ein Vierbeiner abgegeben wird. „Wenn wir mitbekommen, das klappt nicht mit dem Hund, reden wir mit dem Interessenten und schlagen ihm vor, sich das noch einmal genau zu überlegen“, so die Tierschützerin.

Hunde haben eine Persönlichkeit

25 Hunde warten in Tornow zurzeit auf ein neues Zuhause. „Vor allem sind das Tiere, die ältere Halter aus gesundheitlichen Gründen abgeben mussten“, erläutert sie. Einige Tiere seien inzwischen auch verhaltensauffällig. „Wir haben etwa einen Hund, der seine Halter anknurrte“, berichtet Ellen Schütze.
Sie geht mittlerweile davon aus, dass der Ausnahmezustand noch eine ganze Weile andauern werde, „und dass die Tendenz zum Homeoffice geht“, meint Schütze, im Hauptberuf Rechtsanwältin. Was bedeute, es könnte sein, dass wieder vermehrt der Wunsch nach einem Tier in den eigenen vier Wänden an Bedeutung gewinnt. Für die Weihnachtszeit hat der Verein schon einmal klare Vorstellungen: Sobald die Tierschützer spüren, dass das Interesse nur oberflächlich ist und die Tiere nach dem Weihnachtsfest einen neuen Leidensweg beschreiten könnten, wird die Abgabe an die Interessenten abgelehnt.

Fundhunde im Tierheim


Der Hund auf dem oben befindlichen Foto ist eine junge Dame und von der Rasse her ein belgischer Schäferhund-Mix.

Sie heißt Jessie und inzwischen etwas über drei Jahre alt.

Mit Männern, heißt es, habe Jessie schlechte Erfahrung gemacht. Daher dauert die Gewöhnung etwas, außerdem ist der Hund sehr aktiv, aber außerordentlich lieb und dankbar für jede Zuwendung, betont Ellen Schütze, die Vorsitzende des Vereins.