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Effis Schaukel am Ohr

Einen am Ohr, viele in der Hand: Die Goldschmiedin Rima Chammaa hat die Effi-Briest-Schaukel entworfen. Außerdem sind noch andere Schmuckstücke entstanden.F
Einen am Ohr, viele in der Hand: Die Goldschmiedin Rima Chammaa hat die Effi-Briest-Schaukel entworfen. Außerdem sind noch andere Schmuckstücke entstanden.F © Foto: MZV/Melzer-Voigt
Judith Melzer-Voigt / 14.03.2013, 18:32 Uhr
Brunne (MZV) Wie verarbeitet man das Thema "Effi Briest" als Goldschmiedin? Wie die glücklichen Momente der Hauptfigur des Fontane-Romans? Wie die tragischen? Vor dieser Aufgabe stand die Brunner Künstlerin Rima Chammaa - und sie hat sie gelöst. Derzeit entwirft sie eine Schmuckkollektion.

Hintergrund dieser Arbeit ist die Aktion "Kunst Kooperative Wirtschaft". Dabei werden Künstler und Unternehmen zusammengeführt, die sich austauschen und gemeinsam Projekte entwickeln, die für die Region stehen - und so auch die Tourismuswirtschaft ankurbeln. Die Firmen profitieren von der Kreativität der Künstler. Diese wiederum erschließen sich neue Geschäftsfelder, um ihre Auftragslage zu verbessern. Schirmherrin von "Kunst Kooperative Wirtschaft" ist Cornelia Lambriev-Soost. "Wir wollen, dass die Touristen ein Souvenir haben und gleichzeitig den Einheimischen etwas bieten, das sie mit der Region verbinden", erklärt Lambriev-Soost. 60 000 Euro stehen ihr für das Projekt zur Verfügung, 25 Prozent davon sind Eigenanteil. Mitfinanziert wird die Aktion vom Europäischen Sozialfonds. Lambriev-Soost hat beispielsweise bereits dafür gesorgt, dass der Künstler Jost Löber gemeinsam mit dem Unternehmen Fesotex aus Fehrbellin einen Liegestuhl entwirft (RA berichtete).

Nun ist also Schmuck an der Reihe. Rima Chammaa hat - im Gegensatz zu den anderen Kreativen - keine Firma an ihrer Seite. Sie übernimmt Ideenfindung, Herstellung und Verkauf allein. Cornelia Lambriev-Soost hatte dabei die Idee, dass das Thema "Effi Briest" auf irgendeine Weise umgesetzt werden könnte. Aber wie nur? Sie suchte Rat bei Martina Jeschke, der Direktorin des Neuruppiner Seehotels Fontane, und wollte wissen, was bei den Besuchern gut ankommen würde. Dabei kam heraus: Schmuck für die Frauen ist immer gefragt. "Und Männer verlieren oft ihre Manschettenknöpfe", so Lambriev-Soost. Mit diesen Einfällen trat sie dann an Rima Chammaa heran - und die 49-Jährige stand plötzlich vor einer ungewohnten Situation: Sie hatte Zeit, sich etwas auszudenken. Ganz in Ruhe und ohne Druck. Denn eigentlich kommen die Kunden zu der Goldschmiedin und haben konkrete Vorstellungen, die sie dann umsetzt. Dass sie erst ein Thema hat und dann dazu arbeiten kann - das war neu. Die Arbeit am Projekt habe sie ein bisschen an ihre Ausbildungszeit erinnert, in der sie sich an einem Motto richtig "abarbeiten" konnte.

Also hat sie sich erst einmal das Fontane-Buch gekauft. Zwar kannte Chammaa die Geschichte der Effi Briest, doch gelesen hatte sie sie noch nie. Dabei merkte sie auch ganz schnell, dass die Idee von Cornelia Lambriev-Soost, sich den Tränen zu widmen, die die Hauptfigur geweint hat, nicht ganz passend war: Denn eigentlich weint Effi Briest nur ein einziges Mal in dem ganzen Buch. Also musste ein anderes Bild gefunden werden - und die Schaukel blieb Rima Chammaa nach der Lektüre im Gedächtnis. Sie symbolisiert mehr die schönen Momente, in denen Effi Briest sich jung und frei fühlt. "Aber dann habe ich gedacht, die Tränen stehen ihr eigentlich auch zu", sagt Chammaa. Also setzte sie beides um - in Form von filigranen Ohrringen. Die Männer dürfen bei der Schmuckkollektion nicht zu kurz kommen. Daher entstehen auch Manschettenknöpfe.

Die Schaukeln hat Chammaa bereits fertig. Bei ihnen hängen farbige, emaillierte Halbkreise an einem zarten Silberreif. Dabei können Kunden unter verschiedenen Farbkombinationen auswählen. Bei den "Tränen der Effi" handelt es sich um Ohrringe, deren einzelne farbige Elemente ebenfalls durch Silber miteinander verbunden sind. Die Manschettenknöpfe haben die Form eines Schildes und sind entweder in Kobaltblau oder in Silber mit verschiedenen blauen Mustern gestaltet.

Neu ist für Rima Chammaa auch, dass sie diese Schmuckstücke in einer Kleinstserie anfertigt. Sonst sind es eher Einzelstücke, die sie in ihrer Brunner Werkstatt herstellt. Durch die Serie verändert sich auch der Preis. Kostet Schmuck von Rima Chammaa sonst ab 100 Euro aufwärts, wird sich die Effi-Kollektion darunter bewegen. Die Stücke werden in Hotels und Galerien zu bekommen sein.

Dass ihre Kreationen später in Museumsshops verkauft werden, stört die Künstlerin nicht. "Es bleiben ja Einzelstücke", sagt sie. An jedem Ohrring und an jedem Manschettenknopf arbeitet Chammaa. Bei der Serie begeistert sie auch, dass sie Farben kombinieren kann. Der Schmuck kann blau, grün und auch weiß sein - allerdings bereitet Rot Probleme, denn es wird beim Emaillieren eher orange.

"Es geht bei dem Projekt erstmal um die Ideenfindung", sagt Cornelia Lambriev-Soost. Die Umsetzung sei dann ganz Sache des Künstlers. Nur ein Prototyp des Produktes sollte bis Ende September - dem Schluss von "Kunst Kooperative Wirtschaft"- fertig sein, denn dann ist eine Ausstellung in der Galerie am Bollwerk in Neuruppin geplant. Dabei wird alles gezeigt, was im Rahmen der Aktion entstanden ist. Rima Chammaa fiebert dieser Exposition entgegen. "Ich freue mich jetzt schon drauf, denn dann kann ich sehen, wie die anderen Künstler an ihre Themen herangegangen sind."

Rima Chammaa ist unter (03 39 32) 7 26 34 oder im Internet unter www.rima-chammaa.de erreichbar.

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