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Bürgerinitiativen richten sich gegen FFH-Management und Gewässersanierung / Angst vor Einschränkungen

Doberburger laufen Sturm

Wir wollen unser Eigentum zurück: Maik Humpack und Frank Mechler (v. li.), wollen als Mitglieder der Bürgerinitiative Doberburg mögliche Nutzungseinschränkung ihrer Grundstücke verhindern.
Wir wollen unser Eigentum zurück: Maik Humpack und Frank Mechler (v. li.), wollen als Mitglieder der Bürgerinitiative Doberburg mögliche Nutzungseinschränkung ihrer Grundstücke verhindern. © Foto: MOZ/Jörg Kühl
Jörg Kühl / 23.02.2012, 07:43 Uhr
Doberburg (MOZ) Die Einwohner von Doberburg haben zwei Bürgerinitiativen gegründet. Damit wollen sie gegen das FFH-Management einer landeseigenen Stiftung sowie gegen die Umsetzung des Gewässerentwicklungskonzeptes Schwielochsee protestieren.

Die Transparente sprechen eine deutliche Sprache: "Schluss mit dem Landklau!", "Wir wollen unser Eigentum zurück!", "Platzeck blutet unsere Dörfer aus!" so lauten die Slogans, die in Doberburg und an den Zufahrtsstraßen aufgehängt sind. In dem idyllischen Örtchen zwischen Lieberose und dem Schwielochsee laufen die Bürger Sturm gegen alles, was im Namen des Umweltschutzes in der Region geplant ist. Es fällt selbst direkt Beteiligten schwer, die Programme, die Akteure und genauen geografischen Orte auseinanderzuhalten. Eines eint jedoch die Proteste: Die Angst, durch Umweltschutzauflagen an der Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen künftig gehindert zu werden. Dies empfinden die Bürger - obwohl noch nichts entschieden ist - als Beschneidung ihrer Eigentümerrechte. Infolge dieser Befürchtungen wurden zwei Bürgerinitiativen (BI) gegründet: Die BI Doberburg sowie die BI Barolder Mühlenfließ.

Der Zorn richtet sich zum einen gegen die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg. Die landeseigene Einrichtung managt in eigener Verantwortung die Umsetzung des Flora-Fauna-Habitatgebiets (FFH) Doberburger Mühlenfließ. Zur Erinnerung: 1992 hatten sich die damaligen Staaten der EU verpflichtet, schützenswerte Flächen auszuweisen. Dies ist in einem mehrstufigen Verfahren bis 2004 unter Einbeziehung der Umweltbehörden auf Bundes-, Landes- und Kreisebene geschehen. 2005 wurden die FFH-Gebiete in den Amtsblättern veröffentlicht. Auch das Doberburger Mühlenfließ genießt seit dieser Zeit den Status. Im Mai 2009 ist die Stiftung mit dem Gebietsmanagement beauftragt worden. Im Auftrag der Stiftung hat das Büro Lederer aus Halle im vorigen Jahr die Kartierung des Gebietes abgeschlossen und eine Bestandaufnahme der Tier- und Pflanzenarten zusammengetragen. Über konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der FFH-Ziele ist den Bürgern vor Ort nichts bekannt, im Oktober wurde lediglich ein grobes Maßnahmenkonzept in Lübben vorgestellt. Dieser Tage hat die Bürgerinitiative einen Brief an Bundesumweltminister Norbert Röttgen versandt, mit der Forderung, den FFH-Status für das Doberburger Mühlenfließ zurückzunehmen. Die für Doberburg zuständige Stiftungsmitarbeiterin Nadine Becker kündigt an, "noch vor der Vegetationsperiode" eine Informationsveranstaltung vor Ort anzubieten, zu der alle Bürger eingeladen werden.

Konkrete Vorschläge für Maßnahmen sind hingegen in einem Planungspapier enthalten, das bis Monatsende im Lieberoser Rathaus ausliegt. Es handelt sich um einen "Entwurfsplan für die Herstellung des guten ökologischen Zustandes für das Barolder Mühlenfließ", welches in das Doberburger Mühlenfließ mündet. Auftraggeber ist das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV), das mit der Ausarbeitung eines Gewässerentwicklungskonzeptes für den Schwielochsee befasst ist. In dem ausgelegten Planungspapier werden unter anderem Buhnen genannt, die die Fließgeschwindigkeit des Mühlenfließes beeinflussen sollen sowie eine Anhebung der Bachsohle.

Wie die zuständige LUGV-Mitarbeiterin Isabell Hiekel mitteilt, ist das Planungspapier als "ehrliche Verhandlungsgrundlage" zu betrachten. Die Anregungen der Bürger würden berücksichtigt. Bei den Planungen für die Verbesserung des Doberburger Mühlenfließes würden die Bürger von Anfang an mit ins Boot genommen, versichert sie.

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