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Willi Maske aus Neuranft öffnet seinen Stall für Schwalben / Tiere nisten oberhalb der Schweinekoben

Rastplatz auf der Vogelscheuche

Willi Maske und sein Schäferhund Odin heißen die Schwälbchen willkommen. Im Schweinestall fühlen sich ihre gefiederten Freunde wohl.
Willi Maske und sein Schäferhund Odin heißen die Schwälbchen willkommen. Im Schweinestall fühlen sich ihre gefiederten Freunde wohl. © Foto: MOZ/Nadja Voigt
Nadja Voigt / 07.05.2013, 07:45 Uhr
Neuranft (MOZ) Rauchschwalbe, Mehlschwalbe, Uferschwalbe - Schwalbe ist nicht gleich Schwalbe. Allen gemein ist, dass sie viele Besitzer nicht mehr auf ihren Höfen haben wollen. Deshalb freut sich Giesela Ziehm vom NABU Regionalverband Oberbarnim über Schwalbenfreunde wie Willi Maske aus Neuranft.

Auf dem Hof von Willi Maske heißt es "Kopf einziehen"! Im Tiefflug sausen Dutzende Schwalben sehr geschäftig über die Köpfe hinweg. Und nebendran steht Willi Maske und freut sich. Denn die Frühlingsboten, als die die Zugvögel gelten, sind dem 77-Jährigen aus Neuranft sehr willkommen. "Die waren schon immer da", sagt der frühere Landwirt und lacht. "Die sind hier zu Hause, das sehen sie doch!" Der Hof, den er und seine Frau bewirtschafteten, brachte seine Frau mit in die Ehe. In allen Stallungen waren in den Sommermonaten damals auch Schwalben zu Hause, erinnert sich Willi Maske. 1955 hat er seine Frau geheiratet. Schwalben bringen Glück, heißt es. "Für mich stimmt das, für meine Frau leider nicht", sagt Willi Maske. Denn den Kampf gegen den Krebs hat sie leider verloren.

Nun lebt Willi Maske mit seinem Sohn und seiner Schwiegertochter auf dem Hof. "Doch auch sie stören die Schwalben nicht, selbst wenn sie das Scheunentor verunreinigen", sagt Maske. Denn der Kot der Tiere, der unweigerlich auf dem ganzen Hof zu finden ist, hält viele Leute davon ab, die Tiere bei sich nisten zu lassen, weiß Gisela Ziehm. Die Vorsitzende des Regionalverbandes Oberbarnim des Naturschutzbundes (NABU) ist froh um jeden, der sich dennoch dazu bereit erklärt.

Denn die Schwalbenbestände gehen seit Jahren aufgrund intensiver Landwirtschaft, Versiegelung der Böden und schwalbenunfreundlichen Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden und Beseitigung von Nestern zurück, heißt es vom NABU. Jedes Jahr vergibt die Organisation die Plakette "Schwalben willkommen". Im letzten Jahr erhielten sie Ziegenwirt Michael Rubin aus Zollbrücke und Karin Fronske aus Kunersdorf.

25 bis 30 Nester hat Willi Maske in seinem Stall. Dort fühlen sich die Tiere neben den beiden Schweinen augenscheinlich sehr wohl. Ein Fenster hat der Rentner ausgehängt, damit die Schwalben ungehindert ein- und ausfliegen können. Und steht er in der offenen Stalltür, sausen sie ihm um die Ohren. "Morgens sammeln sie sich auf der Dachrinne über der Scheune", berichtet der Vogelfreund und schaut die Backsteinmauer hinauf. Dabei streift sein Blick das verschmutzte Tor. "Na ja, eigentlich ist die Tür neu gestrichen", sagt er lakonisch. "Aber dann müssen wir sie eben noch einmal streichen." Vor der riesigen Scheune ist eine Pfütze auf dem Boden. Die füllt Willi Maske immer wieder mit Wasser auf. "Das brauchen sie, um ihre Nester zu bauen", weiß er. Und damit sind die Tiere derzeit emsig beschäftigt. Viele andere Hausbesitzer machen es den Schwalben schwer, einen geeigneten Nistplatz zu finden, weiß der Neuranfter. Doch im Ort gibt es noch andere Schwalbenfreunde. "Ich freue mich schon immer, wenn die Vögel kommen", sagt Maske. Sein Nachbar hält sogar das Datum fest. Jedes Jahr. "Erst kommen ein, zwei, um zu gucken und auf einmal sind sie dann alle da", sagt Maske. "Und zum Ende des Sommers sammeln sich alle auf der großen Trauerweide mitten auf dem Hof." Früher hätte es ja noch mehr Drähte und Leitungen gegeben, auf denen sie sich gesammelt haben. "Heute sind die ja fast alle unter der Erde."

Traurig sei er jedoch nicht, wenn die Schwalben wieder gen Süden ziehen. Denn er weiß ja, dass sie jedes Jahr wiederkommen. Erst ein oder zwei. Und dann die ganze Meute.

Wer auch schwalbenfreundlich agieren möchte, oder einen Schwalbenfreund für die Ehrung des Naturschutzbundes vorschlagen möchte, kann sich an den Regionalverband Oberbarnim wenden. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.NABU-brandenburg.de oder schwalben@NABU-brandenburg.de

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