Doch am Montag tummelten sich nicht nur Insekten und anderes Getier auf der Fläche, sondern auch die siebenköpfige Jury des diesjährigen "Naturparkprojekt 2020" hatte den Weg bis hinter den Fließgraben gefunden.
Die "Klimawiese" ist Station Nummer 3. "Wir haben heute viel Strecke zu machen", sagt Naturpark-Geschäftsführer Peter Gärtner. Sechs Projekte bewerben sich dieses Jahr für den mit 1 000 Euro dotierten Preis. Zwei in Eberswalde, dann je eines in Prenden, Hobrechtsfelde, Blankenfelde und eben in Oberhavel. Die Spannbreite der Projekte ist so breit und unterschiedlich wie die Bewerber: die Stadt Eberswalde zum Beispiel, eine Integrationskita, eine Kirche, ein Stadtgut oder die Klimawiese in Freienhagen. Jedes Projekt hat eine halbe Stunde Zeit, sich vorzustellen.
Wichtig ist ein "Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Naturparks Barnim", wie es in den Wettbewerbsanforderungen heißt. Karsten Thomas und Kay Zilliges glauben, die Kriterien erfüllt zu haben. "Das Preisgeld steht nicht an erster Stelle", sagt Kay Zilliges. "Viel wichtiger ist, dass das Projekt vorankommt, bekannter wird." Sie wollen brachliegendes Land "vor den Eingriffen der Landwirte schützen und renaturieren", sagt Karsten Thomas. Sie wollen verhindern, dass Grünland umgepflügt wird. "Damit das im Boden gebundene CO2 nicht entweicht", so Thomas.
Im Februar hat das junge Unternehmen seine erste Fläche übernommen. Das Startkapital, rund 7000 Euro, kam aus der Privatschatulle der vier Freunde, die sich aus gemeinsamen Berliner Zeiten kennen. "Irgendwann war uns es nicht mehr genug, nur Plastikmüll zu vermeiden. Wir wollten mehr für Umwelt und Natur tun", sagt Karsten Thomas. Da ihre "sinnentleerten Jobs" im Online-Bereich sie wenig befriedigten, wie sie sagen, hätten sie sich eine Aufgabe gesucht. Die gefällt auch anderen, wie die Resonanz zeigt.
Denn es soll nicht bei einer Wiese in Freienhagen mit Insektenhotel, Sträuchern und Obstbäumen bleiben. Überall in Deutschland können sie sich ähnliche Projekte vorstellen. Dafür werben sie Geld über Paten ein, die bereit sind, zum Beispiel einmalig knapp 100 Euro für einen Baum, drei Euro pro Quadratmeter Wiese oder rund 50 Euro für ein Insektenhotel auszugeben. Die Baum-Idee zieht. Es gibt bereits Paten für 20 neue Bäume.
Die Klimawiese-Macher beschreiben sich aber als umwelt- und nicht gewinnorientiert. Sie haben Spaß an der Sache und ihrer Idee, das sehen auch die Jury-Mitglieder. Sie erkennen  ebenso die Unerfahrenheit der Jungunternehmer in Sachen Natur und geben Tipps im Umgang mit der Wiese, wie "einmal im Jahr mähen, sonst haben die gesäten Blumen keine Chance, sich zu entwickeln". Kay Zilliges und Karsten Thomas können das gut annehmen. Ihnen geht es nicht um Perfektion, Bewirtschaftung und Rendite. Sie wollen aus eigener Kraft der Kulturlandschaft ein Stück Natur zurückgeben und das ohne Ämter und Fördermittel.
Welches Projekt die Naturpark-Jury überzeugt hat, wird im November bekanntgegeben.

750 Quadratkilometer Natur


Der rund 750 Quadratkilometer große Naturpark Barnim ist das einzige gemeinsame Großschutzgebiet der beiden Länder Brandenburg und Berlin.

Rund 5,4 Prozent der Fläche befindet sich in den nördlichen Berliner Stadtbezirken Pankow und Reinickendorf. Zwischen Bernau, Bad Freienwalde, Eberswalde, Liebenwalde und Oranienburg liegt der Brandenburger Teil. red