Sie standen den Besuchern Rede und Antwort zu ihren ungewöhnlich erscheinenden Grafiken und Büchern, die vor allem eines eint: Die Vorlagen entstehen nie am Computer, sondern aus vorhandenen alten Lettern aus Blei oder Holz. Auch Zufallsfunde, bearbeitet und mit Tinte beschichtet, dienen als Grundlage für den Druckprozess.
Ansonsten aber könnten die Resultate nicht unterschiedlicher sein. So sind verschiedenformatige Taschenkalender ebenso zu sehen wie Heiratseinladungen und Plakate für Ausstellungseröffnungen. Abwechslungsreich und experimentell sind auch die Bücher, die im Laufe der 40 Jahre entstanden sind. Verspielt, so wie die meisten ausgestellten Objekte, kann man einige aufklappen, anders und neu zusammenfalten und damit auch zu immer anderen Wahrnehmungen kommen. Eines der Bücher ist sogar dafür gedacht, wie eine Krone aufgesetzt zu werden - was Ester K. Smith auch gern zur Erklärung tut. Sie selbst ist auch Autorin und hat zwei Bücher über das Bücher-Machen geschrieben: "Making books with kids" (zu deutsch "Büchermachen mit Kindern") ist von einer Ausbildungskommission in den Vereinigten Staaten als Buch des Jahres prämiert worden. Erhältlich sind Smith' Bücher derzeit nur auf Englisch.
Wie kommen nun zwei amerikanische Künstler ausgerechnet nach Gransee? Vor 22 Jahren, als Marc Berger als Tourist in New York war, war er auch als Besucher auf einer Messe. Der gelernte Drucker sei, wie er am Sonnabend sagte, entsetzt gewesen über das schlechte handwerkliche Niveau - aber entzückt von dem, was die "Purgatory Pie Press" zeigte. Und Ester Smith erinnerte sich, wie Berger ganz intensiv eines der Bücher durchlas. Man blieb in Kontakt. Im vergangenen Jahr fragte die Amerikaner an, ob Berger etwas wüsste, wo sie anlässlich des 40-jährigen Bestehens in Deutschland ausstellen könnten. Und Berger bot ihnen sein Granseer Refugium an.
Einige Tage noch werden die beiden Amerikaner in Deutschland sein, wollen in Berlin und Leipzig Ausstellungen besuchen und an Workshops teilnehmen. Mit Lehrveranstaltungen verdienen beide in Amerika einen wichtigen Teil ihres Lebensunterhaltes. Mit dem Verlag, der eben jene außergewöhnlichen Bücher und Grafiken in limitierter Stückzahl fertigt, ist nicht viel zu verdienen. "Wir machen dort, was uns wichtig ist", sagt Ester K. Smith. Es dient auch der Bewahrung der Druck-Tradition, die die Entwicklung - jedenfalls als Massenphänomen - hinter sich gelassen hat.