"Dank meines Freundes Marc Berger", sagt Schirmer. Bergers Verlag in Gransee gibt die Edition Schwarzdruck heraus, eine Reihe mit bekannter und weniger bekannter Literatur, seit 25 Jahren.
Schirmer nennt sich und seinen Freund Berger konventionell. Der eine druckt noch mit Blei, der andere schreibt, wie er es gelernt hat. Und Schirmer - ein Mann mit besonderem Humor - meint es durchaus ernst, wenn er von den unglaublichen Fehlern spricht, die bei der Rechtschreibreform gemacht worden sind.
Er bleibt also weitgehend bei der alten. "Um die Verlage nicht zusätzlich zu verwirren, lasse ich im Anschluss ein Rechtschreibprogramm durchlaufen." Und dennoch: In der Neuauflage des "letzten Sommers der Indianer" findet man es noch, das "daß".
Marc Berger und Bernd Schirmer haben schon einige Bücher zusammen gemacht. In Zeiten der Schwarz-Weiß-Malerei anlässlich des Mauerfall-Jubiläums kam das Neueste genau zur richtigen Zeit. Anders als 1989, als Schirmer mit seinem damals noch halbfertigen Werk "Cahlenberg" bedeutende Verlage auf sich aufmerksam gemacht, letztlich nach der Wende aber keinen Herausgeber gefunden hatte. Eine Erinnerung aus seinem Autorendasein, die Bernd Schirmer am Mittwoch in der Granseer Eremitage im Gespräch mit Literaturwissenschaftlerin Christel Berger erzählte.
"Der letzte Sommer der Indianer" ist die Geschichte einer Gruppe junger Leute, die im DDR-Kulturbund organisiert als Rothäute die Wochenenden verbrachten. Tomahawkwerfend und im Tipi kampierend erlebten sie ihre Jugend. Es ist die Geschichte einer Dreierbeziehung zwischen Grüner Pfeil, Einsamer Wolf und Schwellender Knospe. Zwei von ihnen später verheiratet und mit zwei Kindern gesegnet, die in Schirmers Roman ebenfalls einiges zu sagen haben. Der unterlegene Indianer ging in den Westen und kehrte als erfolgreicher Bierbrauer und Cowboy zurück.
Als überaus unterhaltsam empfand auch das Publikum der Eremitage am Mittwoch die Textpassagen, die Schirmer vortrug. Von den Grenzern, die nicht wussten, ob sie lachen oder schießen sollten, als die Indianer an die Grenze und schließlich über sie drängten. Vom Einmarsch der Rothäute in eine fränkische Kleinstadt, deren Eingeborene recht amüsiert waren von den Sachsen mit Federschmuck und ihnen diverses, nie vorher gesehenes Obst kredenzten. "Gefüttert mit exotischen Früchten - es war wie im Zoo. [ ] Ostapachen, die endlich aus ihrem Reservat rauskönnen". Ein Teil des Kulturbundes der DDR in den Wirren der Wende, beschrieb Literaturwissenschaftlerin Christel Berger knapp. "Ein Stasi-Mensch, ein künftiger Landrat, spätere ABM-Kräfte." Ein Roman, der ursprünglich als Drehbuch geschrieben und ausgezeichnet worden war. "Sender und Produktionsfirmen haben es allerdings durch die Bank abgelehnt", erzählte Schirmer. "Wenn die überhaupt verstanden haben, worum es geht." Nach Jahren des Klinkenputzens hatte der ehemalige Dramaturg des DDR-Fernsehens schließlich einen Verbündeten gefunden - einen "mit Ost-Hintergrund". "Doch dann ertrank dieser junge Regisseur beim Tauchen." Aus dem Drehbuch wurde ein Roman, der schließlich beim Eulenspiegel-Verlag erschien, mit mäßigem Erfolg. Die Neuauflage ist seit Mittwoch auf dem Markt. "Und vielleicht findet sich ja jetzt ein vorbeireisender Dramaturg."
Bernd Schirmer: "Der letzte Sommer der Indianer", Edition Schwarzdruck, 260 Seiten, 23 Euro