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Übersetzer mit Leib und Seele

Im Garten in Brunne: Bernhard Robben, 1955 im Emsland geboren, war Lehrer, Journalist und Bürgermeister. Für sein Lebenswerk als Übersetzer wird er bei der Frankfurter Buchmesse mit dem Preis der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Stiftung geehrt.
Im Garten in Brunne: Bernhard Robben, 1955 im Emsland geboren, war Lehrer, Journalist und Bürgermeister. Für sein Lebenswerk als Übersetzer wird er bei der Frankfurter Buchmesse mit dem Preis der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Stiftung geehrt. © Foto: Markus Kluge
Markus Kluge / 01.08.2013, 20:02 Uhr
Brunne (RA) Bernhard Robben bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Auch nicht, dass er schon jetzt, mit 57 Jahren, einen Preis für sein Lebenswerk als Übersetzer bekommt. "Das ist eine große Anerkennung. Aber ich nehme das gelassen", sagt Bernhard Robben.

Im Herbst wird dem Übersetzerenglischsprachiger Literatur auf der Frankfurter Buchmesse der mit 15000 Euro dotierte Preis der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Stiftung verliehen (RA berichtete). Ausschließlicher und unmittelbarer Zweck der Stiftung ist die Förderung deutschsprachiger Literaturübersetzer. Das Gefühl, das Robben mit diesem Preis verbindet, ist eine innerliche Beruhigung. "Ich bin im Abitur in Englisch knapp an einer fünf vorbeigeschrammt und habe nie Englisch studiert. Manch einer wird sich gedacht haben: ,Junge, Junge und der ist Übersetzer geworden'", erzählt Robben, der das alles jetzt nur noch mit einem Lächeln quittieren kann.

Die Stiftung verleiht Preise an Übersetzer für herausragende Werke oder - wie eben im Fall von Bernhard Robben - für außergewöhnliche Leistungen. Seit 1985 hat er 110 Bücher ins Deutsche übersetzt. Darunter weltbekannte Titel wie "Der Pferdeflüsterer" von Nicholas Evans und das Buch "Rupien! Rupien!" von Vikas Swarup, das als "Slumdog Millionär" auf die Leinwand kam.

So bekannt die Bücher auch werden - auf Preise und Stipendien sind Übersetzer angewiesen, sagt Robben. Maximal vier Bücher könne man pro Jahr schaffen. Die Honorare werden mit den Verlagen verhandelt. "Als ich den ,Pferdeflüsterer' übersetzt habe, wusste ich, dass dieses Buch ein Erfolg wird", so Robben. Deshalb wollte er damals schon eine Beteiligung an der verkauften Auflage. Die gab es aber nicht. "Machen Sie es, oder wir suchen uns einen andere Übersetzer und stecken das Geld in ein Lektorat", lautete damals die klare Ansage. Heute sei die Beteiligung der Übersetzer Usus - wenn sie denn an solche Aufträge kommen. Der Markt ist sehr überschaubar. Wenn es gute deutsche Literatur gibt, werden die Zeiten für Übersetzer noch härter, weil kaum jemand die übersetzten Bücher möchte.

Bernhard Robben hat sich durch seine Arbeit und seine Erfolge einen Namen gemacht. Manche seiner Kollegen müssen viel mehr um Aufträge kämpfen als er. Für die Zunft der Übersetzer kämpft Robben deshalb bei jeder Gelegenheit - dafür, dass ihre Arbeit mehr Beachtung findet, ihre Namen bei Buchbesprechungen auftauchen. "In vielen Zeitungen passiert das leider nicht. Die Leser müssen davon ausgehen, dass der Autor das Buch gleich in Deutsch geschrieben hat. Setzt man den Namen des Übersetzers darunter, gibt man den Leuten die Möglichkeit zu wissen, dass es nicht das Original ist", so Robben. Viele Autoren, die er übersetzt, würden nicht einmal Deutsch sprechen.

