Bis auch nur ein Meter Gleis so fest ist, dass später eine tonnenschwere Schmalspurbahn mit Passagieren gefahrlos darüber fahren kann, vergeht bei ohrenbetäubendem Lärm eine halbe Ewigkeit. Die Ohren gegen den Krach geschützt, wechseln sich die Männer beim Betätigen des Dampfhammers immer wieder ab. Die Arbeit mit dem Dampfhammer geht vor allem auf die Arme, die seit Tagen anhaltende trockene Luft trocknet zudem die Kehle schnell aus. Schwere Maschinen, wie sie sonst beim Gleisbau zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel eine hochmoderne Gleisstopfmaschine, kann hier zwischen den Büschen am Ufer des Burgwaller Stichs nicht zum Einsatz kommen.
Saisonstart verschoben
Der Ziegeleipark Mildenberg, der einen Teil des Gleisnetzes der früheren Ziegeleien übernommen hat, nutzt die Gunst der Stunde. Weil der Saisonstart wegen der Corona-Pandemie um eineinhalb Monate auf Mitte Mai verschoben  werden  musste, werden jetzt Arbeiten erledigt, für die sonst wenig Zeit ist, erläutert der Chef des Technikmuseums, Roy Lepschies. Die alten Gleise, die jetzt auf einem Teilstück an der Endstation der Naturparkbahn erneuert werden, stammen noch aus der Gründerzeit der Ziegeleien aus dem 19. Jahrhundert. Sie wurden zwar schon mal neu verlegt, aber auch das ist schon Jahrzehnte her. Wenn eine Schmalspurbahn die alten Gleise befuhr, hatte das etwas von rauer Seefahrt. Es ging rauf und runter. Richtig seekrank machte die gemächliche Fahrt allerdings nicht.
Schaukeln hat ein Ende
Doch das Schaukeln hat zumindest hier in Burgwall bald ein Ende. Was beim Rückbau der alten Gleise beim übereinander Schieben der stählernen Schienen mit heftigem Quietschen beim Reiben von Stahl auf Stahl eindrucksvoll begonnen hatte, bewegt sich jetzt auf der Zielgeraden. Noch ein paar Meter und die Sache ist für dieses Jahr erledigt. Doch bevor die Tonlorenbahn auf dem erneuerten Gleis fahren kann, muss alles von Prüfern abgenommen werden. Das Eisenbahnbundesamt beziehungsweise der Landesbevollmächtigte für die Bahnaufsicht werden die Arbeiten abnehmen, unmittelbar bevor hier zum ersten Mal eine Bahn mit Passagieren darüber fahren darf. Dann aber steht dem Vergnügen nichts mehr im Wege. Tausende Besucher nutzen jedes Jahr die Möglichkeit, in umgebauten Tonloren sich entweder von einer Diesel- oder an jedem ersten  Wochenende eines jeden Monats von einer rustikalen Dampflok angetrieben durch die Tonstichlandschaft ziehen zu lassen. Eine solche Fahrt trägt auf jeden Fall zum Entschleunigen bei. Und wer weiß: Vielleicht erspäht man einen Biber oder entdeckt seltene Orchideen, die hier ihren Lebensraum haben.