Etwa 200 Gäste feierten am Sonnabend das Willkommen-Fest für all jene, die in Deutschland Asyl suchen und seit einigen Wochen in Gransee wohnen. 40 bis 50 Männer, Frauen und Kinder aus verschiedenen Ländern Afrikas und Europas begegneten Einheimischen der Stadt und der umliegenden Dörfer im "Hospital Global", dem neuen Ort der Begegnungen.
Das Bild des Globus im Hintergrund der kleinen Bühne auf dem Hof des Hospitals war Zeichen. Der Name "Hospital Global" sei Programm, so Bürgermeister Mario Gruschinske (SPD) in seiner Ansprache auf Deutsch und Englisch. Gransee sei Teil der internationalen Welt, und es sei folgerichtig, dass die Stadt selbst auch ein Stückchen internationaler werde. Willkommen sei jeder, der bereit und gewillt sei, zu einem friedlichen und harmonischen Miteinander beizutragen. Wer diese Bereitschaft nicht mitbringe, sich gar menschenfeindlich und antidemokratisch verhalte, werde nicht auf Akzeptanz und Offenheit stoßen.
Nachdem Rashid aus Pakistan seinen Dank ausgesprochen hatte, übernahm Klaus Pölitz von der federführenden Willkommen-Initiative die Moderation des Nachmittags. Die reichhaltige Kuchentafel - Spenden der Teilnehmer - wurde eröffnet. Der Chor "Spätlese" aus Gransee sang.
Für Stimmung sorgten die Samba-Trommler "Os Velhos Sambeiros" aus Kurtschlag. Jazzige Einlagen kamen von dem Berliner Trompeter Mathias Josten. Und als Yvonne Nägel von der Tanzgruppe des Vereins "Gemeinsam" zum gemeinsamen Tanz einlud, war der Bann der Zurückhaltung endgültig gebrochen. Die Kette der im Rhythmus sich bewegenden Teilnehmer wurde zusehends länger, schlängelte sich durch die Bankreihen, bildete kleine und große Kreise. Hände hielten einander fest, flogen in die Luft, klatschten. Alle lachten, sangen und bewunderten und bejubelten die Soli von Hamid Farsi und Sadegk Teymori aus dem Iran, die sich Hüften schwingend umeinander drehten und so ihre eigene Kultur in das Geschehen einwebten. Einige Granseer taten es ihnen nach. Herbert Brauer ließ seinen Dudelsack erklingen, Männer aus Iran und Syrien sowie Yvonne Nägel begleiteten die Melodien an den Trommeln. Schließlich bat Sado Radja Raja aus Palästina um das Mikrofon - und sang. Abwechselnd mit seinem Bruder trug er gefühlvoll Lieder von der Liebe vor, vom Herzschmerz und über den Weg des Messias Mohammed. Es seien sehr alte Texte, übersetzte Ahmed aus Syrien. Zu den in arabischer Sprache gesungenen Songs kamen Gospelgesänge in deutscher Sprache, zu denen Katrin Reiffler animierte.
Viele der einheimischen Gäste waren bereits im Vorfeld an den Aktivitäten der Willkommen-Initiative beteiligt. Ihrem Engagement ist es zu danken, dass etliche Kontakte zwischen Asylbewerbern und einheimischen Vereinen oder Einzelpersonen geknüpft wurden. Auch das Fest bot dafür einen guten Nährboden. So berichtete Ines Richter von der Willkommen-Initiative von einer Familie aus Baumgarten, die wegen der eigenen Enkel eine Patenschaft - Arztbesuche, Behördengänge, praktische Hilfe - für eine Familie mit Kindern aus dem Iran übernommen hat.
"Ein tolles Fest, Begeisterung, viele Menschen, gute Laune, stimmungsvolles Programm, leckeres Kuchenbuffet", resümierte Klaus Pölitz. Wenn auch die Verständigung sprachlich schwierig war, so saß man doch zusammen.