Blühende Landschaften im Sinne von Helmut Kohl, auf die können die Blumenower in nächster Zeit hoffen, vielleicht schon ab dem Frühling 2021: Friedrich von Schönfels, andernorts häufig gescholtener Agrar-Industrieller, plant für das Gelände des früheren Landwirtschafts-Gutes in Blumenow ein Tourismusprojekt. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt hatte er bereits in den vergangenen drei Jahren viele Umbauten an dem alten Gemäuer im Sinne von komfortablen Ferienwohnungen vornehmen lassen. Pläne dafür gingen auch über den Tisch des Bauausschusses. Nun ist er an die Stadt Fürstenberg mit einer Idee herangetreten, die gleichsam das i-Tüpfelchen all seiner Bemühungen darstellt: sechs sogenannte Schäferkarren (als Ferienhäuser) und einen Saunawagen will er auf dem Gutshof errichten lassen – vornehmlich für Radtouristen, sprich für Leute, die spontan, flexibel in den Ansprüchen oder finanziell nicht auf Rosen gebettet sind.
Der Bauausschuss des Stadtparlaments beriet das Thema während seiner Sitzung am Donnerstagabend. Am Ende mit einer einstimmigen Empfehlung an das Stadtparlament, dem Vorhaben wohlwollend das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen.

Antrag auf Vorbescheid

Aus Sorge, ob die fernen Fürstenberger nicht etwa quer schießen würden bei dem Vorhaben, nahmen einige Blumenower an der Sitzung teil, um ihrem Wunsch Nachdruck zu verleihen, dem Ferien-Projekt aufgeschlossen gegenüber zu sein. Es waren nicht irgendwelche Blumenower: Unter anderem ergriff Eberhard Otto das Wort, langjähriger Bürgermeister und Ortsvorsteher in dem Dorf, und es votierte Heidi Warnke dafür, die Erste Frau in Blumenow vor der Ära Otto.
Stefan Kadatz, der Bauamtsleiter in Fürstenberg, erläuterte eingangs die Pläne von Schönfels‘. Es geht nach seinen Worten lediglich darum, einen Antrag auf Vorbescheid abzuwägen. Knifflige Fragen wären, dass im Grunde gar keine Baugenehmigung vonnöten wäre, weil die Schäferkarren, sprich Bauwagen, und auch der Saunawagen mobil seien, freilich einen festen Standort erhielten. Weiteres Problem: Bei dem Areal, wo die Wagen-Gruppe dauerhaft geparkt werden soll, handelt es sich um den Außenbereich, es gebe auch keine Option, das Vorhaben als privilegiert zu betrachten.
Im Grunde handele es sich um ein sehr kleines Vorhaben, wobei es der Gemeinde immer noch möglich wäre, eine Bauleitplanung dafür erarbeiten zu lassen. Allerdings mit den üblicherweise zu erwartenden Konsequenzen, dass erst Träger der öffentlichen Belange und Bürger um ihre Einschätzung gebeten werden.
Für das Vorhaben spricht nach den Worten des Bauamtsleiters die offensichtliche Konsequenz und Ernsthaftigkeit, mit der der Vorhabenträger es betreibt: Von Schönfels habe über seine Pläne bereits mit dem Tourismusverband gesprochen, überdies erwarte er Leader Fördermittel, also eine Unterstützung der Europäischen Union dafür. Ebenso befürworte der Landkreis, immerhin die Baugenehmigungsbehörde, das Ansinnen des Investors.

