"Wir sagen, wo der Schreiadler vorkommt, ist die Welt noch in Ordnung", so Tilmann Disselhoff, zweiter Vorsitzender des Granseer Nabu. Doch die Vögel seien gefährdet. Sie leiden unter sich verschlechternden Bedingungen der Brutwälder und ihrer Jagdreviere in angrenzenden Offenlandflächen,  durch die sich intensivierende Landnutzung, wie etwa den großflächigen Spargelanbau unter Folie, den Anbau von Mais und Raps anstelle von Getreide und den Umbruch von Grünland und den so verursachten Verlust von Brachen. Auch das Austrocknen von Kleingewässern mitsamt des umliegenden Feuchtgrünlands verringert das Nahrungsangebot der Adler, hat der Nabu allerlei Bedrohungen identifiziert.
Ein Brutpaar im Naturpark
Wie selten die Vögel sind, verdeutlichte jüngst auch der Brutbericht des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land, wonach im Naturpark im vergangenen Jahr lediglich ein Brutpaar gezählt wurde.  Auch wenn die Naturparkflächen nicht deckungsgleich mit den Verwaltungsgrenzen sind und jenseits dessen auch schon Schreiadler gesichtet wurden: "Wir kämpfen um jedes Paar", betont Disselhoff.
Mit diesem Projekt möchte der Nabu rund zehn Hektar Wiesen als wichtigen Lebensraum für den Schreiadler sichern.  Die Grundstücke werden derzeit von der Bodenverwertungs- und -verwaltungs-Gesellschaft (BVVG) versteigert. "Wenn wir sie nicht kaufen, droht die Gefahr, dass die Wiesen auch zukünftig so intensiv genutzt", befürchtet die Nabu-Gruppe. Insgesamt benötige man 90 000 Euro. 75 000 Euro davon seien bereits vorhanden, erläutert Tilmann Disselhoff. Für die restliche Summe startete der Verband vor einiger Zeit eine Kampagne auf der Crowdfunding-Plattform Start-Next. Bis Ende des Jahres soll das Geld beisammen sein. Positiver Nebeneffekt: Auch für weitere Tierarten wie Feldhase, Ringelnatter, Springfrosch und Heidelerche stellen die ins Visier genommenen Wiesen einen wichtigen Lebensraum dar. Sie würden ebenfalls profitieren.
Kooperation mit Landwirten
Darauf, ihr Areal einfach verwildern zu lassen, setzt der Nabu nicht. "Um die verbliebenden Nahrungsflächen aufzuwerten, sichern wir die wichtigsten Grünlandflächen in den Schreiadlerrevieren und optimieren diese naturschutzfachlich, etwa indem wir Wasserstände anheben, Kleingewässer renaturieren und die Landnutzung anpassen. Dabei arbeiten wir mit Grundeigentümern und Landwirten zusammen", wird als Anspruch formuliert. Auf Nabu-eigenen Flächen werde etwa vorgegeben, dass Pächter keine Gifte ausbringen. Bei der Pacht zeige man sich entgegenkommend.
Das Schreiadler-Projekt selbst gibt es schon etwas länger. Schon in den vergangenen vier Jahren unterstützte die Heinz-Sielmann-Stiftung den Nabu-Regionalverband beim Kauf und der Schreiadler-freundlichen Gestaltung entsprechender Flächen. Dabei habe der Verein es geschafft, die geplanten Projektziele bei Weitem zu übertreffen: Anstelle der ursprünglich anvisierten 13 Hektar konnten mehr als 25 Hektar Land erworben werden. Auf weiteren 17 Hektar in Privateigentum wurden ebenfalls Naturschutzmaßnahmen umgesetzt, um die Jagdgründe der Schreiadler langfristig zu schützen.  Dadurch habe das Projekt einen wichtigen Beitrag zum Schutz der regionalen Schreiadlerpopulation leisten können, heißt es.
www.startnext.com/hilfe-fuer-den-schreiadler/

Bedrohte Tierart


Während sich die Bestände anderer Greifvögel wie Fischadler oder Wanderfalke bundesweit im Aufwind befinden, hat der versteckt lebende Schreiadler mehr und mehr den Rückzug angetreten. Nur noch etwa 100 Brutpaare brüten in Deutschland, davon rund Dreiviertel in Mecklenburg-Vorpommern und ein Viertel in Brandenburg.

Die Tiere gehören zu den kleinsten Vertretern der Unterfamilie der Aquilinae. Sie erreichen eine Körperlänge von 55 bis 67 Zentimeter und eine Flügelspannweite von 1,46 bis 1,68 Meter und sind damit jedoch immer noch erheblich größer als ein Mäusebussard.

Üblicherweise legen die Paare zwei Eier, aus denen auch zwei Junge schlüpfen. Allerdings fällt das zweite fast immer dem sogenannten Kainismus zum Opfer, benannt nach der biblischen Geschichte von Kain, der seinen Bruder erschlug.

Denkbar ist, dass das zweite Junge als eine Art Reserve dient: Falls das erste Küken nicht schlüpft, hätte der zweite Jungvogel eine Chance, dessen genetische Anlagen dem Erstgeborenen in nichts nachstehen. red