„In Barsdorf ist die Welt noch irgendwie in Ordnung.“ Der das sagt ist Jonas Kleßny, gebürtiger Barsdorfer und 20 Jahre jung. Jetzt sitzt er am Küchentisch und lacht herzlich. Und man glaubt ihm, was er sagt, obgleich: Vor allem die Alten haben landauf-landab an der Pandemie und dem inzwischen zweiten Lockdown sehr zu knabbern.
Der junge Mann weiß dennoch, wovon er spricht. Großmutter Veronika bekräftigt das: Probleme der älteren Menschen, sie würden zu Hause hinter der Gardine einsam und in Isolation vor sich hin schmoren, die gebe es in dem Fürstenberger Ortsteil absolut nicht. „Wir sind hier eine intakte Dorfgemeinschaft“, lacht sie.

Lebendige Anteilnahme

Außerdem seien die meisten schön froh, nicht in einer Stadt mit vielen Menschen zu leben, da sei die Gefahr der Ansteckung doch viel größer. Na gut, die Rentnerweihnachtsfeier sei dieses Jahr ausgefallen, räumt die 68-Jährige ein. Dennoch gebe es tagtäglich genug Anlässe, sich zu begegnen, ein Schwätzchen überm Gartenzaun zu halten und gegenseitig sich Hilfe anzubieten, falls mal der Gang in die große, lärmende Stadt etwa zu Apotheke oder in die Kaufhalle notwendig wird. „Und wer das nicht tut, dem kann man ohnehin nicht helfen.“
Veronika Kleßny ist die ehemalige Ortsvorsteherin und scheint über magische Anziehungskräfte zu verfügen. So dass die Familie und auch die Dorfgemeinschaft offensichtlich miteinander verbunden bleiben. Ist es der Glaube? Kleßny ist Katholikin, aber keine, die im stillen Kämmerlein immerfort den Rosenkranz betet. Mitten im Leben steht die Ruheständlerin, zurzeit etwa hat sie quasi einen ehrenamtlichen Posten als Telefon- und Schaltzentrale inne: Im Granseer Gymnasium seien Schülerinnen kürzlich positiv getestet worden, auch einer ihrer Enkel.

AHA-Regeln wichtig

Nun befinde er sich in Quarantäne, weil aber die Eltern arbeiten gehen müssen, steht Veronika Kleßny in regem Kontakt mit dem Gesundheitsamt in Oranienburg. „Die rufen mehrmals täglich an und erkundigen sich nach dem Befinden des Enkels“, berichtet sie, und etwas Stolz darüber dringt schon durch. Oder Onkel Willy nebenan. Er wird 89, ihm hilft Veronika tagein, tagaus. „Lasst mir bloß nicht diese Carola ins Haus“, erklärte der Barsdorfer mit einem gewissen Schalk in der Stimme bereits im Frühjahr.
Ein deutliches Zeichen dafür, dass die „Kleßny-Family“ der Dorfgemeinschaft kräftige Energie-Schübe verpasst, war, ist und bleibt Heiligabend. Dieses Fest lassen sich die Barsdorfer nicht nehmen, freilich immer in der den Umständen geschuldeten, besonders gebotenen Zurückhaltung: „Na klar, feiern wir Weihnachten“, dies ergebe sich schon aus der erfreulich lebendigen Ökumene in dem Dorf.
Bevor sie näheres beschreibt, wolle sie aber noch einmal klarstellen, „alles läuft unter Einhaltung der Eindämmungsverordnung ab, da sind wir richtig konsequent.“ Ebenso klar sei aber, die Weihnachtsgeschichte werde aufgeführt, und zwar draußen im Freien hinter der Kirche. Da stehe ein großer Lebensbaum, und der sei zur Erbauung mit elektrischen Kerzen geschmückt worden, so dass er schön leuchtet. Veronikas Tochter Nanette und Kerstin von Iven, die evangelische Katechetin, haben mehrere Jahre schon das Krippenspiel vorbereitet und dies auch jetzt getan.

Fast die ganze Familie auf der Bühne

Und weil es eines erheblichen Darstellerpersonals bedarf, hat die Großfamilie Kleßny die Kinder und Enkel auch in diesem Advent gebeten, mitzuspielen. Es dürfte also wenig wundern, dass die beiden Töchter von Jasmin Sohny, Marla und Mette, die Engelchen verkörpern, genauso wie Merisa und Ivaine.
„Selbstverständlich treten sie in einem entsprechenden Kostüm auf“, betont die Oma. Außerdem ist auch die musikalische Flanke prächtig abgesichert worden: Mark Henning, der Freund von Enkel Jonas, werde die Gitarre zupfen, Hazel singt, und Jonas persönlich werde in die Rolle eines der drei heiligen Könige schlüpfen – so wie die Enkel Hannes und Jacob.

Keine Isolation in Barsdorf durch Corona

Isolation? Die gebe es nicht in Barsdorf, wiederholt die frühere Ortschefin. Sichtbar werde dies etwa bei der ökumenischen Heiligabend-Veranstaltung. Viele Einheimische würden sich einfinden, freilich im gebotenen Abstand und unter Berücksichtigung sämtlicher geltenden Bestimmungen. „Und anschließend streben alle wieder nach Hause, wo vor allem für die Kinder die Bescherung wartet und nach Herzenslust gesungen werden kann.“ Veronika weiß auch schon, was dann auf den Tisch kommt, klar, so etwas überlasse sie nicht dem Zufall: „Kartoffelsalat mit Würstchen oder mit Kassler“, wird es dieses Jahr geben. Der Festtagsbraten wird tags darauf serviert.
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