Unterkünfte für Radtouristen

Drei Arbeitsplätze will Friedrich von Schönfels schaffen, einstellen wolle er drei Blumenower. Nicht unwichtig außerdem: Der Agrar-Experte aus Schleswig-Holstein hat der Kommune angeboten, sein gesamtes Vorhaben in Blumenow einmal bei einem Vor-Ort-Termin zu präsentieren. Was laut Kadatz bedeutet: Bürgermeister Robert Philipp (parteilos) und der Bauamtsleiter könnten sich das Projekt anschauen, dann aber auch das Stadtparlament, falls gewünscht sowie möglicherweise die Einheimischen.
Blumenower ergriffen nun das Wort und äußerten ihre große Zufriedenheit mit dem Vorhaben. „Das ist Gesprächsstoff bei uns im Dorf, und wir können sagen, das kommt sehr gut an“, so der Tenor. Der Investor schaffe mit dem Ferienparadies ein attraktives Kommunikationszentrum auch für die Dörfler, das Ganze sei durchaus erweiterbar und sogar eine Gaststätte sei vorstellbar.
„Das alte, heruntergekommene Gut umzuwandeln in einen Ferienbetrieb, das ist schon ein großes Bauvorhaben, und ich muss sagen, wir alle freuen uns sehr darüber“, betonte Eberhard Otto. Eine Belebung der Ortschaft werde damit einhergehen, „denn es geht doch darum, etwas aus unserem Dorf zu machen“, betonte der Ortsvorsteher mit Verweis auf die vielen Radfahrer-Kolonnen, die in den Sommermonaten durch das Dorf fahren würden. „Und es gibt viele von denen, die spontan in einer Gaststätte einkehren wollen“, berichtet der Ortsvorsteher, für den die Schäferkarren eine reizvolle Ergänzung des gesamten Vorhabens darstellen.

Breite Zustimmung

„Was wäre die Alternative?“ fragte Otto rhetorisch: „Würde von Schönfels nichts unternehmen, dann hätten wir eine große Ruine mit Schutthaufen.“ Heidi Warnke betonte, seit 45 Jahren lebe sie nun schon in Blumenow, niemals hätte sie gedacht oder sich träumen lassen, „dass der Gutshof so schön aussehen kann“.
Ausschussmitglied Andreas Intress (Die Linke) warnte davor, bei der Beurteilung solcher Vorhaben mit zweierelei Maß zu messen: Kürzlich sei ein kleines Ferienhaus-Vorhaben im Tornower Außenbereich vom Parlament abgelehnt worden, außerdem habe man im Vorfeld der Entscheidung dafür plädiert, in Tornow einen Bebauungsplan zu erarbeiten.
Manfred Saborowski (Die Linke) erklärte, solch einem Projekt müsse man ganz einfach zustimmen, da werde etwas in einem kleinen Dorf für das Dorf unternommen, dagegen könne man nicht sein. Dem pflichtete Ausschuss-Chef Thomas Burmann bei: „Das bringt den Ort voran, erfreulich“, betonte er. Zumal in den vergangenen 30 Jahren so viel gute Ideen und Projekte aufgrund der immer komplizierter werdenden Bauvorschriften nicht in Angriff genommen wurden. Man könne nur für das Blumenower Vorhaben sein. Einstimmig votierten die Ausschuss-Mitglieder für das Vorhaben.

Blumenower Geschichte


Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte im Jahr 1309. Damals gehörte die Gegend zu Mecklenburg. Von 1352 bis 1471 gehörte der Ort der mecklenburgischen Nebenlinie Stargard.

Seit 1701 gehörte Blumenow zum Strelitzschen Teil Mecklenburgs. Nach dem Einzug der letzten verbliebenen Bauernstellen im Jahr 1796 war Blumenow ein typisches mecklenburgisches Gutsdorf.

Im Jahr 1812 wird das Blumenower Vorwerk vom Hauptgut getrennt und 1813 als selbständiges Rittergut in Mecklenburg-Strelitz geführt, daraus wurde Boltenhof.

Sehenswert ist das Blumenower Storchennest, welches sich zu einem beliebten Naturwahrzeichen entwickelt hat. Es entstand in den 1950er Jahren und befindet sich auf der Esse der einstigen Kartoffel- und Getreidebrennerei des damaligen volkseigenen Gutes. Es wiegt inzwischen über zehn Zentner, besitzt einen ungefähren Durchmesser von zwei Metern bei einer Höhe von ca. 1,60 Meter. (Quelle Wikipedia)