Preise und Stipendien seien für Übersetzer zwingend notwendig. "Es ist die Ausnahme, dass man nur als Übersetzer Haus, Hof, und Familie durchbringen kann", sagt Robben. Auch der 57-Jährige beschränkt sich nicht auf das Übersetzen in seinem Arbeitszimmer im Dachgeschoss. Pro Jahr moderiert Robben noch 30 bis 50 Veranstaltungen, Buchmessen, Lesungen und vieles andere mehr. Dass er früher Bürgermeister in seinem Dorf und Vorsitzender im damaligen Fehrbelliner Amtsausschuss war, habe seine Fähigkeiten als Moderator noch ausgeprägt. "Wenn man das geschafft hat, wird man auch mit Schriftstellern fertig", lässt Robben zwischen den Zeilen erkennen, dass er seiner Zeit als Kommunalpolitiker keine Träne hinterherweint.

Die Arbeit als Übersetzer sei eine sehr einsame. Die Moderationen und Treffen mit Autoren wie Simon Beckett und Salman Rushdie sowie Sprechern und Schauspielern sind so etwas wie ein Ausgleich dazu. Den Ausgleich sucht der 57-Jährige auch beim Übersetzen. Während Bücher wie "Rupien! Rupien" Bernhard Robben eher leicht von der Hand gehen, gibt es manche irische und amerikanische Literatur, die sein Herz und seinen Verstand erobern und die ihn intellektuell befriedigen. "John Burnside ist ein Autor, den ich sehr gerne übersetze. Er hat eine spezielle Art und Weise, wie er etwas sagt. Seine Sätze sind Musik, sie haben einen Tonfall, die einen Zauber erzeugen", erklärt Robben. Wenn er den Autoren kennt, hat er beim Übersetzen dessen Stimme im Kopf und weiß, wie er was gemeint hat. "Wenn ich weiß, dass jemand kein Hektiker ist, dann sagt er manche Sachen einfach ganz anders. Es ist wie ein Zwiegespräch zwischen Freunden."

In jedem Buch steckt letztlich aber auch ein Stück von ihm selbst. "Meine Frau erkennt meine Stimme in jeder Übersetzung wieder", sagt der Brunner. Denn jede Übersetzung ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Zehn Übersetzer mussten für einen Test ein und denselben Text übersetzen. "Es kamen dabei zehn richtige, aber völlig unterschiedliche Übersetzungen heraus. Die Persönlichkeit eines jeden fließt ab dem ersten Satz mit ein", sagt der 57-Jährige. Manche Leser schauen beim Bücherkauf deswegen nicht nur auf Inhalt und Autorennamen, sondern auch auf den Namen des Übersetzers.

Kennengelernt hat Bernhard Robben schon etliche Autoren, deren Werke er übersetzt hat. Vikas Swarup war bisher nicht darunter, was er bedauert. Der indische Autor, der die Grundlage für "Slumdog Millionär" geschrieben hat, arbeitet als Botschafter in Südafrika. "Ich weiß nicht, was er für ein Mensch ist. Aber er kann sehr gut Geschichten erzählen und Missstände beschreiben." Als Botschafter müsse er sicher ein kühler Politiker sein, als Romanautor zeigt er laut Robben aber eine ganz andere Seite.

Ein eigenes Buch wird Bernhard Robben wohl nie schreiben. "Letztlich ist die Frage danach respektlos und sie bringt mich jedes Mal auf die Palme", sagt er. Mit dem Gedanken, selbst zu schreiben, habe er aber schon einmal gespielt und sich damit einfach nur unter Druck gesetzt. "Nach 110 Übersetzungen muss ich aber kein Buch mehr schreiben", so der 57-Jährige, der seinen Beruf mit Leib und Seele ausübt und der der beste und genaueste Leser ist, den die Autoren je bekommen. "Die Freiheit des Übersetzers liegt zwischen den Zeilen und das Original gibt den Spielraum vor", sagt Robben. Ein Stück weißes Papier bereite ihm aber Sorgen. "Ich weiß noch nicht mal, was ich in meine Dankesrede für die Preisverleihung schreiben soll", gesteht er.

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