Vor diesem Hintergrund hat sich eine kleine Schar von Initiatoren am Mittwoch in der Mühle Himmelpfort zusammengefunden. Nicht nur auf bewusste, gesündere und nachhaltig produzierte Ernährung wollen sie Wert legen und dafür werben – die Teilnehmer der Veranstaltung wollen auch einen Ernährungsrat für Oberhavel und die Uckermark gründen.
Marion Piek aus Borgsdorf vom Verein Brandenburg 21 hatte zu dem Treffen eingeladen – in die Mühle, weil man dort vor drei Jahren beim Tag der Dörfer "nützliche Gedanken auch in Bezug auf Ökologie und Ernährung" habe austauschen können. Etwa was das Unterstützen regionaler Produzenten betrifft. Einig sei man sich bereits damals gewesen, eine "regionale Wertschöpfung" sei wesentlicher Bestandteil eines Umschwungs zu einer gesünderen Ernährung, weg vom Diktat der Großindustrie. Gastgeber Tilman Kunowski bestätigte dies, wonach es gelte die Produzenten, aber auch Lieferanten regionaler und Bioprodukte zu unterstützen.
Marc Schreiber ist einer der Gründer sowohl des Ernährungsrates Prignitz/Ostprignitz-Ruppin und auch des brandenburgischen Ernährungsrates, dessen Koordinierungsstelle er angehört. Er räumte freimütig ein, "wir geben uns in Brandenburg erst eine Struktur für das zivilgesellschaftliche Engagement, um ein Bewusstsein für bessere Ernährung zu schaffen", erklärte er.
Das Gespräch suchen
Eigentlich sei die Bewegung, die in den USA ihren Ursprung in den 1980er-Jahren hatte, ein "urbanes auf Städte beschränktes Phänomen". Brandenburg sei da in jeder Hinsicht Neuland, "aber es gibt hier inzwischen ein echtes Bedürfnis, sich besser zu ernähren, und vor allem den eigenen Kindern dies zu ermöglichen", betonte Schreiber. Ganz oben auf der Agenda sei daher der Begriff zu finden: "Ernährungssouveränität".
Wobei es auch bei diesem Thema, etwa in Sachen Wertschöpfung, auf Kommunikation ankommt. In Kyritz etwa kooperiere man im Ernährungsrat auch mit konventionell orientierten Bauern zusammen. "Das muss sich gar nicht ausschließen", merkte Schreiber an. Für 2021 plane die Landesregierung übrigens eine Ernährungsstrategie, Lobbyismus für die eigenen Ziele sei in dieser Hinsicht durchaus nützlich.
Teilnehmer der Veranstaltung lenkten das Augenmerk auf das Thema Schulspeisung und Kita-Verpflegung – ein sehr sensibler Aspekt für viele Eltern, die daher offen seien, nach Alternativen zu suchen, war man sich einig. Christin Roth von der Gemüseakademie in Eberswalde lenkte bei der Gelegenheit das Augenmerk auf ihre Engagement, in Schulen Gemüsegärten anzulegen und von den Schülern pflegen zu lassen.
Reiner Merker, Grünen-Fraktionschef im Kreistag Oberhavel und Zehdenicker Stadtverordneter, ließ sich die Auftaktveranstaltung nicht entgehen. Obgleich er, wie er einräumte, beruflich nicht direkt mit Ernährung zu tun hat, sondern eher mit Obstgehölzpflege. "Aber wir bauen zurzeit auch einen Obstanbaubetrieb auf", Nachhaltigkeit sei ein herausragender Aspekt. "Mehr Wertschätzung  für die Landwirtschaft", sei aber auch vonnöten, um bessere Standards bei der Ernährung zu schaffen.
Beate Schulz betreibt gemeinsam mit dem Bäcker Suitbert Krämer in Prenzlau eine Biobäckerei samt Café und einem Laden für Bioprodukte. Und sie habe sich bei der Gründung einer freien Naturschule eingesetzt, merkte sie an. Für die Biobäckerin liegt der Schlüssel ebenfalls in einem vorwiegend regionalen Wirtschaftskreislauf, in Wertschöpfungsketten, die auf das Lokale und Regionale beschränkt seien.
Drei Treffen geplant
"Fast ausschließlich beziehen wir unser Getreide zum Beispiel aus der Region", erklärte Beate Schulz. Aber es gebe auch Schlaglöcher. Kunden fragten zum Beispiel des Öfteren nach Käse aus der Region, "aber die Uckermark ist kein Landstrich, in dem Käseherstellung Tradition hat", und man werde auch nicht von der Ziegenkäserei an der Regowschleuse beliefert, gab sie zu bedenken. Drei weitere Treffen werden veranstaltet, einigte man sich: in Templin, Prenzlau und Oranienburg.

Fünf Ernährungsräte in Brandenburg

Es gibt im Land Brandenburg mittlerweile fünf Ernährungsräte: einer ist in Prignitz/Ostprignitz-Ruppin ansässig, einer im Havelland, einer im Spreewald, einer in Märkisch-Oderland/Oder-Spree sowie einer in Potsdam.

Seit Mai wird im Rahmen eines Projektes des Vereins Stadt-Land.move an einer Handlungsempfehlung für die Erarbeitung der Ernährungsstrategie 2021/22 gearbeitet. Damit soll ein landesweiter Grundstein gelegt werden.

Der Ernährungsrat kann kontaktiert werden unter: info@ernaehrungsrat-brandenburg.de. Ein weiterer Kontakt ist mit Marion Piek möglich unter der Mailadresse: marion.piek@nachhaltig-in-brandenburg.de. pilz