Dieser hatte kaum eine ruhige Minute, nachdem der Landesverband am Montag der Vorwoche die Saison aufgrund der Coronavirus-Pandemie für beendet und Zehdenick zum Meister erklärt hatte. Erdmann: "Dadurch ergab sich auch für uns Planungssicherheit." Folglich gehe es nun darum, den Kader für die Saison 2020/21 zusammenzustellen.
Mit der Frage, welche Spieler in der Brandenburgliga die Mission Klassenerhalt angehen werden, wird Ronny Erdmann regelmäßig konfrontiert. "Ich kann mich kaum noch ungestört in der Stadt bewegen. Du wirst quasi am Ärmel gezogen und in ein Gespräch verstrickt. Meine Freundin geht mit mir schon gar nicht mehr einkaufen, weil wir nicht von der Stelle kommen." Mittlerweile bedient sich der 45-Jährige immer mal wieder einer Notlüge, um die Gespräche zu minimieren und bei Einkäufen nicht abgelenkt zu werden. "Es gab zu Hause schon Ärger, weil ich die Hälfte vergessen habe. Darum nehme ich gelegentlich das Telefon ans Ohr, obwohl keiner dran ist, um ein paar Meter laufen zu können, ohne angehalten zu werden."
Stoppen lassen wollen sich die Zehdenicker auch in der neuen Spielklasse nicht. "Das soll kein Kurzbesuch von uns werden. Die Klasse wollen wir auf jeden Fall halten", betont Erdmann. Wenig überraschend wurde Daniel Runge mit der Leitung der sportlichen Geschicke beauftragt. "Als Trainer hat er bei uns fünf Jahre lang tolle Arbeit geleistet. An der Verlängerung seines Vertrages haben wir nicht im Ansatz gezweifelt." Folglich seien die Gespräche schnell erfolgreich beendet worden.
Urgestein nimmt Abschied
Auch diverse Spieler hatte Erdmann auf der heimischen Terrasse zu Gast. Einige hätten dabei "schweren Herzens" ihren Entschluss untermauert, nicht mehr für die erste Männer-Mannschaft spielen zu wollen. So zieht sich Philipp Woiton in die Reserve, die künftig eine Spielgemeinschaft mit dem SC Klein-Mutz bilden will, zurück. "Sein Tag beginnt früh um vier. Von der Arbeit in Berlin ist er oft erst 18 Uhr zurück. Darum besteht einfach nicht die Möglichkeit, auf diesem Niveau Fußball zu spielen. Das ist traurig, aber verständlich."
Ein großer Verlust sei auch Leo Wegener. "Der spielte die Saison seines Lebens, hört nun aber auf, um sich mehr Zeit für private Dinge zu nehmen", bedauert der Manager. Der Defensivspieler, der sich vor Kurzem über Familienzuwachs freuen konnte, pendelt beruflich zwischen Zehdenick und dem Süden der Hauptstadt. "Mit der neuen Liga ist das nur schwer vereinbar. Sein Abschied macht mich traurig, weil wir zusammen einen langen und erfolgreichen Weg gegangen sind." Zu dieser Kategorie der Alteingesessenen gehört auch Christoph Nebert. Der 33-Jährige ist Spielführer der Mannschaft. Co-Kapitän ist Rodger Bruse, der laut Erdmann auch künftig mit breiter Brust vorangehen wolle. "Sein Verbleib war ohne große Gespräche klar." Ähnlich sei es bei Andy Rothermund gelaufen. "Er ist ein Kämpfer, der nie aufgibt. Mit seiner Einstellung ist Andy ein Vorbild für die Jugend, weil er den Begriff Teamsport lebt."
Mit einigen anderen Spielern ist der Manager erst in den kommenden Tagen verabredet. So stehen die Konsultationen mit den Polen Lukasz Piasecki und Maciej Adrian Hofmann noch aus. Timothy Pritzel fange zwar mit der Meisterschule an, bleibe aber ebenso erhalten wie Artur Wittur, der zwischenzeitlich mit einem Wechsel nach Berlin geliebäugelt habe. "Timi ist ganz wichtig für die Mannschaft. Er ist über die Jahre ein Leitwolf und eines der Gesichter der Mannschaft geworden." Dem Team treu bleibt auch Benjamin Brandt, an dem andere Brandenburgligisten Interesse gezeigt haben sollen. Christian Voß wiederum legt bis März eine Pause ein, um sich auf das Studium zu konzentrieren. "Dann greift er bei uns neu an."
Keine Veränderungen wird es im Tor geben. David Rogowski freue sich extrem auf die neue Spielklasse. Der 29-Jährige bewirbt sich wie auch Pascal Stahl um die Rolle als Stammkeeper. Im Zehdenicker Trikot wird neben John Lormis, dessen Verlängerung schon vor einigen Tagen bekanntgegeben worden war, weiterhin auch Winterneuzugang Marc Stephan zu sehen sein. "Der könnte sich zu einer absoluten Stütze entwickeln."
Auch in der Brandenburgliga will Erdmann seiner Devise, mit jungen Leuten aus der Region zu arbeiten, treu bleiben. "Die gesunde Mischung aus Jung und Alt muss weiter passen, damit wir nachhaltig arbeiten können." Bei der Frage nach den Neuzugängen hält sich der Zehdenicker noch etwas bedeckt. "Einen erfahrenen Spieler haben wir an der Angel. Und wir sind mit zwei echten Talenten im Gespräch."
Neuzugang aus der Region
Vollzug kann aber auch schon vermeldet werden: Philipp Schramm kommt von der SG Storkow. "Er will es einfach mal probieren." Zugesagt habe auch Horatius Gentz, der von den A-Junioren der TSG Fortuna 21 Grüneberg kommt. Sein 20-jähriger Bruder Lancelot spielt seit 2017 für den SVZ. Eine richtige Waffe sei auch Lucas Karbe, der von den eigenen A-Junioren kommt. "Da waren auch schon andere dran. Der ist richtig toll." Welche Entwicklung junge Spieler in Zehdenick nehmen könnten, habe Joan Völker gezeigt. Der damals 18-Jährige kam im vergangenen Jahr aus Templin – mit dem Versprechen, sich durch fleißige Arbeit in die Mannschaft spielen zu wollen. "Das hat er geschafft. Und Marian Goetz hat sich genauso vorbildlich präsentiert und wird den Sprung schaffen", ist sich Erdmann sicher.

Nordkreisderbyzum Auftakt?


Die Saison 2020/21 beginnt laut Rahmenterminplan des Landesverbandes am 15. August mit den Erstrundenspielen im Pokal.

Am 22. August soll der erste Spieltag auf Landesebene ausgetragen werden.

Für die Premiere in der Brandenburgliga hegen die Zehdenicker einen Traum. "Wir würden gern mit einem Heimspiel gegen den SV Altlüdersdorf beginnen", verrät Manager Ronny Erdmann.  sz