Na gut, viel zu sehen ist nicht: Annerose van Dahl wirft trotzdem einen Blick in den historisch anmutenden Altbau – in das Haus Friedrich-Willhelm-Straße 4 in Fürstenberg, von dem beinah nur noch die Hülle zu stehen scheint. Bauarbeiter haben in den vergangenen Wochen in der seit Jahren leer stehenden Ruine gründlich aufgeräumt, ausgemistet und entbehrliche Teile des Gebäudes systematisch abgetragen. Etwas duster und trostlos wirkt das Ganze innen – freilich steht dem betagten Gebäude eine strahlende Zukunft bevor, Annerose van Dahls Augen leuchten. Sie könnte sich durchaus vorstellen, eines Tages in dem nach modernsten Maßstäben sanierten Altstadt-Gebäude zu wohnen.

Corona verzögert die Arbeit

Und dennoch: Corona sorgt in allen Bereichen für Verzögerungen. So auch in Fürstenberg, wo der Kommunale Wohnungswirtschaftsbetrieb (Kowobe) als Bauherr – nach jahrelangen Auseinandersetzungen und obendrein den Pandemie-Einschränkungen im ersten Halbjahr – die Millionen-Investition vor einigen Wochen in Angriff genommen hat. Nicht irgendeine: Es geht um die komplette Sanierung des Altstadthauses Friedrich-Wilhelm-Straße 4. Das ist eine Zäsur in der Wohnungspolitik der Wasserstadt. Altersgerechte Wohnungen sollen geschaffen werden, acht an der Zahl. 1,7 Millionen Euro investiert das kommunale Wohnungsunternehmen, rund 400.000 Euro kommen als Zuschuss von der Investitionsbank des Landes Brandenburg. Etwas mehr als 1,2 Millionen Euro sind Eigenmittel.

Statik wird überprüft

Wie der Chef des Kowobe, Dr. Ralf Lunkenheimer, auf Nachfrage erklärte, konnte vor einigen Tagen der aktuelle Baurapport erfolgen. Und zwar im Rahmen der derzeit auszuführenden Arbeiten. Klare Sache: Am Anfang eines solchen Projektes steht die Entkernung. „Voraussichtlich können diese Arbeiten in der kommenden Woche abgeschlossen werden“, erklärte Lunkenheimer.
Inzwischen habe sich gezeigt, dass man in statischer Hinsicht noch einmal Untersuchungen vornehmen müsse, so der Werkleiter. Bodensondierungen gehörten dazu, damit die Belastbarkeit zum Beispiel des Untergrundes genau feststehe. Welche Konsequenzen sich daraus für den Gesamtablauf und für das Vorhaben ergeben, sei abzuwarten. Zwischenwände und Zwischendecken beispielsweise stehen auf dem Prüfstand. Die Frage lautet: Wie tragfähig sind die Decken? Außerdem wird der Putz abgeschlagen. Zusätzliche Fenster sind nun gut sichtbar – wobei sämtliche Fenster nach den Worten des Werkleiters blind gemacht und mit Holz vernagelt werden.
Auf der Haben-Seite kann bereits die Sicherung des Daches verbucht werden. Die baufachliche Prüfung des Wohnhauses war im vergangenen Juli abgeschlossen worden. In dem Gebäude, das dem Kowobe gehört, werden altersgerechte Mietwohnungen entstehen, und es wird ein Aufzug eingebaut, sofern die Arbeiten zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden.

Ausschreibungen in Vorbereitung

Dieses Jahr sollten eigentlich 630.000 Euro investiert werden. Ob die Summe ausgeschöpft werden konnte, darf unter anderem wegen Corona bezweifelt werden. Im neuen Wirtschaftsplan nämlich, der für das kommende Jahr gilt, wird eine Investitionssumme von rund 1,4 Millionen Euro ausgewiesen, was nahelegt, dass bislang lediglich rund 300 000 Euro flossen.
Wie Dr. Ralf Lunkenheimer erklärte, werde noch im Oktober der reguläre Bauantrag für das Projekt dem Landkreis übermittelt. Parallel dazu sollen die weiteren Lose für die nächsten Arbeiten vorbereitet werden. Dabei gehe es um das sogenannte Bauhauptgewerk, das im nächsten Bauabschnitt zum Zuge kommt.
Weitere Investitionen, die laut aktuellem Wirtschaftsplan für dieses Jahr geplant sind, beziehen sich auf die Außenanlagen der Wohnhäuser Zehdenicker Straße 35/36. In dieses Vorhaben sollen 100.000 Euro gesteckt werden, die einen ersten Bauabschnitt darstellen. Rund 40.000 Euro sind für die Zuwegung zum Gebäude Regelsdorfer Straße 17 vorgesehen. Die Erneuerung der Außenanlagen des Hauses Ravensbrücker Dorfstraße 31 kostet rund 20.000 Euro, und 12.000 Euro sind für die Schaffung der Stellplätze an der Berliner Straße 78/79 vorgesehen.

Altersgerechter Wohnraum begehrt

Einige Hausnummern weiter ist der Kowobe ebenfalls aktiv - und das gut sichtbar: Von der Firma Wichmann wurde in den vergangenen Wochen die Fassade des Hauses Berliner Straße 68/69 gereinigt und gestrichen. Für diese sogenannte Modernisierung hatte der Kowobe rund 14.000 Euro veranschlagt.
Annerose van Dahl aber spielt durchaus mit dem Gedanken, direkt in der Altstadt an der Friedrich-Wilhelm-Straße zu wohnen. Auch wenn sie deshalb ihren idyllischen Wohnort Altthymen aufgeben müsste. In ihrem Alter aber, meint die Ruheständlerin, sei es oft viel zu beschwerlich an ihrem jetzigen Wohnort. Altersgerecht Wohnen hingegen, das habe für sie einen echten Reiz.