Beerdigen wir gleich am Anfang ein Gerücht: Männer können nicht putzen. Wenn Frau Mann am Sonnabend auf dem Tunertreff im Garten des Havelschlosses beobachtete, dann konnte sie sogar feststellen, wie liebevoll und sorgfältig Mann sein bestes tiefer gelegtes Stück auf vier breiten Reifen blankwienerte.
Das idyllisch an der Havel gelegene Restaurant gab die ideale Kulisse für das Treffen der geballten PS-Kompetenz ab. Bei den Gesprächen auf der Wiese ging es ums Tieferlegen, Ersatzteilfragen oder einfach auf nur um "Hey, schön dich wieder zu sehen". Genau das wollten die beiden Organisatoren von "DeepOne2020", Sascha Kilian und Christopher Szary, erreichen. "Uns ging es darum, nach der langen Corona-Durststrecke die Fans und Tunerfreunde wieder einmal zusammenzubringen." So haben sie im Internet zum Treffen aufgerufen und 120 hochwertige Fahrzeuge ausgewählt, wie sie erzählen. "Uns ging es nicht um PS-Stärke und spektakuläre Autos, wir wollten eigentlich nur ein Treffen".

Golf, Audi und Dodge

Beim Rundgang über die Wiese fielen dann schon Grüppchen auf. Die Audis standen zusammen, ebenfalls die Autos, die einer ganzen Generation ihren Namen gegeben haben: Die Golf-Generation. Ständig umlagert war der A6 von Sven aus Frankfurt (Oder) der tatsächlich noch einige ursprüngliche Originalteile besaß. Sven hat ihn trotz seiner Behinderung – ihm fehlen die Beine – komplett alleine umgebaut. Die linke Seitentür lässt sich nun schieben, eine spezielle Vorrichtung nimmt seinen Rollstuhl auf und verstaut ihn im Fond; sehr viele Teile hat er mit Karbon behandelt, so auch die Parkscheibe. Selbstverständlich besitzt das Kraftpaket von 420 PS ein Luftfahrwerk, am Sonnabend lag es fast auf der Wiese. Schon mal ausgereizt? Sven lächelt: "Natürlich".
Ein paar Reifenlängen weiter steht Betty aus Königswusterhausen vor ihrem amerikanischen Challenger, ein tiefgrünes Geschoss von fast sieben Meter Länge. Die 6,4 Liter Hubraum ziehen zwischen 12 und 15 Liter Super rein – je nach Fahrweise. Und wie beantwortete man bei Rolls Royce einst die Frage nach den PS? "Genug". Betty verrät mehr: 492 PS. Also etwa so viele wie unter der Fahrerkabine eines Lkw ihren Dienst verrichten. Sie schwärmt von den amerikanischen Straßenkreuzern aus den 50ern und 60ern, wollte sich einen Challenger aus den 70ern kaufen, doch ihr Mann ließ sie nicht mit der Begründung: Der hat keinen Airbag. Also besorgte sie sich einen nagelneuen. Sie habe eine Liebe zum Auto, besonders zu den wuchtigen, betont aber, "das ist ein Gebrauchsgegenstand, mit dem ich täglich zur Arbeit fahre". Ironischerweise nutze ihr Mann ein Elektroauto. "Das ist nix für mich, das macht ja nur bssss."

Skeptisch bei E-Autos

Die Frage nach dem elektrischen Antrieb ist auf einem solchen Treffen so wie die Frage "warum soll ich die SPD wählen?" auf einem CDU-Parteitag. Aber die Jungs und Mädels sind auskunftsfreudig. Einer ist schon einen Strom-Mercedes gefahren. "Bis hundert Stundenkilometer geht es, aber dann...". Ein anderer schwärmt vom Tempo beim Starten, aber selbst einen fahren? "Nee, doch lieber nicht". Andere stören sich an der geringen Leistung und Entfernung, die solche E-Autos zurücklegen. "Damit komme ich ja noch nicht mal bis zur Ostsee" – "ja, so wie du fährst". Ein wenig verloren zwischen dem glänzenden Lack steht ein Trabbi, der Thomas aus Panketal gehört. "Trabbi fahren ist Entschleunigung pur", schwärmt er. Nach einem stressigen Tag gebe es nichts Schöneres. Sein Trabant 601 ist von 1982, Thomas hat ihm einen Wartburg-Motor mit 50 PS spendiert und das Gefährt tiefer gelegt. Ein Hingucker sind die 17-Zoll-Felgen von einem Mercedes. Er versichert, dass die Farbe original sei "mit Patina".